05.
NOV 2012
ZDF
Pro & Contra

Die Wette gilt

Darf ein Zahnarzt bei "Wetten, dass..?" mit einer Wette auftreten? Unsere Redakteurinnen Claudia Kluckhuhn und Sara Friedrich kommen hier nicht zusammen, denn sie haben unterschiedliche Vorstellungen vom Fremdschämen.



Pro

"Momente der Fremdscham“ wird auf Spiegel Online ein Beitrag zur jüngsten "Wetten, dass..?“-Show betitelt. Fremd schämte sich der Autor offenbar für einen Zahnarzt. Dieser erkannte für seinen Wettpaten, Hollywoodgröße Tom Hanks, mit verbundenen Augen 50 Bohrinstrumente aus der Praxis - und zwar allein am Geräusch.

"Wetten, dass..?“ gilt als die größte Unterhaltungssendung im deutschen, vielleicht sogar europäischen Fernsehen. Zu Markus Lanz kam am Samstag neben besagtem Tom Hanks auch Halle Berry, und als Überraschungsgast trat Superstar Robbie Williams auf. Das heißt, wenn ein Zahnarzt hier sein Können zeigen darf, hat er ein besonderes Talent. Dass seine Vorstellung das Publikum unterhalten muss, ist sonnenklar. So funktioniert das Format, so funktioniert Fernsehen.

Ralph Griesbach aus Schutterbach bei Offenburg ist smart: Er hat die Wette gewonnen und Millionen Menschen sahen ihm dabei zu. Er hat damit nicht nur gezeigt, dass Zahnärzte ihr Metier beherrschen. Sondern auch, dass sie sich ganz unprätentiös als Teil der Gesellschaft begreifen. Auch dass sie Spaß am Job haben und sich selbst nicht immer so bierernst nehmen. Ganz sympathisch, finde ich. Auf jeden Fall alles andere als peinlich.

Claudia Kluckhuhn

Contra

Es gibt zwei Geräusche, die für das gemeine menschliche Gehör einer akustischen Folter gleichkommen. Das ist zum einen das langsame Ziehen von Kreide über eine Schultafel und zum anderen … das Geräusch eines Bohrers, der sich erbarmungslos in einen Zahn fräst.  

Von daher darf man den Auftritt von Ralph Griesbach zur Primetime im Zweiten Deutschen Fernsehen als haarige Geschichte einstufen. Und das nicht nur, weil man seinen Ohrflaum ständig in Nahaufnahme zu sehen bekam. Glück für den, der noch keinen XXL-Flachbildschirm an seinem Wohnzimmerpaneel hängen hat.

Als Moderator Markus Lanz dann fragte, ob der Wettkandidat auch am „lebenden Patienten" geübt habe, und letzterer freimütig mit „Joaa, sowohl als auch." antwortete, machte das nachdenklich. Wie sieht dieser augenscheinlich noch recht junge Freiberufler sein Verhältnis zum Patienten und seine Praxis als Berufsausübungsort? Ein Versuchslabor kann es ja wohl nicht sein oder etwa doch?  

Die Kameraleute ließen es sich auch nicht nehmen, immer wieder über die Saalreihen zusammengekniffener Gesichter im Publikum zu schwenken. Die Furchen in der Stirn von Wettpate Tom Hanks wurden in diesen nicht enden wollenden acht Minuten zusehends tiefer und auch Lanz musste sich immer wieder wegdrehen.

Schließlich hat dieser Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen das Klischee des Zahnarztes als brachialer Bohrmeister bedient und war alles in allem eher geschmacklos. Bleibt noch die Frage „Cui bono, Herr Griesbach?“  

Sara Friedrich




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