18.
OKT 2013
Kolumne

Krokodilstränen

Das Bundeskabinett tagte diese Woche zum letzten Mal, sehr gefühlig soll es dabei geworden sein. Unser Kolumnist macht sich seine Gedanken, wie der Abschied von Unions- und FDP-Ministern verlaufen sein könnte.



Sehr emotional und herzlich soll es zugegangen sein bei der letzten regulären Kabinettssitzung dieser Bundesregierung am Mittwoch. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte den scheidenden FDP-Ministern Guido Westerwelle und Dirk Niebel kräftig die Hände, Fast-nicht-mehr-Gesundheitsminister Daniel Bahr zeigte den CDU-Kollegen Babyfotos seiner kleinen Tochter.

Gerüchten zufolge stellte Angela Merkel, im gelben Blazer, sogar die letzte Szene aus "Braveheart" nach, als Mel Gibson unter Folter mit seinem letzten Atemzug ruft: "Freiheit!"

Sag zum Abschied leise Servus

Ich vermute allerdings, dass all die Herzlichkeiten eher aufgesetzt waren. Hinter den Krokodilstränen der Unions-Regierungsmitglieder wird sich vielmehr echte Freude verborgen haben. Kein Stress mehr mit Rainer Brüderle und seinen Dirndl-Geschichten. Keine Sorge mehr, ob Guido Westerwelle als Außenminister Deutschland blamiert oder ausländischen Journalisten freundliche Tipps zum Fremdsprachenunterricht gibt ("Hier wird deutsch gesprochen!").

Andererseits, vielleicht waren es doch ehrliche Gefühle von Merkel & Co. Wenn die Spannung von einem abfällt und man das entscheidende Spiel, sprich die Bundestagswahl, gewonnen hat, ist man großmütig mit den Verlierern. Und wird sogar ein wenig melancholisch. Vielleicht drehte die Bundeskanzlerin nach der Sitzung auch einsam ihre Runden im Garten des Kanzleramtes wie einst Franz Beckenbauer 1990 im römischen Olympiastadion nach dem Gewinn der Fußball-WM?

Doch wie heißt es so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und das nächste Match heißt Koaltionsverhandlungen mit der SPD. Es kann also sein, dass man doch noch echte Tränen bei Unionspolitikern sieht.


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