28.
FEB 2014
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Chefsache

Die richtige Finanzierung

Am Anfang steht die Idee: die eigene Praxis! An der Bank führt dabei meist kein Weg vorbei. Worauf Du achten solltest, erfährst Du hier.



Kein Blick in die Glaskugel: der Finanzplan

Bevor überhaupt ein Kreditantrag gestellt werden kann, müssen alle Daten in einem Finanzplan zusammengefasst werden. Ein guter Finanzplan beinhaltet dabei:

  • eine Planung auf 8-10 Jahre, davon mind. die ersten 2 Jahre unterjährig.
  • sämtliche Investitionen aufgeschlüsselt nach Anlagenart.
  • alle Abschreibungen gem. AfA-Plan.
  • die Unterscheidung zwischen Umsatz & Einnahme-Situation (Stichwort: KZV-Abschlag).
  • die Umsätze nach Honorar, Labor & PZR sowie Kasse & privat getrennt aufgeschlüsselt.
  • sämtliche Betriebskosten (inkl. Zinsen) und sinnvolle Annahmen (bspw. Mietsteigerungen).
  • den Fremdkapitalbedarf sowie die zugehörigen Tilgungspläne.
  • die Entwicklung des Kontokorrent (dem Bankkonto) und der Höhe des ggf. benötigten Betriebsmittel Kredit.
  • die Privatentnahme-Situation.
  • genähert die Einkommenssteuersituation inkl. Abschlags und Nachzahlungen.
  • den Vermögensstatus.
  • Vergleichsdaten (beispielsweise der KZBV).
  • ein Protokoll mit den getroffenen Prämissen

Klingt kompliziert? Ist es auch meistens. Gerade die Prognosen zur Umsatzentwicklung bedürfen ein wenig Erfahrung. Ich rate Dir dringend bei der Erstellung des Finanzplans einen Experten zurate zu ziehen. Die Kosten sind überschaubar und minimieren Dein Risiko vor unliebsamen Überraschungen erheblich. Zudem segnet die Bank einen soliden Finanzplan erheblich schneller ab.

Der Finanzplan ist also das wichtigste Dokument innerhalb Deines Finanzierungsprozesses. Die eigentlichen Mittel stellt natürlich die Bank zur Verfügung, und - wer hätte es geahnt - möchte ihr Geld beizeiten mit Zinsen zurück.

Der Kreditnehmer - also Du - hat dabei die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Kreditvarianten. Dabei gibt es grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten, die sich jeweils in der Art ihrer Rückzahlung unterscheiden.

Variante 1: Annuität

Hier wird, meist quartalsweise, der immer gleiche festgelegte Betrag von Deinem Konto abgebucht. Dabei setzt sich der Betrag aus Zinsen und Tilgung zusammen. Der Clou: Das Verhältnis zwischen Zins und Tilgungsanteilen verschiebt sich im Laufe der Zeit zugunsten der Tilgung.

Variante 2: Tilgungsdarlehen

Hierbei wird eine feste Tilgung über die gesamte Laufzeit vereinbart. Die monatlichen Zahlungen ergeben sich entsprechend aus der Summe der Tilgung (fix) und den Zinsen. Die Zinsen berechnen sich aus der Restschuld, die am Anfang der Laufzeit entsprechend höher ist. In Konsequenz sind die Zahlungen, die Du an die Bank leisten musst, anfangs höher als zum Ende der Laufzeit, da der Zinsanteil zu Beginn höher ist.

Variante 3: Endfälliges Darlehen

Hierbei bleibt die Restschuld über die gesamte Laufzeit konstant. Du tilgst lediglich Deine Zinsen. Um am Ende Deiner Laufzeit die Restschuld bezahlen zu können, wird meistens eine vermögensbildende Versicherung oder ein anderes Kapitalanlagekonzept  abgeschlossen. Hierbei wird durch eine konstante Ansparrate und die prognostizierte Rendite das benötigte Kapital aufgebaut, um am Ende der Laufzeit die Schulden zu tilgen.

Sonderregelungen

Sowohl beim Annuitäten- als auch beim Tilgungsdarlehen lassen sich tilgungsfreie Zeiten vereinbaren. In der Regel bis zu zwei Jahren. In dieser Zeit zahlst Du lediglich die auf Deine Restschuld anfallenden Zinsen (oder im Falle der Zinskapitalisierung nicht mal die). Das macht vor allem bei einer Neugründung Sinn, da dort nicht von Anfang an ausreichend Gewinn zur Verfügung steht. Bei der individuellen Ausgestaltung solltest Du Dir Rat von einem Experten holen. Letztlich entscheiden die Prognosen und damit die Daten des Finanzplans, welche Finanzierungsvariante die sinnvollste ist. Gute Prognosen sparen bares Geld!

