15.
NOV 2014
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Kolumne

Alte Hasen

Unser Land ist laut einer Umfrage weltweit das beliebteste. Ob damit aber auch die penetrante Korrektheit der Deutschen gemeint war, fragt sich unser Kolumnist im weißen Kittel.



Wir leben in dem beliebtesten Land. Ja, doch. Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird kein Land im Ausland besser wahrgenommen als Deutschland.

Nun, diese Wertungen kamen wohl zustande, ohne dass man eine Geschichte kannte, die sich kürzlich - nein, nicht in Schilda - in der deutschen Hauptstadt zugetragen hat. Da wurde dem Wunsch, nach dem 2003 verstorbenen Schauspieler und Kabarettisten Günter Pfitzmann eine Straße zu benennen, eine Absage erteilt.

Ausgerechnet „Pfitze. Denn was made in Germany für Deutschland, war Pfitze für Berlin: ein Ur-Icke. Im Grunde war er einer von uns - wenn auch etwas aus der Zeit gefallen. Ein Gott im weißen Kittel! Pfitze spielte in einer Serie nämlich den Dr. Brockmann. Einem Arzt, das nur nebenbei gesagt, dem Männer und Frauen gleichermaßen vertrauen konnten.

Doch in der Ablehnungsbegründung liegt der eigentliche Hase im Pfeffer, sorry: die Häsin. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg verwies darauf, dass Pfitze keine Frau war. Man aber Wege und Plätze lieber mit Frauennamen versehen wolle bis zum Gleichstand der Geschlechter. Wie viel Frauen müssen denn jetzt geehrt werden, bis wieder ein Mann dran ist, fragten daraufhin die Leser einer Tageszeitung. Und wie oft geschehen Straßenbenennungen pro Jahr? Danach könne man ja ausrechnen, wann wieder ein Mann…..

Mein Vorschlag: Die erste zugelassene Zahnärztin Deutschlands, Henriette Hirschfeld-Tiburtius. Zu deren Gedenken ist zwar am Haus Behrenstraße 9 in Berlin-Mitte, ihrem damaligen Praxisstandort, eine Erinnerungsplakette angebracht worden. Aber Straßenbenennung? Wahrscheinlich aber verbietet die Political Correctness Plakette UND Straßennamen.


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