10.
DEZ 2012
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Pro & Contra

Wirklich clean?

Darf man ruhigen Gewissens E-Zigaretten rauchen oder ist das politisch inkorrekt? Eric Bauer und Stefan Grande mit einem kleinen Pro und einem dicken Contra.



Pro

Rauchen schadet der Gesundheit. Das weiß jedes Kind. Und das wissen auch die Raucher selbst. Die E-Zigarette soll hier Abhilfe schaffen. Als "sanfte Alternative“ (Süddeutsche Zeitung) den Rauchgenuss geben und gleichzeitig der Gesundheit nicht schaden. Doch "Teufelszeug“ wurde nach der Einführung schneller geschrien, als man "Marlboro“ sagen konnte. Natürlich sollte untersucht werden, ob und wie genau die E-Zigarette schadet. Aber man sollte sich auch mehrere Dinge vor Augen führen.

Erstens: Wie genau sich der Dauergebrauch auswirkt, ist unklar. Untersuchungen dazu gibt es noch nicht. Zweitens: Experten schätzen die E-Zigarette als deutlich weniger gesundheitsschädlich ein als normale Rauchwaren. Drittens: Der Hauptbestandteil des verdampfenden Liquids ist Propandiol, das allergische Reaktionen hervorrufen kann. Es kommt aber auch in Kaugummis, Cremes und Zahnpasta vor. Viertens: Im Gegensatz zur normalen Zigarette werden keine Stoffe wie Arsen, Blausäure oder krebserzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasser-stoffe freigesetzt.

Im Endeffekt ist jeder selbst dafür verantwortlich, ob er sich bei unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit eine E-Zigarette in den Mund stecken will. Die Abgase, denen man tagtäglich in Großstädten ausgesetzt ist, sind aber sicher nicht weniger gesundheitsschädlich als die Dämpfe der E-Zigarette. Letzteren kann man aber viel leichter ausweichen.

Eric Bauer

Contra

Nach einer Studie setzt die als unschädlich beworbene E-Zigarette Emissionen frei. Pech, wer sich als Nicht-Qualmer in der Nähe eines elektronisch Dampfenden aufhält, denn auch Passivraucher inhalieren die Schadstoffe.

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, ist wegen der etwa 2.000 Giftstoffe, die eine Zigarette enthält, nicht mehr diskutierbar.

Es ist ein Unterschied, ob ich mich selbst schädige, dieses Recht hat jeder - oder andere, dieses Recht hat niemand. Dennoch hat es sich eingeschlichen, dass Nichtraucher die Auswirkungen rauchender Mitmenschen hinzunehmen haben. Wehrt man sich, gilt man als militant intolerant. Eine merkwürdige Umkehrung der Tatsachen.

Bis heute ist es nicht wirklich gelungen, Tabaklobby und Rauchern Grenzen zu setzen. Siehe die Verfahrensweise der Bundesländer bei der Umsetzung des Rauchverbots in öffentlichen Räumen: Kein Schweizer Käse hat mehr (Schlupf-)Löcher. Da ist jegliche gute Absicht, Nichtraucher zu schützen, im Qualm der sich selbst ermächtigenden Raucher verpufft.

Rauchen ist zuallererst einmal eine Sucht. Die E-Zigarette ist nichts anderes als die Verniedlichung dieser Abhängigkeit. Und: Passivrauchen schadet. Ob mit herkömmlichen oder mit E-Zigaretten. Daher kann ich nur wenig Verständnis aufbringen, wenn es darum geht, dass sich eine Gruppe in dieser Gesellschaft über das Selbstbestimmungsrecht eines jeden hinwegsetzt. Wenn auch E-Zigaretten für Passivraucher schädlich sind, dann gilt der Nichtraucherschutz selbstverständlich auch für die elektronische Variante.
PS: Auch Zahnärzte bieten bereits Anti-Raucher-Kurse an.

Stefan Grande

 
 
 


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