28.
AUG 2014
privat
Aus dem Ausland

Fazit eines Abenteuers

Dr. Juliane Gösling tauschte für zwei Wochen den Bürostuhl gegen ein Abenteuer mit Zahnärzte ohne Grenzen in Namibia. Mit gemischten Gefühlen machte sich das Team 400 Patienten und 100 Extraktionen später wieder auf den Heimweg.



Das Gesundheitssystem in Namibia ist relativ gut organisiert. Krankenhäuser sind, auch wenn meist nur durch eine Krankenschwester besetzt, in vielen Dörfern vorhanden. Die Krankenschwestern sind oft echte Multitalente und sehr engagiert. Der Zugang ist kostengünstig, für ein paar namibische Dollar (14 Dollar entsprechen einem Euro) möglich. Um Kranken aus abgelegenen Dörfern den Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen, fahren (manchmal) Busse.

Einsame Stunden auf der Schotterstraße

In der ersten Woche waren wir hauptsächlich im „Outreach“ unterwegs. Die Strecken sind weit und man sieht oft stundenlang kein anderes Auto. Gefährlich sind aber weniger andere Autos, denn die Straßen sind breit und für Schotter- und Sandstraßen gut gepflegt, als mehr die Wildtiere. Kudus, Oryx (beide etwa so groß wie Rinder aber mit eindrucksvolleren Hörnern), Wildschweine und Giraffen sind an und auf der Straße unterwegs. Und im Buschwerk sind Giraffen tatsächlich auch zu übersehen.

Das Team hatte viel zu tun: Mobile Einheiten wurden auf- und abgebaut.... privat

Vor Ort ist man sehr viel damit beschäftigt, das Material zu be- und entladen und aufzubauen. Dazu kommt: Wenn man um neun Uhr mit der Behandlung beginnen möchte, ist man ja vorher bereits zwei Stunden mit dem Auto auf Schotterstraßen unterwegs gewesen, hat eine Stunde ausgepackt, Behandlungsstühle aufgebaut, Wasser und Strom gesucht, bevor es überhaupt erst richtig mit den Behandlungen losgehen kann.

In ständiger Wachsamkeit

Nach ein paar Stunden behandeln, intensiven Verständigungsversuchen und ständiger Wachsamkeit über die Schutzausrüstung, denn HIV, HCV und TBC sind häufig, folgt das Ganze dann nochmal retour. Der Einsatz ist also alles andere als Urlaub.

Auch deshalb, weil die Einheiten nach dem Prinzip „afrikanischer Stressfreiheit“ funktionieren,  manchmal gut, manchmal mit viel zureden und manchmal auch einfach gar nicht: Behälter liefen aus, Schläuche platzten ab, das Wasser der Winkelstücke ging mal hier, mal da, mal nicht. Irgendwann regt man sich einfach nicht mehr auf.

...diverse Putztrainings wurden durchgeführt... privat

Die Betreuung vor Ort war gut. Es wurde extra für die Teilnehmer von DWLF ein kleines Häuschen errichtet. Alles ist voll ausgestattet und entspricht europäischen Standards. Zwei Hunde lagen nachts davor und haben uns bewacht. Wir haben uns wirklich gut aufgehoben gefühlt. Max Beyer ist für die wesentliche Organisation des Programms verantwortlich. Die Verständigung und Kooperation mit so vielen Krankenhäusern und Schulen vor Ort ist aber nicht ganz einfach. Wie schon gesagt, es läuft alles grundsätzlich gemächlich. Es bleibt einem eigentlich nichts anders übrig, als das zu akzeptieren.

Zeit, Geld und Körpereinsatz

So ein Einsatz ist wirklich anstrengend, nicht zuletzt auch weil die Organisation vor Ort „stressfrei“ ablief – und deshalb halt auch mal gar nicht. Für Unmut sorgte ein wenig die Tatsache, dass viele Kosten erst vor Ort klar wurden. Außerdem lag die Liste mit dem Material, das gebraucht wurde, bei unserer Ankunft im Koffer in Grootfontein...

...und hunderte Kilometer im Auto auf endlosen Schotterpisten verbracht. privat

Insgesamt haben wir mehr als 400 Patienten gesehen, weit mehr als 100 Zähne gezogen und noch mehr Füllungen gemacht. Vor allem die kleinen Patienten haben toll mitgemacht und die Erwachsenen waren sehr geduldig und entspannt.

Die Reise war - nicht zuletzt auch wegen der tollen Stimmung in der Gruppe - mehr als gelungen. Einen bleibenden Eindruck haben Land und Leute auf jeden Fall hinterlassen. Den Menschen, die wir behandeln konnten, konnten wir auch wirklich helfen und es war einfach schön, das zu sehen.
Fertig aus!


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