19.
FEB 2014
Aus dem Ausland

Unterwegs in Ruanda - Tag 3

Die Zahnärzte Dr. Jürgen Raven und Dr. Franz-Josef Ratter sind nach Ruanda geflogen, um dort ein Hilfsprojekt zur Verbesserung der Zahngesundheit aufzubauen. Das ist als alles andere als einfach. Was sie erleben, schildert Raven - direkt vor Ort.



Heute stehen keine weiteren Reisen zu Hospitälern oder Distriktkrankenhäusern auf dem Programm. Vielmehr sollen die gesammelten Erfahrungen und Ergebnisse am Nachmittag im Partnerschaftsbüro "Rheinland-Pfalz - Ruanda" im Kreise unterschiedlicher Fachleute und Experten diskutiert werden.

v.l.n.r.: Dr. Franz-Josef Ratter, Schwester Oberin Agnes, Dr. Jürgen Raven und eine Novizin Raven

Vorher wird aber noch der aus Italien kommenden Kongregation "Institut soeurs disciples de Jesus eucharistique" ein Besuch abgestattet. Die Einrichtung ist in einem Außenbezirk von Kigali gelegen und nur über bucklige, von Schlaglöchern zerfurchte Sandpisten zu erreichen. Dieses Viertel ist sicherlich als ein sozial wenig bevorzugtes zu bezeichnen. Seit Jahren wird hier eine äußerst effektive Direkthilfe und Aufbauarbeit (Kindergarten, Schule, Betreuung der sozial Schwachen et cetera) geleistet.

Nach dem Krieg - in Ruanda ist damit die Zeit von 1990 bis 1994 mit dem Genozid in 1994 als Höhepunkt gemeint, in dem unter auch die gesamte bisherige Aufbau- und Hilfsarbeit zerstört, beziehungsweise zunichte gemacht worden war, - haben die Schwestern neu angefangen und können bis heute äußerst beachtliche Erfolge aufweisen.

Kindergarten und Schlafsäle, sanitäre Anlagen inklusive modernster Wasseraufbereitungsanlage mit einem Trinkwasserbrunnen für die Schüler sowie ein nagelneues, doppelstöckiges Schulgebäude für acht  Klassen zeugen von ihrem bewunderungswürdigen Wirken.

Ein ruandischer Junge ist froh. Hat er doch einen von 200 gespendeten "Max-Schrubbel-Bechern" der LAG Rheinland-Pfalz ergattert. Raven

Bereits im Herbst 2013 hatte Franz-Josef Ratter hier in der schule Zahnputzübungen durchgeführt und unter anderem Zahnpflegesets mitgebracht, die sich größter Beliebtheit erfreuten. Bei dem jetzigen Besuch haben wir wiederum rund 200 von der LAGZ-Rheinland-Pfalz zur Verfügung gestellte Zahnputzsets mitgebracht. Bei diesem Besuch und den Gesprächen mit den Schwestern zeigte sich deutlich, dass der Zahnpflege ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt wird.

Erstes Resümee der Reise: Das Vorhaben, an vier Standorten dentale Einrichtungen durch die Übergabe von vier neuen, gespendeten Dentaleinheiten zu verbessern, beziehungsweise zu ermöglichen, erweist sich als sehr schwierig. Bürokratische Vorgaben engen die Möglichkeiten und die ins Auge gefassten Absichten stark ein.

Zeit für ein Resümee (v.l.n.r.): Dr. Jürgen Raven, Uwe Mayer (Leiter der Partnerschaftsbüros), Dr. Franz-Josef Ratter sowie Christoph Weber (zuständiger Koordinator des Partnerschaftsbüros für Bauangelegenheiten) diskutieren die Ergebnisse des Besuchs. raven

Dennoch sind alle davon überzeugt, dass vorrangig an den Standorten Chuk (Kigali) sowie dem  Distriktkrankenhaus in Nyanza mit den baulichen Maßnahmen umgehend begonnen werden muss. Die Betreuung, Durchführung und Überwachung hierfür wird in die Hände des Baukoordinators des Partnerschaftsbüros von Christoph Weber gelegt, der von unserer Seite aus engmaschig beraten werden wird.

Für die beiden weiteren Dentaleinheiten kristallisiert sich derzeit Ruhengeri heraus - eine endgültige Entscheidung muss noch durch weitere Gespräche mit den zuständigen Organen herbeigeführt werden. Byumba als Standort übersteigt aufgrund der notwendigen Baumaßnahmen derzeit unsere Möglichkeiten.

Mit weiteren Spendengeldern will der Verein "Dentalroots - raçines dentaire- Aktion Zahnwurzel e.V.", der für dieses Projekt in Ruanda federführend ist, neben dem Ausbau weiterer Standorte auch die Schulung des Personals im zahnmedizinischen Bereich aufbauen und weiter entwickeln.

Spendenkonto:
Aktion Zahnwurzel e.V.
Apotheker-und Ärztebank
Konto-Nr.: 276 583 7

IBAN DE 8030 0606 0100 0276 5837

Anmerkung der Redaktion:

Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die am 6. April 1994 begannen und bis Mitte Juli 1994 andauerten. Sie kosteten circa 800.000 bis 1.000.000 Menschen das Leben, die niedrigsten Schätzungen gehen von mindestens 500.000 Toten aus. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie moderate Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten.


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