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01.09.03 / 00:11
Heft 17/2003 Zahnmedizin
Tagung am Meer

2. Domburger Endotage

Ende Juni fanden in Domburg, Holland, die 2. Domburger Endotage statt. Die Fortbildungsveranstaltung wurde von der Conzept GmbH organisiert und stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Michael Baumann, Köln. Die Tagung hatte die Aufgabe, sowohl endodontisch unerfahrenen Kollegen als auch versierten Zahnärzten, die bislang überwiegend mit traditionellen endodontischen Methoden vertraut waren, einen Einblick in den Bereich moderner endodontischer Methoden und Techniken zu geben.




Dementsprechend waren die Schwerpunkte der Tagung das Arbeiten unter dem OP-Mikroskop, Wurzelkanalaufbereitung mit rotierenden Instrumenten und das Verschließen der Wurzelkanäle mit thermischen Fülltechniken.

Prof. Baumann begann die Tagung mit Anmerkungen zur Anatomie des Wurzelkanalsystems. Aufgrund der Tatsache, dass Molaren, insbesondere Oberkiefermolaren, häufig vier Wurzelkanäle aufweisen, kommt dem Aufsuchen und der Darstellung der Wurzelkanaleingänge eine wachsende Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang ist der Gestaltung der Zugangskavität im Hinblick auf eine ausreichende Übersicht und eine angemessene Größe besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere beim Aufsuchen der Wurzelkanaleingänge ist das OP-Mikroskop eine wertvolle Hilfe. Oft gestaltet sich der Zugang zu den Wurzelkanälen durch überhängende Dentinareale oder Tertiärdentin im Bereich der Eingänge schwierig. Der Einsatz spezieller rotierender oder oszillierender Instrumente kann helfen, diese Hindernisse zu beseitigen.

3D-Kanalinspektion per OP-Mikroskop

Im Rahmen eines sich anschließenden praktischen Abschnittes hatten die Teilnehmer nun Gelegenheit, erste Erfahrungen mit dem OP-Mikroskop zu sammeln. Beim Betrachten der Wurzelkanalkonfiguration extrahierter Zähne zeigten sich viele Teilnehmer beeindruckt von dem plastischen Eindruck, den das OP-Mikroskop aufgrund stereoskopischer Technik zu vermitteln in der Lage ist.

Hilfsmittel zur elektrischen Längenbestimmung von Wurzelkanälen gehören ebenfalls in das Spektrum moderner Endodontie und waren das nächste Thema. Prof. Baumann ging kurz auf das Prinzip und die Grundlagen endometrischer Techniken ein und stellte einige Vertreter der neuen Generation von Endometrie-Geräten vor, die auch bei unterschiedlichen Bedingungen im Wurzelkanal zuverlässige Resultate liefern sollen.

Der Nachmittag des ersten Tages stand ganz im Zeichen verschiedener Möglichkeiten zur Wurzelkanalaufbereitung. Insbesondere standen dabei die Vorteile von Aufbereitungstechniken nach dem Crown-Down-Prinzip im Mittelpunkt. Dadurch wird unter Verwendung von rotierenden Instrumenten unterschiedlicher Konizität zunächst der koronale Anteil des Wurzelkanals erweitert. Abgesehen von mikrobiologischen Aspekten, wie einer damit einhergehenden initialen Keimreduktion, wird auf diese Weise der Zugang und das Instrumentieren der apikalen Kanalanteile erheblich erleichtert. Zur Realisierung der Wurzelkanalaufbereitung erlangen rotierende Instrumente auf Nickel-Titan-Basis zunehmende Bedeutung. Die meisten dieser inzwischen zahlreichen Ni-Ti-Instrumente werden von speziellen, Drehzahl- und Drehmomentkontollierten Endomotoren und speziellen Winkelstücken angetrieben. Während einige der schon länger auf dem Markt befindlichen Ni-Ti-Instrumente als nicht schneidend charakterisierbar sind, stellen viele der neuen Systeme schneidende Instrumente dar. Einen innovativen Ansatz stellen beispielsweise Variationen im Abstand der schneidenden Anteile dar, die ein Verschrauben des Instrumentes im Wurzelkanal verhindern sollen.

