11.
DEZ 2015
privat
Studentisches

Kopfüber in die Kursordnungen

Ich hatte mir das 7. Semester nicht so bürokratisch vorgestellt. Für alles was man tut, gibt es irgendwo eine Vorschrift. Dann hatten wir zur Einführung Crashkurse - und waren überrascht, wie viel man plötzlich wieder neu lernen muss!




Nach drei Monaten Sommerferien hat nun vor etwa zwei Wochen das siebte Semester begonnen. Vorher erlebte ich Spannendes bei der Abform- und Einführungswoche - und im Altersheim. Diese Sache erschien mir zum einen an sich sehr sinnvoll, da ja viele alte Menschen tatsächlich nicht einmal mehr den Gang zum Zahnarzt schaffen und dieser deshalb zu ihnen kommen muss, zum anderen schult es einen einfach im Umgang mit anderen.

Die Patienten wurden zunächst zu ihrer Krankengeschichte befragt, und anschließend wurden noch verbliebene Zähne, Zahnersatz und auch Zunge und Mundschleimhaut untersucht. Aber den Großteil der Zeit haben wir natürlich damit verbracht, über Kinder und Enkelkinder der Patienten zu plaudern.

Die Abformwoche wurde von der Prothetik organisiert, und wir konnten in verschiedenen Seminaren und Übungen nochmal das Wichtigste über Materialien und Techniken rekapitulieren, wie die verschiedenen Anwendungsbereiche von Silikon, Alginat und Polyäthern - plus ein paar Tricks in der Anwendung.

Ein Parcours namens OSCE

Und dann mussten wir in dieser Woche einen etwa einstündigen Parcours namens OSCE (Objective structured clinical examination) absolvieren. Wir hatten verschiedene Aufgaben, wie zum Beispiel einen Befundbogen ausfüllen, das Röntgenbild einer Wurzelkanalbehandlung auswerten oder eine Glasionomerzementfüllung herstellen. Für jede Aufgabe hatten wir genau sechs Minuten Zeit, und immer am Ende dieser sechs Minuten wurden wir mit einem grünen, gelben oder roten Smiley bewertet.

Ich frage mich, ob ich das jemals gemacht habe!

Die Bewertung hatte keine weitere Bedeutung, sie sollte nur dazu dienen, uns daran zu erinnern, was wir noch nicht gut genug können und was nochmal wiederholt werden sollte. Bei mir gab es ein paar Aufgaben, bei denen ich mich tatsächlich gefragt habe, ob ich das schon jemals gemacht habe, zum Beispiel den Ablauf eines Stift-Stumpf-Aufbaus erklären, andere wiederum liefen ganz gut, etwa das Messen von Taschentiefen und Attachmentverlust.

Ich starte dieses Semester mit der Zahnerhaltung, und hier war die erste Uniwoche so organisiert, dass noch keine Patientenbehandlungen stattfanden. Über diese Schonfrist war ich ziemlich froh, denn es ist ja schon ein seltsamer Gedanke nun zum ersten Mal Behandlungen an echten Menschen durchzuführen, die nicht meine Kommilitonen sind.

Kopfüber in die Punktebewertungssysteme

In der Einführungswoche gab‘s dann in Crashkursen noch mal die wichtigsten Infos zu Aktenführung, Abrechnungen, und auch zu den wichtigsten Behandlungen, die man in der Zahnerhaltung durchführt, wie die PZR, Kompositfüllungen, Wurzelkanalbehandlung und indirekte Restaurationen. Ich glaube, wir waren alle erst einmal ein bisschen überfordert davon, wie viel man plötzlich wieder neu lernen muss, und ich hab mich ein bisschen gefühlt, wie in das erste Semester zurückversetzt. Aber das hilft ja nichts - also Augen zu und durch, und sich einfach kopfüber in Kursordnungen, Punktebewertungssysteme und Patientenbestellsysteme stürzen.

Für alles gibt es irgendwo eine Vorschrift und so weiter und so fort

Ich hatte mir das siebte Semester vorher nicht so bürokratisch vorgestellt. Ständig gibt es irgendwelche Dokumente auszudrucken, abzuheften und unterschreiben zu lassen. Die Patienten müssen über alles Mögliche aufgeklärt werden, was dann wiederum unterschrieben werden muss, die Akten müssen gut geführt werden, für alles was man tut, gibt es irgendwo eine Vorschrift und so weiter und so fort. Ich glaube, das wird noch ein bisschen dauern, bis wir überall vollends durchblicken, und kommt bestimmt erst mit der Übung.

Natürlich darf auch unser neues Fach Kommunikation nicht fehlen, wovon ich im letzten Semester schon öfters berichtet habe. Nachdem wir fleißig versucht haben, an Schauspielpatienten unsere kommunikativen und sozialen Fähigkeiten zu optimieren, müssen wir in diesem Semester insgesamt drei Behandlungen mit unseren Patienten filmen und danach auswerten.

Kommunizieren vor laufender Kamera

Welche Behandlungen und Patienten das sind, dürfen wir uns aussuchen. Die Patienten müssen natürlich einverstanden sein, denn sie sind am Ende im Video zu sehen. Das klingt erst einmal stressig (vor allem, da man sich zusätzlich zum üblichen Equipment auch noch Stativ und Kamera an der Materialausgabe ausleihen muss), aber im Vergleich zu all den anderen Dingen, die demnächst bewältigt werden müssen, kommt mir das Filmen wie meine kleinste Hürde vor. Dabei geht es hauptsächlich darum, wie wir mit den Patienten reden, wie wir mit ihnen umgehen, auf ihre Fragen eingehen, Behandlungen gut verständlich erklären und solche Dinge. Da kommt also viel zu auf uns in diesem Semester, und ich bin gespannt zu berichten, wie es weitergeht.


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