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OKT 2013
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Chefsache

Schrecken MVZ?

Medizinische Versorgungszentren stehen in der Kritik. Aber was bedeuten solche Zentren konkret für den niedergelassenen Zahnarzt? Sascha Kötter gibt Antworten.



Die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ist seit Anfang 2004 im Zuge des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes möglich. Die politischen Ziele dieser Maßnahme waren unter anderem:

  • Die integrierte Versorgung, das heißt eine sektorübergreifende Versorgungsform, vor allem hinsichtlich der Vernetzung zwischen ambulantem und stationärem Gesundheitswesen.
  • Die Kostendegression, bedingt durch die Chance positiver Skaleneffekte durch gemeinsam genutzte Ressourcen.
  • Die Versorgungssicherheit in strukturschwachen Gebieten.

Zulassungsbedingungen unter Beschuss

Bedingt durch seine Rechtsform ermöglicht(e) ein MVZ darüber hinaus aber auch Kapitalgesellschaften einen indirekten Zugang zum ambulanten Gesundheitsmarkt. Diese Tatsache steht seither in der Kritik der Ärzteschaft. Mit Beschluss des Versorgungsstrukturgesetzes Anfang 2012 wurden die allgemeinen Zulassungsbedingungen hinsichtlich der Trägerschaft eines MVZ zugunsten der ärztlichen Freiberuflichkeit verschärft.

Es besteht aber weiterhin die Gefahr, dass Kliniken die MVZ als Element ihrer Wertschöpfungskette integrieren. Sie könnten, so die Theorie, interne Überweiserstrukturen aufbauen und zudem die ambulante Nachsorge abdecken. Diese Entwicklung muss sicherlich weiter kritisch beobachtet werden, ist aber nicht Gegenstand dieses Beitrags. Die Frage, die bleibt: Musst Du den Wettbewerb mit den MVZ fürchten?

Das MVZ kann Synergieeffekte nutzen

Betrachten wir zunächst, was ein MVZ theoretisch "besser kann":

  • MVZ können Direktverträge mit den GKVen abschließen.
  • MVZ können gemeinsame Ressourcen nutzen und so die Fixkosten je Behandler/ je Behandlung deutlich senken (beispielsweise Marketing, Verwaltung).
  • Durch die Notwendigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit entstehen für die Patienten gegebenenfalls kürzere Wege und leichtere Abstimmungen.
  • MVZ weisen in der Regel eine höhere Kapitalkraft als niedergelassene Ärzte auf.

Zahnärztliche MVZ sind noch wenig verbreitet

Wer also ein zahnärztlich tätiges MVZ in seinem Einzugsgebiet hat, sieht sich zunächst einmal einem starken Wettbewerber gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber noch gering. Denn in der Praxis führen die MVZ derzeit noch ein Schattendasein, erst recht im Bereich der zahnärztlichen Versorgung.

Dies ist meiner Meinung nach vor allem begründet in den intransparenten Zulassungsvoraussetzungen beziehungsweise deren teils willkürlicher Auslegung. So erfüllt die Kombination aus allgemein zahnärztlicher Tätigkeit und Oralchirurgie in manchen KV- und KZV-Gebieten die Forderung der "fachübergreifenden Zusammenarbeit", in anderen nicht. Erschwerend kommt die Abstimmung zwischen KV und KZV beim interdisziplinären Zulassungsverfahren hinzu.

Wettbewerbsdruck ist auch ohne MVZ hoch

Letztlich spielt es aber nur eine untergeordnete Rolle, ob der lokale Wettbewerb durch eine große MVZ-Struktur geprägt ist. Die Wettbewerbsintensität im zahnärztlichen Bereich hat auch innerhalb der niedergelassenen Ärzte stark zugenommen. Ein Beispiel, an dem dies sehr deutlich wird: Die Ausgaben von Zahnärzten für die Buchung von Google-Anzeigen (AdWords) belaufen sich in Berlin mittlerweile auf vier Euro pro Klick für die Suchanfrage "Zahnarzt Berlin".

Zum Vergleich: Eine der wettbewerbsintensivsten Online-Branchen, nämlich die Kreditvergleichsportale, geben im Durchschnitt auch nur sechs Euro pro Klick aus. Das bedeutet, dass mittlerweile viel Geld in die Hand genommen wird - nicht nur online -, um die "knappe Ressource" Patient zu gewinnen. Wer sich lokal mit einer so hohen Wettbewerbsintensität konfrontiert sieht, sollte sich Gedanken machen, wie er seinen aktuellen Patientenstamm quantitativ und qualitativ aufbaut oder zumindest konstant hält.


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