04.
APR 2014
Götz Wiedenroth
Kolumne

Feste fasten

Ja, natürlich machen wir es für uns selbst. Und keine Frage: Gesund soll es sein, das Fasten. Selbst Rhesus-Äffchen werden gute 2,5 Jahre älter, wenn sie eine strikte Diät einhalten. Aber welche und wie?



Dass sich meine Frau und meine Kinder bis Ostern im Verzicht üben, macht sie nicht nur sommerfit, sondern nicht einmal unglücklich. Ich selbst wäre gern dabei gewesen. Aber wie soll das, positivistisch betrachtet, nach ordentlichen Regeln gehen? Seit Aschermittwoch lese ich dazu alle aktuell veröffentlichten Studien. Ich will wissen, was wissenschaftlich wirklich Sinn macht. Und da geht es erst richtig los: Gesund oder ungesund? Und wie viel davon? Egal, ob Kaffee, Wurst, Süßes (und wenn ja, in welcher Form?), Alkohol oder Sport (aktiv oder passiv vor dem Fernseher): Ich finde keine klaren Richtlinien, was objektiv das richtige Quantum ist.

Liest man einschlägige Empfehlungen, dann dürfen Dänen und Spanier mehr Alkohol trinken als wir Deutschen. Da muss ich doch wissen: Ist das genetisch bedingt? Oder nur Sozialisation? Gehöre ich also eher nach Dänemark oder nach Frankreich? Oder: Wie viel Kaffee muss ich trinken, damit ich keine Zirrhose bekomme? Und was macht der dafür nötige Konsum mit der mir angedrohten Demenz? Wie viel Spurenelemente an Fleisch müsste ich als Vegetarier eigentlich vermeiden, damit ich noch als solcher gelte? Und ist das gesunde Leben nicht kontraproduktiver Stress, der mein Leben nur verkürzt? Wie gesund soll ich sterben?

Nun gut: Die Kollegen aus der Wissenschaft haben Antworten dafür, leider aber allzu oft jeder nur seine. Als Mensch müsste mich das erschüttern. Zum Glück habe ich aber die Lieben um mich, die einfach fasten. Und ich kann einfach zuschauen. Trotzdem: Lass es Ostern werden!


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