17.
JULI 2015
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Statement

Plädoyer für die Männerquote

Mit seiner Forderung nach einer Männerquote für die Erstsemester im Fach Zahnmedizin erhitzt der FVDZ-Landesverband Niedersachsen gerade die Gemüter. Was sie sich davon verspricht, erklärt die Landesvorsitzende Annette Apel.



Mit 19 Ja-Stimmen bei 13 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen hat die Landesversammlung Niedersachsen des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) am 4. Juli in Bomlitz/Walsrode den Landesvorstand aufgefordert, „aktiv für die Einführung einer ‚Männerquote‘ bei der Vergabe von Studienplätzen der Zahnheilkunde zu werben“.

Zur Begründung des von zwei Kollegen und einer Kollegin aus dem Bezirk Braunschweig eingebrachten Antrages wird angeführt: "Durch die Art der Vergabe von Studienplätzen gibt es mittlerweile Studienjahrgänge mit 100 Prozent Frauenanteil."

In der Tat sind derzeit gut zwei Drittel der Zahnmedizinstudenten weiblich, Tendenz steigend. Der Grund liegt am hohen Numerus clausus, der, je nach Universität, in Deutschland zwischen 1,2 und 1,7 liegt. Da es weitaus mehr Bewerber als zu besetzende Studienplätze gibt, wird derjenige bevorzugt, der die bessere Abiturnote hat und das sind mehr weibliche als männliche Studienplatzbewerber. Weil das so ist, weichen viele männliche Studieninteressierte an ausländische Universitäten aus, um hier ihr Zahnmedizinstudium zu absolvieren.

Ob ein Student später ein guter Arzt oder Zahnarzt wird, ist nicht von der Abiturnote und nur bedingt von der Abschlussnote im Studienfach abhängig. Die Qualität der Mediziner bemisst sich neben dem fachlichen Können auch am Einfühlungsvermögen in die Situation des Patienten, am Umgang mit den Menschen, an den sogenannten „weichen Faktoren“ oder auch Social Skills, also der sozialen Kompetenz.

"Diese Feststellung ist nicht frauenfeindlich, sondern beschreibt eine Tatsache."

Welche Folgen hat es für den Bereich der zahnmedizinischen Versorgung, wenn immer mehr Frauen den Beruf ergreifen? Für viele Frauen steht nach Studienende und einigen Berufsjahren das Thema Familie und Kinder ganz oben auf der Agenda. Diese Feststellung ist nicht frauenfeindlich, sondern beschreibt eine Tatsache. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft ist es zu begrüßen, wenn mehr Kinder geboren werden.

Während der Schwangerschaft sind viele werdende Mütter in ihrer Berufsausübung zwangsläufig eingeschränkt, während der Zeit vor und nach der Niederkunft über ein Vierteljahr lang gar nicht beruflich tätig. Viele Zahnärztinnen streben für die ersten Jahre der Kindererziehung nur eine Teilzeitbeschäftigung an, um dann möglicherweise in späteren Jahren wieder ganztags in den Berufsalltag einzusteigen.

In eigener Praxis ist ein solches Lebens- und Arbeitsmodell aber nicht zu realisieren, zu groß sind die wirtschaftlichen Probleme, die dies mit sich bringt. Bei einem größeren Frauenanteil unter den Zahnärzten wird die Zahl der freiberuflich selbstständig tätigen Zahnärzte zwangsläufig sinken, die der angestellten Zahnärzte sich erhöhen. Darauf müssen sich unsere Gesellschaft, die Gesundheitspolitik, aber auch die zahnärztlichen Organisationen einstellen und Optionen erarbeiten, wie unter diesen Gegebenheiten eine bestmögliche und umfassende Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden kann.

"Eine Männerquote bei der Vergabe von Studienplätzen ist natürlich nicht die Lösung des Problems."

Eine Männerquote bei der Vergabe von Studienplätzen ist natürlich nicht die Lösung des Problems. Genauso wenig wie eine Frauenquote in anderen Bereichen die dort bestehenden Probleme lösen kann. Die Diskussion darüber, und die ist jetzt entbrannt, und die Diskussion über die Sicherstellung der zahnmedizinischen Versorgung in der Zukunft mag aber die Probleme, die vor uns liegen, deutlich machen und zu einer Lösung beitragen. Diese Diskussion muss auch im Freien Verband geführt werden. Dafür haben die drei Antragsteller in der Landesversammlung des Landesverbandes Niedersachsen mit ihrem "Männerquoten"-Antrag einen wichtigen Beitrag geleistet.

  


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Kommentare

Leserkommentare (1)

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Stefan Gassenmeier
23.07.15 / 11:13
Das Schulsystem ist das Problem - und die Zulassungsbestimmungen

Leider ist die Zulassung zum Zahnmedizinstudium immer noch zu stark an die Abiturnote gekoppelt. Im Gymnasium haben es Schüler mit besserer sprachlicher Kompetenz, also meist Mädchen einfach leichter, einen guten Schnitt zu erzielen. Ob hier die unterschiedliche Gewichtung der Fachnoten, wie sie im Auswahlverfahren der Hochschulen vorgesehen ist, zu wenig Beachtung findet?

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