23.
APR 2014
Luis Louro - Fotolia.com
Pro & Contra

Anschwitzen im Kollegenkreis

Betriebssport gilt als Allheilmittel bei Kommunikations- und Gesundheitsproblemen im Büro. Was Claudia Kluckhuhn super findet, ist für Marius Giessmann nicht viel mehr als eine unbezahlte Überstunde.



Pro

Wenn Sport gleich Mord, dann wird man beim Bürosport doppelt und dreifach getötet, tönt mancher Kollege, wenn mal wieder die Idee aufkommt, nach der Arbeit das Runde ins Eckige zu bugsieren. Vermutlich hievt er seinen Hintern auch privat ungern von der Couch. Oder bereitet ihm der innere Schweinehund fortwährend ein schlechtes Gewissen? Fakt ist allerdings: Wer das Wörtchen "Betriebssport" in den Mund nimmt, verbrennt sich unweigerlich die Zunge, egal, welche Meinung er vertritt. Aber zurück zur Sache.

Warum machen wir Sport mit den lieben Kollegen, wenn wir uns stattdessen anderweitig (wirklich) prächtig amüsieren könnten? In erster Linie doch, um uns wieder auszusöhnen mit dem nervigen Besserwisser, mit dem wir nachmittags schon wieder wegen der Präsentation aneinander geraten sind. Oder um einen Draht zu dem schüchternen Neuling aufzubauen, der seit drei Wochen stumm durch die Abteilung geistert. Kurz: Um neben dem oft anstrengenden Arbeitsalltag mit den Leuten im Team eine andere Ebene zu erreichen, eine Ebene, die quer zu allen Hierarchien verläuft und die uns den aktuellen Stress vergessen lässt.

Dass immer mehr Menschen im Job versauern, unmotiviert sind und sobald die Uhr schlägt, den Griffel fallen lassen, liegt garantiert auch an dem fehlenden Wir-Gefühl. Daran, dass man sich weder mit seiner Arbeit identifiziert noch dem Team zugehörig fühlt.

Deshalb ist Firmenfitness immer auch ein Plädoyer für Spaß! Egal, ob wir zusammen Rückengymnastik machen, Yoga treiben oder Volleyball spielen. We wanna have fun! Dass wir uns dabei auspowern - aus meiner Sicht nur ein toller Nebeneffekt. Denn wer wirklich fit werden will, muss ohnehin mehr tun als einmal pro Woche drei Bälle durch die Halle zu schießen.

Claudia Kluckhuhn

Contra

Der Chef stürmt aufs Tor. Ich bin auf gleicher Höhe, wir beide im Vollsprint. „Was jetzt?“, blitzt es durch meinen Kopf. Dann grätsche ich  - und verhindere mit dem regelkonformen Einsatz zweierlei: die sichere Niederlage meines Teams und jegliche Aufstiegschancen im Betrieb.

Was  konstruiert klingt, ist Realität in bundesdeutschen Betriebsportgruppen. Wer etwas werden will, duckt nicht nur im Büro, sondern auch auf dem Bolzplatz. Unterstelle ich mal. Klar gibt es auch Chefs, die Chuzpe wertschätzen. Sicher aber nur in Maßen.

Gut, man kann sich mit den Kollegen natürlich auch zum Schwitzyoga oder Tai Chi verabreden, aber meditative Freizeitgestaltung ist nun einmal nicht jedermanns Sache. Selbst wenn mühsame Abstimmungen im Kollegenkreis eine körperlose Sportart zur Leibesertüchtigung der Wahl machen, bleibt das unauflösbare Problem bestehen.

Betriebssport führt zwei Dinge zusammen, die nicht zusammengehören: sportlichen Wettstreit und eine starre berufliche Hierarchie. Und die kann außerhalb der Büroräume schnell auf den Kopf gestellt werden. Wenn der Hiwi schneller rennen kann als der Chef, die Sekretärin im Gegenzug alle beim Bowlen aussticht und der Mann vom Empfang nicht nur aufgrund seiner Größe der Beste unterm Basketballkorb ist.

Mitarbeiter haben - wie im Job auch - privat unterschiedliche Qualitäten. Das allein macht die Auswahl der gemeinsam ausgeübten Sportart schwierig. Und um der reinen Lehre des Betriebssports zu folgen, soll die Betätigung dann bitte auch noch den Gesundheitszustand der Teilnehmer und deren Kommunikation im Büro verbessern. Glaub ich nicht dran - lasse mich aber überzeugen. Also, kommt Kollegen, lasst uns „Lokomotive zm“ gründen und gegen andere Zeitschriftenteams kicken!

Marius Giessmann


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