09.
MÄRZ 2015
privat
Aus dem Ausland

Famulatur in Uganda IV

"Raus aus dem Hörsaal und rein ins kalte Wasser" - das erleben derzeit die beiden Studentinnen Miriam Teufelhart und Vivienne Demeter bei ihrer Famulatur in Uganda. Die Hälfte der Zeit ist bereits vorbei und die letzten zwei Wochen verbringen die zwei in Ococia - die Reise dorthin war eine Herausforderung.




Zum ersten Mal - ohne die Hilfe von SOS - mit unserer 'mobilen Praxis' auf uns allein gestellt, durften wir die Schwierigkeiten des Reisens mit afrikanischen Fernbussen und insgesamt sieben Gepäckstücken kennenlernen.

Für Ugander, die des öfteren mit ihrem Hab und Gut quer durchs Land reisen, ist das nichts Ungewöhnliches. Schließlich fanden wir uns nach einer fast 20-stündigen Chaosfahrt über Kampala und Soroti im Busch nahe des Örtchens Orungo wieder.

Kilometerlange Fußmärsche für ein bisschen Wasser

In Ococia, wo wir die verbleibenden zwei Wochen verbringen, lernten wir die Probleme Ugandas - wie die Versorgung mit Wasser, Elektrizität und medizinischen Behandlungen sowie besonders zum Ende der Trockenzeit auch Hunger - auf eine neue Art und Weise kennen.

Die Armut in dieser Region ist sichtbar gravierender als im Süden und Westen des Landes. Die Menschen müssen zum Teil kilometerlange Strecken von ihren Lehmhütten zu den Wasserbrunnen oder auch schwerkrank zu den Medizinstationen zu Fuß bewältigen.

Im nach dem Bürgerkrieg von der deutschen Organisation Cap Anamur unterstützten St. Clare Health Centre befindet sich unser Behandlungszimmer inmitten der Krankenstation für erwachsene Patienten.

Der Umgang mit dem Leid ist schwer

Besonders zu Beginn unserer Arbeit hier, fiel uns die ständige Konfrontation mit Krankheit, Leid und Tod der stationären Patienten sehr schwer. Wir lernten jedoch schnell, uns auf unsere Behandlung zu konzentrieren, um zumindest die Zahnprobleme der Menschen dieser Region zu lindern. Nachdem wir und unsere kostenlose Tätigkeit am Ende der Sonntagsmesse der Gemeinde vorgestellt wurden, war der Andrang an Patienten in den darauf folgenden Tagen nicht zu bewältigen.

Viele Menschen mussten mehrere Tage hintereinander immer wieder lange Fußmärsche bewältigen, bevor sie zur Behandlung an der Reihe waren - so groß war der tägliche Andrang zur Behandlung. Um möglichst vielen zu helfen und gerecht zu bleiben, mussten wir uns deswegen pro Patient auf die Extraktion der ein bis zwei schmerzhaftesten Zähne beschränken.

Bei Angelegenheiten jeder Art steht uns Truus, eine pensionierte Krankenschwester aus den Niederlanden, zur Seite und erleichtert uns die Arbeit und den Alltag. Seit vielen Jahren engagiert sie sich tatkräftig für Patienten und Personal und scheint die Seele nicht nur der Geburtsstation, sondern auch des restlichen Krankenhauses zu sein.

"God bless you" zum Dank

Außerdem sind wir auf die Hilfe jedes Einheimischen mit Englischkenntnissen angewiesen, um mit unseren Patienten die wichtigsten Informationen austauschen zu können. So kann sich eine Behandlung auch einmal dadurch verzögern, dass nicht nur die Mehrzahl der Menschen kein Englisch, sondern auch manche weitgereiste Patienten kein 'Ateso", die Sprache dieser Region, sprechen. Was jedoch die die meisten Patienten, unabhängig von Herkunft und Bildungsstand beherrschen, ist ein 'God bless you', mit dem sie uns ihre Dankbarkeit ausdrücken wollen.

Nach nun fünf eindrucksvollen Wochen bricht für uns die letzte Woche in Uganda an, in der wir neben einem Ausflug in den "Murchison Falls" Nationalpark auch die abschließenden Behandlungstage angehen werden. Schon jetzt wissen wir, dass uns der Abschied aus Ococia und Uganda sehr schwerfallen wird.

Fortsetzung folgt ...


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