12.
JUNI 2013
photocase.com
Pro & Contra

Zähne zeigen

Bleaching für hellere, schön weiße Zähne? Julian Thiel meint, dass man ästhetische Eingriffe nicht beschränken sollte, für Susanne Priehn-Küpper darf das Bleaching nicht von richtiger Prophylaxe ablenken.



Pro

Natürlich kann man medizinische Gründe finden, die gegen das Bleaching von Zähnen sprechen, natürlich kann die Zahnsubstanz - bei falschem Vorgehen - unter dem Bleichen leiden und natürlich können im Extremfall gesundheitliche Schäden auftreten.

Die können jedoch genauso gut bei einer Brustvergrößerung, bei einer Nasenkorrektur oder beim Ohrenanlegen vorkommen. Risiken lassen sich in der Medizin nie ganz ausschließen, doch daraus den Schluss zu ziehen, keine ästhetischen Eingriffe durchzuführen, ist falsch.

Auch wenn ich mit dunklen oder gelben Zähnen auf die Welt gekommen bin, will ich mein Leben unbeschwert führen können. Ich will beim Fotografieren nicht darauf achten müssen, meinen Mund geschlossen zu halten oder in Gesprächen meine Zähne zu verbergen. Weiße Zähne bedeuten für mich Spaß, Lebensfreude und Attraktivität. Und somit auch mehr Selbstbewusstsein und Erfolg. Insgesamt tragen sie für mich zu einem glücklichen Leben bei.

Und auf genau so ein Leben hat jeder Mensch ein Recht. Wenn die Zahnaufhellung unter Aufsicht und Kontrolle des Zahnarztes durchgeführt wird, gibt es kein nennenswertes Risiko. Ganz im Gegenteil: Es gibt Experten, die der Meinung sind, dass moderne und pH-neutrale Aufhellungsmittel sogar den Zahnschmelz härten und die Zähne vor Karies schützen können. Wissenschaftliche Erkenntnisse über eine negative Beeinträchtigung der Zahnhartsubstanz gibt es hingegen nicht.

Horrorgeschichten von ätzenden Zahnpasten gehören dem vergangenen Jahrtausend an. Eine vom Zahnarzt durchgeführte professionelle Zahnaufhellung dauert nur eine halbe Stunde und hält bis zu drei Jahre. Wer sich gut informiert und das Gespräch mit dem Zahnarzt sucht, kann sich heute guten Gewissens die Zähne bleichen lassen und sein Leben so leben, wie er es für richtig hält.

Der Volksmund sagt: Deine Zähne sind deine Visitenkarte. Fest steht, dass viele Menschen bei anderen zuerst auf die Zähne schauen. In vielen Berufen ist das äußerliche Erscheinungsbild sogar ein Einstellungskriterium. Die Zahnfarbe ist etwas sehr Individuelles und abhängig von vielen Faktoren. Eine Beschränkung ästhetischer Eingriffe nimmt Freiheit, schafft Zwang und diskriminiert Menschen mit weniger guter genetischer Veranlagung.

Es ist legitim, dass ein zahnkosmetischer Eingriff für einige Menschen schwer nachvollziehbar ist, doch darf das Unbehagen einiger weniger deshalb noch lange nicht zum Maßstab für alle anderen werden. Und auch wenn das an dieser Stelle vielleicht etwas hochgegriffen klingen mag, es steht in einem krassen Widerspruch zu unseren libertären Werten. Die Freiheit des Individuums fängt eben mit den kleinen Dingen an.

Julian Thiel

Contra

Nicht nur sauber, sondern rein, das wusste schon Klementine. Aber nicht immer ist weiß auch gut. Als Erstes sollte man den Zahnarzt aufsuchen. Unter seiner Aufsicht muss eine PZR erfolgen. Helfende Hände entfernen alle Verfärbungen und Beläge, die sich in der vergangenen Zeit so angesammelt haben. Nur so kommt unter den Rotweinresten die tatsächliche Zahnfarbe zutage. Manch einer ist dann auch schon zufrieden.

Der Zahnarzt schaut aber nicht nur nach der Farbe, sondern auch nach der Gesundheit der Zähne. Wer frei liegende Zahnhälse hat, Putzriefen oder gar abgestoßene Ecken oder Risse im Zahnschmelz, mögen sie auch noch so klein sein, der wird beim und nach dem Bleachen sein wahres Wunder erleben! Au weia, das zieht und schmerzt wochenlang.

Wer trotzdem für die Schönheit leiden will, setzt es durch, greift tief in die Tasche ... und muss schon nach einigen Wochen wiederkommen. Denn der Spaß hält nur solange wie die Strähnchen im Haar. Irgendwann kommt das dunkle Braun wieder raus, ein neuer Oxidationsprozess muss her, die Haare brechen ab, weil sie spröde werden.

So geht es auch beim Zahnschmelz. Wer aber seine Zahnsubstanz liebt, lässt das Bleichen bleiben, sorgt für regelmäßige Zahnpflege und für eine Sanierung des Gebisses. Denn auch eine Füllung im Frontzahnbereich kann schäbig aussehen - und auch hier hilft Bleaching nicht weiter. Hier hilft nur eine neue Füllung oder ein Veneer.

Das kann man dann in einer etwas helleren, aber doch bitte noch passenden Farbe wählen. Aber auch noch so, dass man noch glauben kann, dass die Zähne zur Person gehören. Denn wer kennt sie nicht, die Schauspieler, die so aussehen, als hätten sie sich das Gebiss der eigenen Enkel ausgeliehen.

Zähne wie 16, Lippen und Haut wie 80! Meine Oma dachte nicht wie Klementine, sondern würde sagen: außen hui, innen pfui. Und mich erst zum Zähneputzen schicken und dann zum Zahnarzt. Damit meine Zähne gar nicht erst braun werden.

Susanne Priehn-Küpper


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