28.
SEP 2012
miss.sophie/photocase.com
Studentisches

"Achtung! Nicht bewegen, meine Krone ist weggeflogen."

Kein Bohrer dreht sich mehr, wenn in der Praktikumswoche kurz vor Abgabe die Prothese aus der Hand rutscht. Der erste Schock ist riesengroß - dann helfen die Tipps der anderen.




"Auf geht’s, alle mitsuchen. Sie kann überall sein. Bein Polieren ist sie mir aus der Hand geflutscht.“ Diese Momente sind der pure Albtraum. Der Puls schnellt in Windeseile auf 150 Schläge pro Minute, einem wird heiß und die Gedankenspirale beginnt: Mist, das kann doch nicht wahr sein. Nochmal von vorn beginnen?! Da steckt doch ein ganzer Tag Arbeit drin. Nein, das schaffe ich zeitlich nicht mehr …

In der praktischen Physikumswoche haben sich die Krone und Klammern von mehreren meiner Kommilitonen selbstständig gemacht, doch Gott sei Dank sind alle wieder aufgetaucht. Mir ist fünf Minuten vor Abgabe beim Polieren das Provisorium aus der Hand gerutscht, aber auch das hat sich wiedergefunden.

Perfektion unter Zeitdruck geht nicht

Kraftraubend, stressig, aufregend, könnte man die letzte Woche beschreiben. Wir mussten folgende Arbeiten herstellen:

  • Gegossener Stiftkernaufbau an Zahn 44 mit Provisorium
  • Vollgusseinzelkrone an Zahn 35
  • Handgebogene E-Klammern mit Auflage an den Zähnen 14 und 24
  • OK-Interimsprothese
Mit meinen Arbeiten bin ich in Anbetracht der Zeit, die einem zur Verfügung stand, zufrieden gewesen. Das Wichtigste ist seinen Perfektionismus abzulegen und sich einzugestehen, dass man keine Zeit hat sich ewig mit Kleinigkeiten aufzuhalten. Auch wenn die Klammern nicht perfekt am Zahn anliegen, ist es wichtig, mit den anderen Arbeiten weiterzumachen, um am Ende mit allen Arbeiten fertig zu sein.

Ich fand es sehr entspannt, dass wir nicht wie in den praktischen Kursen für jeden Arbeitsschritt ein Testat von den Assistenten brauchten. Man ist eine Woche sein eigener Chef und teilt sich die Zeit selber ein. Keiner sagt einem: "Machen Sie die Klammern nochmal neu, dann dürfen Sie die Zähne aufstellen.“

"Sch…, ich hab nicht isoliert!"

Von Katastrophen sind wir verschont geblieben. Es gab keine Fehlgüsse und keine Modelle sind von den Tischen gefallen. Doch so manch einer kam ohne den Adrenalinstoß nicht aus. "Sch…, ich hab nicht isoliert! Meine Prothese löst sich nicht vom Modell!“ Der gesamte Saal ist auf einmal mucksmäuschenstill. Kein Bohrer dreht sich mehr. Von überall kommen Ratschläge: "Bleib ruhig. Leg sie in warmes Wasser.“

Anstrengend und fast unmöglich war das Lernen nach so einem arbeitsintensiven Tag. Das letzte Wochenende musste dann ordentlich gebüffelt werden. Doch es hat sich ausgezahlt. Die mündliche Prüfung war sehr anspruchsvoll, aber fair. Der Schwerpunkt lag in der Werkstoffkunde. Die Benotung der praktischen Arbeiten fiel - für uns alle ein wenig überraschend - ziemlich gut aus. Mit einem super Gefühl lässt man die Prothetik der Vorklinik hinter sich. 50 Prozent des Physikums liegen schon hinter uns. Das Glas ist bereits halb voll!

Citratcyclus, ich komme …



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