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01.05.17 / 00:02
Heft 09/2017 Gesellschaft

3-D-Gesichtsrekonstruktion eines mittelalterlichen Mönchs

In einem großen Projekt haben Forscher anhand des ausgegrabenen Schädels das Gesicht eines Mönchs aus der Karolinger Zeit rekonstruiert – und dokumentiert, wie es um seine Zahngesundheit bestellt war.




Im Oktober 2016 untersuchten Anthropologen auf dem „Mönchsfriedhof“ des hessischen Klosters Lorsch den Schädel eines dort im elften beziehungsweise zwölften Jahrhundert bestatteten Mönchs. Bis auf den Verlust einiger Schneidezähne, eines Eckzahns und des rechten Jochbogens war das bereits 1999 freigelegte Cranium vollständig und sehr gut erhalten. Das Körperskelett konnte bei den Ausgrabungen nicht geborgen werden.

Der Befund: Parodontitis, Karies und Zahnstein

Die Datierung ergab ein Alter von 1133 ±24 Jahren BP. Das heißt, der Mann hat im Zeitraum zwischen 888 und 966 nach Christus gelebt und wurde den Berechnungen zufolge 35 bis 40 Jahre alt.

Erkrankungen hatte er ausschließlich im Kieferbereich: Neben einer Parodontitis, die als leichter Randwulst am Kieferknochen im Bereich der Backen- und Schneidezähnen des Unterkiefers sichtbar ist, hatte sich zusätzlich an den Schneidezähnen Zahnstein gebildet.

Im Oberkiefer waren jeweils der zweite Backenzahn rechts und der zweite Vorbackenzahn links von Karies befallen.

Während die Kariesläsion am Molar relativ klein ausfällt und nicht tief in den Zahn hineinreicht, ist die Krone des zweiten Vorbackenzahns vollständig zerstört.

An den vorhandenen Eckzähnen sind außerdem horizontal verlaufende Rillen im Zahnschmelz erkennbar. Diese Unregelmäßigkeiten entstanden bei der Bildung des Zahnschmelzes und lassen sich auf Wachstumsunregelmäßigkeiten – wahrscheinlich bedingt durch Nahrungsmangel, Fieber, Infektionskrankheiten und andere Krisensituationen – zurückführen. Wegen ihrer Position gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Rillen im Alter zwischen eineinhalb und vier Jahren entstanden sind.

Noch bis zum 14. Mai zeigt das Unesco-Weltkulturerbe Kloster Lorsch die Sonderausstellung Begraben und Vergessen? Knochen erzählen Geschichte“, die auf der Basis neuer archäologisch-anthropologischer Untersuchungen erstmals die Menschen in den Blick nimmt, die im Mittelalter in der Reichsabtei Karls des Großen lebten, arbeiteten und dort begraben wurden. Höhepunkt: die 3-DGesichtsrekonstruktion des Lorscher Mönchs aus der Hochphase des Klosters um 900.



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