So unterscheiden sich die Finanzierungsformen

Um die verschiedenen Finanzierungsformen im Hinblick auf die Kosten zu vergleichen, möchte ich Dir eine einfache Beispielrechnung zeigen.

Voraussetzungen:

  • das benötigte Kapital (die Investitionshöhe) beträgt 300.000 Euro.
  • der Finanzplan ergibt, dass eine 2-jährige tilgungsfreie Zeit benötigt wird.
  • alle Darlehensformen haben einen effektiv Zins von 5%, was z.Z. Wucher wäre ;)
  • die Laufzeit soll (inkl. Tilgungsfreier Zeit) 10 Jahre betragen.
  • die Ratezahlungen sind vierteljährlich (nachschüssig) zu leisten.
Die Beispielrechnung Sascha Kötter

Zur Rate: Bei der Endfälligkeit bezeichnet dies die Summe aus Sollzins und Ansparrate/Tilgungsersatz (acht Jahre zu 31.764 Euro) bei einem Habenzins zum aktuellem Garantiezins von vier Prozent effektiv. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurde eine Ansparphase von 8 Jahren gewählt und damit der tilgungsfreien Zeit der anderen Darlehensformen entsprochen.

Nach dieser Betrachtung wäre also das Tilgungsdarlehen das günstigste. So einfach ist es aber leider nicht. Zum einen muss berücksichtigt werden, ob es sinnvoll ist, dass die höchsten Raten am Anfang der Tilgungsphase anfallen und außerdem haben wir bisher die Steuern nicht in unserem Szenario berücksichtigt. Die Entscheidung zwischen Annuitäten- und Tilgungsdarlehen bedarf also einer genaueren Betrachtung, die an dieser Stelle aber viel zu weit führen würde.

Die komplizierte Welt der Endfälligkeit

Schaut man sich die Zinskosten der Endfälligkeit an, fragt man sich, wieso das überhaupt jemand in Erwägung ziehen kann. Dazu müssen wir folgende Betrachtung machen: Ziehen wir bei Annuität und Tilgungsdarlehen die Zinsen von der Summe der Raten ab, landen wir wieder exakt bei 300.000 Euro. Bei der Endfälligkeit ist dem nicht so: 404.112 minus 150.000 macht 254.112.

Die verbleibenden 45.888 Euro auf 300.000 Euro entsprechen exakt der Rendite, die unsere Kapitalanlage erwirtschaftet hat (bei vier Prozent). Und genau hier liegt der Schlüssel, bei dem sich die Zinskosten für den Kredit in Relation zum Zinsertrag der Kapitalanlage zugunsten der Endfälligkeit verschieben können! Denn der Garantie-Zins liegt zurzeit nicht bei 4 Prozent, sondern bei lediglich 1,75 Prozent. Alles darüber hinaus ist die Hoffnung, dass der Markt den Erwartungen folgt.

Auch die Steuervorteile können unter speziellen Voraussetzungen die Entscheidung zur Endfälligkeit begünstigen. Allerdings habe ich in meiner Betrachtung nicht einmal die fällige Abgeltungssteuer (nach 2005) für die Kapitalerträge berücksichtigt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass rein wirtschaftlich betrachtet die Endfälligkeit in der Regel die schlechteste Wahl ist (bei aktueller Rechtslage und Zinskonditionen).

Berücksichtigen muss man allerdings die etwaige Flexibilität, die diese Anlagenform gerade in Kombination mit einer Immobilienfinanzierung hat. Das ist aber in jedem Fall eine Einzelfallprüfung. Denn bedacht werden muss auch, wer - neben der Bank - von dieser Finanzierung profitiert und wo die Motivation liegt.

Finanzdienstleister sind nämlich höchst motiviert, diese Form der Finanzierung an den Mann/die Frau zu bringen, aus dem einfachem Grund, weil für sie beim Abschluss einer Lebensversicherung oder vergleichbarem saftige Provisionen herausspringen. Überprüfe also bitte zwei Mal, ob eine Endfälligkeit einen echten Vorteil bietet, und falls nicht ,die versprochene Flexibilität die Mehrkosten rechtfertigen.


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