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DEZ 2015
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Kolumne

Sprechstunde mit Bassbariton

Jeder Zweite würde eine Videosprechstunde beim Arzt nutzen. Das will die Bertelsmann Stiftung repräsentativ erfragt haben. Nachdem es ins E-Health-Gesetz gebimst wurde, müssen jetzt noch die Gehirne gewaschen werden.



Dass gleichzeitig zwei Drittel aller Mediziner etwas Derartiges ablehnen, dürfte die Damen und Herren aus dem Kommandantenhaus Unter den Linden 1 wurmen. Denn wie machen wir noch gleich so eine Video-Sprechstunde? Per Skype oder Facetime sicher nicht. Zu gern hilft uns dieser multinationale IT-Dienstleister mit „A“, der zufällig mit seinem sogenannten Gesundheitscockpit das passende Produkt schon in der Schublade hat.

Und ist, hoppla, noch mehr Zufall, eine hundertprozentige Tochter der Bertelsmann AG, deren Aktien zu 77 Prozent von der Bertelsmann Stiftung gehalten werden. Könnte die Konzentration auf den schnöden Mammon bei den Umfrageurhebern etwa einen leichten Bias erzeugt haben? Nicht doch!

Nur wenige Tage nach Veröffentlichung der selbsterfüllenden Prophezeiung - ähem, Entschuldigung: des Umfrageergebnisses - lud „A“ zum Healthcare-Roundtable nach Berlin, um die Möglichkeiten einer „besseren und patientenzentrierteren Versorgung“ zu diskutieren - und sein Gesundheitscockpit vorzustellen.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin für die Video-Sprechstunde und arbeite ab sofort an meinen Qualitäten als Youtuber von morgen. Der Flug nach Sheffield ist gebucht, wo ich Gesangsstunden bei Ebi Bamgboye nehme, einem in den sozialen Medien gefeierten, trällernden Oralchirurgen. Meine Botschaft: Avarto, ich bin vorbereitet!


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