17.
FEB 2014
Aus dem Ausland

Unterwegs in Ruanda - Tag 2

Die Zahnärzte Dr. Jürgen Raven und Dr. Franz-Josef Ratter sind momentan in Ruanda. Dort führen sie Gespräche mit Gesundheitspolitikern, um ein nachhaltiges Hilfsprojekt zur Verbesserung der Zahngesundheit in Ruanda aufbauen zu können. Für zm-online berichtet Raven von der Situation vor Ort.



Eine sehr gewittrige Nacht. Auch hier extrem ungewöhnliche Wetterkapriolen haben nicht viel Schlaf zugelassen. Gegen acht Uhr werden wir von einem Fahrer des Partnerschaftsbüros abgeholt.

Gottvertrauen auf der Straße

Heute liegen weite Strecken vor uns. Weniger als die Distanzen sind es aber vielmehr die Straßenverhältnisse, die uns viel Zeit, Geduld und auch ein gewisses Gottvertrauen abverlangen. Unser Ziel ist zunächst Byumba, hoch im Norden des Landes. Es ist die erklärte Absicht des Gesundheitsministeriums (siehe Bericht von gestern), hier zahnärztlich aufzurüsten.

Für Deutsche durchaus gewöhnungsbedürftig: Normaler Straßenverkehr in Ruanda. Raven

Leider war es bis zu unserer Ankunft dort, nach etwa zwei Stunden Fahrt (etwa 70 km), versäumt worden (obwohl vom Ministerium zugesagt), unser Kommen anzukündigen, so dass wir auf einen sehr freundlichen, aber gleichzeitig völlig überraschten Klinikchef trafen, dem wir erklären mussten, dass wir die Absicht hätten, diesem Hospital im Rahmen unserer Möglichkeiten eine Optimierung seiner zahnärztlichen Behandlungsangebote zukommen zu lassen.

Nostalgie in der Klinik

Die uns gezeigte zahnärztliche Einrichtung hatte durchaus einen gewissen nostalgischen Charme, konnte aber in keiner Weise den Anforderungen an eine moderne zahnärztliche Behandlung gerecht werden. Alle Details der "Zahnärztlichen Abteilung" - in der kein Zahnarzt tätig war - wurden uns gezeigt. Sogenannte Therapeutes nahmen sich der Probleme der sehr zahlreichen, mit extremer Geduld wartenden Patienten an.

Für uns war fast nicht nachvollziehbar, wie hier eine wenigstens einigermaßen adäquate zahnmedizinische Behandlung bisher durchgeführt werden konnte. Kein Behandlungsstuhl war funktionsfähig, der Kompressor "derzeit" defekt, Verbrauchsmaterial ohne "Nachschub" verbraucht oder überaltert und so weiter. 

Ohne konkrete Zusage, nur mit dem Hinweis auf die Möglichkeit einer Verbesserung der dort vorgefundenen Therapiemöglichkeiten verließen wir Byumba wieder. Etwa 50 Kilometer bis Ruhengeri lagen vor uns. Hierfür benötigten wir dann aber etwa zweieinhalb Stunden, da die Verbindungsstraße sich als eine "Piste" darstellte, auf der teilweise nur etwas schneller als Schrittgeschwindigkeit gefahren werden konnte.

Der Behandlungsraum in Byumba: Den Umständen entsprechend. Mehr lassen die Strukturen vor Ort nicht zu. Raven

Vor Ort trafen wir auf einen Klinikdirektor - Facharzt für Gynäkologie -, dem unsere Ankunft und unsere Absichten vom Gesundheitsministerium mittlerweile mitgeteilt worden waren. Die Verhältnisse hier im zahnärztlichen Bereich stellten sich nur wenig besser dar als in Byumba. Aber es zeigte sich im Verlauf unseres Besuchs, dass hier aufgrund der baulichen Verhältnisse eine Optimierung der zahnärztlichen Behandlungsmöglichkeiten gegeben war.

Zwar waren auch hier die Behandlungseinheiten in einem desolaten Zustand, doch durch geplante Neu- und Umbauten erscheint hier die Installation neuer zahnärztlicher Einheiten sinnvoll zu sein. Wenngleich auch hier in Ruhengeri der Katalog der notwendigen Maßnahmen sich als sehr umfangreich erwiesen hat, so ist hier wohl am ehesten eine effektive, den Patienten zugute kommende Verbesserung der zahnärztlichen Behandlungsmöglichkeiten gegeben.

Vor der Klinik in Ruhengeri (v.l.n.r.): Dr. Raven, ein Therapeut, Dr. Deogratias Ndekezi (Klinikchef), Dr. Ratter Raven

Hoffnung auf die Zukunft

Mit großem Engagement und mit dem Ausdruck der Hoffnung auf Verbesserung der bestehenden Verhältnisse zeigten uns die Mediziner, Therapeuten, Techniker und weitere Mitarbeiter ihre Örtlichkeiten und erzählten uns von ihren Wünschen, aber auch Enttäuschungen. Hier betrifft es besonders den Nachschub an Verbrauchsmaterialien.

Die Rückfahrt - unübersichtliche Kurven dienen zum Überholen, Gegenverkehr ist meist "unsichtbar" und Straßenmarkierungen wie die "durchgezogene weiße Linie" dienen offensichtlich nur der Dekoration der Fahrbahn - meisterte unser Fahrer mit der ihm gegeben Routine, die uns das eine oder andere mal tief Luft holen ließ und mit viel Gottvertrauen von uns überstanden wurde.


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