06.
AUG 2014
privat
Aus dem Ausland

Out of Namibia 2

Dr. Juliane Gösling tauschte für zwei Wochen den Bürostuhl gegen einen Trip nach Namibia mit Zahnärzte ohne Grenzen: "Mitten im Busch haben wir einen Fernseher mit Empfang gefunden. Deutschland gegen Brasilien."



Und ist der Bildschirm auch noch so klein..So sahen die Deutschen Zahnärzte das Spiel Deutschland gegen Brasilien (7:1) in Namibia. privat

Der Fernseher ist so groß wie ein durchschnittlicher PC-Bildschirm und weder Ball noch die Nummern der Spieler sind zu erkennen. Hinzukommt, dass der Moderator nur bedingt freundlich über die Spielleistung der deutschen Mannschaft berichtet. Aber alle Anwesenden - mehrere Deutsche ein Engländer und ein Südafrikaner - freuen sich auf das Spiel und die Stimmung ist gut.

Zehn Quadratmeter zum Behandeln

Mittlerweile haben wir die Behandlung im Dorf Mangetti erfolgreich beendet. Das Zimmer, das uns zur Behandlung überlassen wurde, war leider keine zehn Quadratmeter groß, so dass wir einige Schwierigkeiten hatten, zwei Stühle, zwei Einheiten und unser Equipment dort unterzubringen. Wasser war auch nur schwer aufzutreiben. Dass wir vier - davon drei Frauen - das Equipment nach der Ankunft nach und nach ins Krankenhaus schafften, störte die vor dem Eingang wartenden etwa 25 Herren zum Glück nicht in ihrer Mittagspause. 

Nachdem der Aufbau getan war, zeigte sich, dass beide Stühle benötigt wurden. Der Tag begann mit einem Kind mit (Milch-)Zahnschmerzen und einem Tuberkulose-Patienten mit schmerzendem Weisheitszahn. In Namibia haben alle Patienten ihre persönliche Krankenakte. Dort sind alle Erkrankungen und medizinischen Behandlungen auf Englisch aufgelistet und der Verlauf lässt sich sehr gut nachvollziehen. Außerdem können Verschreibungen direkt in dem Heft vorgenommen werden.

Ruhiges Arbeiten geht anders

Zehn Quadratmeter, zwei Einheiten, zwei Behandler, zwei Assistenzen, zwei Patienten und eine Begleitung für das Kind, außerdem zwei Tische mit Material beziehungsweise Reinigungsutensilien. Ruhiges Arbeiten geht anders.

Die Zeit verging wie im Flug. Viele Zähne konnten mit Füllungen versorgt werden. Zumindest an einer Einheit, denn bei der zweiten funktionierte das Wasser nicht, so dass wir auf dem Stuhl die Extraktionen durchführten. Viele Patienten kamen mit Schmerzen und dringend behandlungsbedürftigen Zähnen und so manches Mal war nicht gleich ganz klar war, wo man am besten anfangen sollte.

"Cleaning" please

Problematisch war lediglich die Organisation. Statt, wie besprochen, die Patienten mit Schmerzen zuerst zu senden, wollten immer wieder Leute ein "Cleaning“ oder hatten eigentlich keine Beschwerden. Wir haben das auf die kostenlosen Zahnbürsten, die nach jeder Behandlung verteilt wurden, zurückführt.:)

Das Tsumkwe Krankenhaus. Deutsche Maßstäbe können im namibischen Hinterland nicht angesetzt werden. privat

Auch am nächsten Tag in Tsumkwe fand die Behandlung im örtlichen Krankenhaus statt. Wegen unserer Erfahrung von gestern - die Kabel für Licht, die Einheiten und die Absauganlage sind in einem kleinen Raum echte Stolperfallen -  wurde in dem diesmal noch kleineren Raum nur ein Behandlungsstuhl aufgebaut. Eigentlich sollte ein Bus die Patienten aus den umliegenden Dörfern abholen, dieser kam aber nicht, so dass nur 15 Patienten warteten.

Wer also gerade nicht behandelte, beschäftigte sich mit der Reinigung der Instrumente oder verteilte im Hof die mitgebrachten Zahnbürsten. Die meisten Leute sprachen zwar kein Englisch, aber die gezeigten Abläufe waren deutlich und im Schatten des einzigen Baumes auf dem Gelände übte jeder, der eine Zahnbürste haben wollte, mit Petra Zähneputzen.

Mittagspause zwischen den Behandlungen: Zahnärzte trinken durchaus auch mal eine Cola. privat

Eine Frau verantwortet ein komplettes Krankenhaus

In Tsumkwe ist eine Krankenschwester (oder Ärztin?) allein für ein komplettes Krankenhaus verantwortlich. "Trotzdem" wurden wir nett empfangen und der Aufbau klappte schon schneller. Hier wurden wir freundlich begrüßt und obwohl viel zu tun war wurde bei Problemen geholfen, die Hand von ängstlichen Patienten gehalten und wenn nötig übersetzt.

Fortsetzung folgt...


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