30.
AUG 2013
Kolumne

Von Träumen und Schäumen

"I have a dream", sagte Martin Luther King in seiner berühmten Rede vor einem halben Jahrhundert in Washington. Heute träumt Daniel Bahr von einer PKV für alle. Oder ist das vielleicht gar kein Traum?



Neigen Sie auch zu diesen klitzekleinen, sekundenlangen Tagträumen? Gönnen Sie sich nach Verabschiedung Ihrer Patienten einen kurzen Blick auf das spätsommerliche Draußen? Weiter so! Kleine Alltagsfluchten entlasten, sagen Psychologen.

Aber bitte, bitte: Verwechseln Sie Ihre Träumereien nicht mit Visionen. Wer das tut, braucht laut SPD-Altkanzler Helmut Schmidt ärztliche Hilfe. So was hebt eben nicht auf Augenhöhe mit historischen Größen wie Martin Luther King. Der war eine Ausnahmeerscheinung. Der hatte vor fast genau 50 Jahren einen richtig großen Traum! Alle Menschen zu emanzipieren, das ist das wirklich "dicke Ding"!

Träume auf Palmen

Also Vorsicht mit Träumen, Visionen und dergleichen. Vor allem in Vorwahlkampfzeiten. So was bringt andere schnell auf Palmen. Also wenn der Bundesgesundheitsminister rheinländischen Schülern öffentlich erklärt, dass jeder selbst entscheiden soll, wie und wo er sich versichert, geht das schon los.

Dabei ist das gar kein Traum. Es ist auch keine Vision. Es ist eine gesellschaftspolitische Aussage. Das Problem ist, dass das wiederum andere Leute in ihren Träumen und Visionen stört. Jeder, der meint, aus Daniel Bahrs Worten den Wunsch nach einer "PKVisierung" der gesetzlichen Krankenkassen herauszuhören, muss dann doch hochschrecken.

Geheimdienste, Banken und Bürgerversicherung

Dabei wollen wir Bürger - Angela Merkel weiß das - doch gerade in Wahlkampfzeiten lieber frei träumen. Zum Beispiel davon, dass internationale Geheimdienste nicht mehr geheim diensten, sondern ihren Dienst ganz öffentlich leisten;  zum Beispiel davon, dass Banken mit Geld keine Geschäfte mehr machen wollen; oder davon, dass mit einer Bürgerversicherung alles, was heute schon gut ist, noch besser wird. Da muss doch schäumen, wer aus solchen Träumen geweckt wird.

Oder gehören Sie etwa zu denen, die mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen und dabei der Wahrheit immer ins harte Gesicht schauen wollen? Dann sind Sie ein echt schwieriger Fall. Weil Sie dann ja, wenn Sie den Wahlkampf aufmerksam verfolgen, manchmal glauben, dass Sie träumen...


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