Praktische Übungen mit Endomotoren

Durch praktische Übungen beim Aufbereiten von gekrümmten Kanälen in Kunststoffblöcken mit Hilfe von Endomotor und rotierenden Ni-Ti-Instrumenten konnten die Teilnehmer die theoretischen Ausführungen in die Tat umsetzen. Dabei zeigten sich die Teilnehmer überrascht von der guten Zugänglichkeit der apikalen Kanalanteile bei konsequenter Umsetzung der Crown-Down-Technik.

Spülung und Zwischeneinlage

Der nächste Vormittag wurde mit dem Themenkomplex Spülung und Zwischeneinlage begonnen. Da alleine mit mechanischer Wurzelkanalaufbereitung eine vollständige Desinfektion des Kanalsystems nicht zu erzielen ist, hat die begleitende Spülung nach wie vor einen wichtigen Stellenwert. Dabei ist Spülung und Aufbereitung unter NaOCl heute die Methode der Wahl; H2O2 besitzt demgegenüber keine zusätzlichen Vorteile und ist daher nur noch von untergeordneter Bedeutung. Vor- und Nachteile der Anwendung von CHX- oder EDTA-Lösungen wurden ebenfalls dargestellt. Als medikamentöse Zwischeneinlage sind pastöse Calziumhydroxidpräparate nach wie vor Mittel der Wahl; lediglich in speziellen Situationen könne die Anwendung eines CHX-Präparates wegen der zusätzlichen fungiziden Wirkung sinnvoll sein. Das Abdecken des Wurzelkanals mit einem Wattepellet vor Applikation der provisorischen Füllung im Rahmen einer Zwischeneinlage gilt als kritisch, weil zum einen die Dicke des provisorischen Verschlusses reduziert werde und zum anderen eine Reinfektion des Wurzelkanals über Wattefilamente, die durch die Deckfüllung reichen, in relativ kurzer Zeit stattfinden könne.

Schließlich wurden verschiedene Methoden zur Wurzelkanalfüllung dargestellt. Vor- und Nachteile der klassischen Zentralstift-Technik und der lateralen Kondensation wurden besprochen. Den Schwerpunkt bildeten unterschiedliche thermische Fülltechniken, wie Thermafil, System B, Obtura oder Ultrafil. Bei der folgenden praktischen Übung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, den zuvor aufbereiteten Kanal mit einem Thermafil-Stift zu füllen; auch mit anderen Warmfülltechniken konnten erste Erfahrungen an speziellen Kunststoffblöcken gesammelt werden.

Fallbeispiel: Das geschieht nach der Endobehandlung

Der abschließende theoretische Teil beschäftigte sich mit Aspekten der postendodontischen Versorgung. Prof. Baumann betonte, dass die Prognose eines wurzelkanalbehandelten Zahnes neben der erfolgreich durchgeführten endodontischen Therapie auch in erheblichem Maße von einer adäquaten koronalen Restauration bestimmt werde. Eine provisorische Versorgung oder eine Aufbaufüllung seien weniger geeignet; besser sei die möglichst baldige, definitive Versorgung. Prof. Baumann wies darauf hin, dass endodontisch behandelte Zähne per se nicht spröder seien als vitale Zähne; Frakturen seien oft die Folge einer unnötig starken Schwächung der Zahnhartsubstanzen im Zuge der Wurzelkanalbehandlung. Die adhäsiven koronalen Restaurationstechniken machen die Anfertigung von konventionellen Stiftaufbauten in vielen Fällen überflüssig. Sollte dennoch ein Stiftaufbau notwendig sein, bieten moderne adhäsive Faserstiftsysteme eine viel versprechende Alternative zu gegossenen Stiftaufbauten.

PD Dr. Martin Jung
Poliklinik für Zahnerhaltungskunde
und Präventive Zahnheilkunde
Schlangenzahl 14
33592 Gießen



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