15.
NOV 2012
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Pro & Contra

Macht mal alle schön "A"!

Die Kariesprävalenz der Kleinsten ist zu hoch, die zahnärztliche Versorgung muss optimiert werden. Aber wie? Bessere Vorsorge durch mehr Pflichten? Muss man alle bevormunden, um einige zu retten? Ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen Susanne Priehn-Küpper und Eric Bauer.



Pro

DÄ! Da haben wir´s wieder! Mutter studiert. Vater studiert, gleich zweimal sogar. Und Max. Hat heute seinen großen Termin. Beim Zahnarzt. Er ist vier Jahre alt und hat vier schwarze Backenzähne. Für jedes Jahr einen. Er bekommt eine Vollnarkose, damit er nichts davon merkt, wenn der Zahnarzt die Zähne saniert. Damit sie noch zwei Jahre erhalten bleiben und den neuen den Platz freihalten.

Wie konnte das nur geschehen? Hier hätte man doch vorher etwas machen können. Aufklären zum Beispiel. Schon in der Schwangerschaftsberatung. Spätestens aber bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt hätte man bei ihm schon die schwarzen Flecken sehen müssen. Aber dort schaut man eher nach schiefen Füßen als nach faulen Zähnen.

Daher plädiere ich dafür, dass vor dem 30. Lebensmonat auch ein Zahnarzt die ersten Zähnchen kontrolliert und den Eltern wichtige Anleitungen zur Pflege gibt! Und das Thema Fluorid-Bilanz anspricht. Denn Nudelwasser, Mineralwasser UND Zahnpaste - alles schön fluoridiert -, da sollte man schon rechnen, ob es nicht insgesamt zu viel wird.

Eigentlich gehört sie zusätzlich in die Kita, die Prophylaxe, wenn Eltern versagen. Hier können Kinder bereits mit ein bis zwei Jahren angelernt werden, mit der Zahnbürste richtig umzugehen. Und regelmäßig mit Fluoridpaste zu putzen! Auch hier muss der Zahnarzt regelmäßig hin, um Kindern wie Max zusätzlich noch einmal in den Mund zu schauen.

Angstfrei, ohne besserwissende Eltern im Hintergrund, ohne Alternativmethoden im Haushalt. Max jedenfalls hätte das geholfen. Er ist vier, trank bis gestern oft noch aus der Flasche, abends Honig-Milch zum Einschlafen, am Tag den gesunden Apfelsaft aus eigener Herstellung. Aber nun ist Schluss damit.

Sagt auch seine Mutter, als sie Max nach der großen Behandlung wieder abholt. Und auch seine kleine Schwester: Sie hat letzte Woche ihren ersten Zahn bekommen, ­ hat heute eine Zahnbürste. Mit Fluoridpaste versteht sich! Und gekocht wird für sie derzeit noch ohne Fluoridsalz. Max darf sich aber seine Nudeln nachsalzen. Er ist ja schon vier!

Susanne Priehn-Küpper

Contra

Direkt von der Neugeborenenstation in den Zahnarztstuhl. Man kann ja nicht früh genug mit dem Putzenlernen anfangen. Und wenn der oder die Kleine schon eine Rassel halten kann, dann ja wohl auch eine Zahnbürste!

Aber Spaß beiseite. Die Forderung, eine verpflichtende zahnmedizinische Prophylaxe als U-Untersuchung für Kinder vor dem 30. Lebensmonat einzuführen, kann man zumindest infrage stellen. Denn sie zielt auf den falschen Ansprechpartner. Ein kleines Kind, in einer Zahnarztpraxis, mit fremden Leuten, großen komischen Geräten und unangenehm hellem Licht? So wird der Grundstein für ein Zahnarzttrauma gelegt. Zudem stellt sich die Frage, was sich ein Einjähriger von einem Fremden sagen lässt.

Ist es nötig, alle Eltern durch noch eine U-Untersuchung in Sippenhaft zu nehmen, um die wenigen schwarzen Schafe, die sich nicht um die Zahnpflege ihrer Kinder kümmern, herauszufiltern? Heutige Eltern sind so aufgeklärt wie niemals zuvor, was die Kindergesundheit angeht.

Den Eltern wird schon der Wert einer guten Zahnpflege vermittelt. Denn nur sie können ihrem Kind beibringen, dass es sich wirklich regelmäßig die Zähne putzt. Wenn den Eltern Zahnpflege oder allgemein ihre Fürsorgepflicht egal ist, bringt auch eine frühkindliche, zahnärztliche Untersuchung nichts. Der Zahnarzt kann keine Erziehungsaufgaben übernehmen.

Eric Bauer



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