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16.09.07 / 00:12
Heft 18/2007 Politik
Neues Versorgungszentrum der TK

ATRIO-Med in Köln eröffnet

Als „neue Generation medizinischer Versorgungszentren” ist in Köln das ATRIOMED im Beisein von Ulla Schmidt offiziell eröffnet worden. Das neue MVZ biete, so hieß es, „kurze Wartezeiten für Patienten, längere Öffnungszeiten und ein eng verzahntes Fachärztenetz“. ATRIO-MED ist ein Projekt der Techniker Krankenkasse (TK) in Kooperation mit der Rehasan Gesundheitszentrum GmbH Köln.



Eröffnungsritual im ATRIO-MED (v.l.n.r) : Olav Skowronnek, Rehasan, Ministerin Ulla Schmidt, TK-Chef Norbert Klusen und die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes Foto: TK/Max Malsch

Die Marke ATRIO-MED stehe für hervorragende Qualität, effiziente Behandlung und umfassenden Service, so die Kernbotschaften bei der Eröffnung in Köln. Vom Beschreiten neuer Wege sprach Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. „Veränderung muss sein, wenn auch in Zukunft alle am medizinischen Fortschritt teilhaben wollen.“ Dazu müssten im Gesundheitswesen alle Effizienzreserven ausgeschöpft werden. Schmidt betonte die Wichtigkeit fachübergreifender ärztlicher Zusammenarbeit. So würden unnötige Doppeluntersuchungen vermieden, die medizinische Behandlung verbessert und eine wirtschafltiche Versorgung ermöglicht.

Medizinische Versorgungszentren sind ein Angebot im Rahmen der integrierten Versorgung (IV), die seit dem GKV-WSG einen weiteren Anschub erfahren hat. Mittels IV will man das Versorgungsangebot für die Versicherten verbessern und gleichzeitig Kosten sparen. Inzwischen gibt es in Deutschland über 800 MVZ, rund 4000 Integrationsverträge sind mittlerweile abgeschlossen worden. Gerade chronische Erkrankungen und die großen Volkskrankheiten (wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rückenbeschwerden) wollen die Befürworter so besser auffangen.

Vorteile für den Kassenwettbewerb

Die Ministerin sieht in diesen Modellen vor allem Vorteile für den – politisch gewollten – Wettbewerb der Kassen untereinander. Mehr Serviceangebote seien ein wichtiger Parameter für die Kassen, um sich im Wettbewerb Vorteile zu verschaffen. Der Versicherte schätze besondere Konditionen bei der gesetzlichen Krankenkasse seiner Wahl: „Die höchste Zufriedenheit der Patienten ist in den medizinischen Versorgungszentren“, behauptete Schmidt.

Diesen reklamierten Wettbewerbsvorteil will sich die TK mit ihrem Angebot zunutze machen. ATRIO-MED biete gleich „mehrere Vorteile“ für den TK-Versicherten: eine verkehrsgünstige Lage im Zentrum von Köln (in unmittelbarer Nähe einer privaten Klinik), ein zentraler Empfang, kurze Wartezeiten, bei denen TK-Patienten innerhalb von fünf Tagen einen Termin bekommen und im Haus nicht länger als 30 Minuten auf den Arzt warten müssen. Das neue MVZ verpflichte sich, nach festgelegten Leitlinien und Qualitätsstandards zu behandeln. Der interdisziplinäre Austausch der Fachärzte untereinander solle lange Wege und Zeit ersparen, gerade auch bei schweren Erkrankungen. Derzeit arbeiteten zwölf Fachärzte auf dem Gebiet Innere Medizin, Orthopädie, Gynäkologie, Kinder- und Jugendmedizin, Neurologie und Psychiatrie sowie Psychotherapie zusammen, weitere Fachrichtungen sollen folgen. Das MVZ sei offen für andere GKV- und Privatpatienten, jedoch erhielten nur TK-Patienten einen Extra-Bonus. Dazu gehörten besondere Anreize im Servicebereich vom Erfrischungsgetränk bis hin zum Wartezimmer-TV.

„Von der medizinisch hochwertigen Behandlung profitieren aber alle Menschen, die dieses Haus aufsuchen“, wirbt TK-Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Klusen. „Einen Schwerpunkt werden hier ärztliche Konsile bilden, die fachübergreifende Beratungen und individuell erstellte Therapiepläne beinhalten.“ Klusen hob die neuen Wege hervor, die sich für die Krankenkassen aufgrund des GKV-WSG bieten: „Lange haben wir diese erweiterten Möglichkeiten von der Politik eingefordert, nun wollen wir mit vielen, ganz unterschiedlichen Projekten zeigen, dass wir diese Möglichkeiten aktiv im Sinne eines solidarischen Wettbewerbs nutzen können.“ Hausärzte seien im neuen MVZ nicht vorgesehen, erläutert Klusen weiter. „Wir wollen eine sinnvolle Ergänzung und keine Konkurrenz zur hiesigen Struktur des Gesundheitswesens schaffen.“ Der TK-Chef hofft, dass sich die TK-Investitionen für das Projekt rechnen werden, sobald damit Krankenhausaufenthalte, Krankschreibungen und Kosten für Folgeerkrankungen eingespart werden.

Köln ist das erste Zentrum seiner Art, weitere Standorte in anderen Städten Deutschlands sollen folgen. Ob MVZ generell die Freiberuflichkeit des Arztes oder die freie Arztwahl des Patienten gefährden, wurde dabei nicht erörtert. Auf entsprechende Nachfrage der zm beim Presserundgang bestritt Ulla Schmidt Probleme dieser Art.

Rahmenprogramm mit Aktionen

Filmblut aus Hollywood

Wir brauchen Blut!“ riefen zehn Drittklässler der Grundschule „GGS Zwirner Str.“ aus der Kölner Südstadt. Sie und ihre Mitschüler besuchten im Rahmen der ATRIO-MED-Eröffnung den Kurs „Kinder lernen helfen“. Bei der gemeinsamen Aktion der Deutschen Rettungsflugwacht e. V. und der TK lernen die Jungen und Mädchen aus Vor- und Grundschulklassen, wie man Verletzungen mit Kompresse und Verband versorgt. „Mit echtem Filmblut aus Hollywood“, wie die DRF-Trainerin den gespannten Kids erklärte. Ausgerüstet mit einen Notfallpacket für den Schulranzen und Informationen zum richtigen Verhalten bei Verletzungen bis hin zum selbstständigen Rufen des Krankenwagens ging es für die Kids anschließend auf Entdeckungstour in das Innere eines Krankenwagens. Anlässlich der Eröffnung machte auch die „Rückhalt für Deutschland“-Tour von der TK und Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer beim neuen Versorgungszentrum Station. Ausziehen hieß es bei persönlicher Rückendiagnose und exakter Fußmessung. Die Initiative gegen Rückenschmerzen nutzt dabei modernster Scanner-Technik. Hinterher gab es jeweils individuelle Tipps – zu passendem Muskeltraining und Bewegung sowie Sportschuhen. Ins Schwitzen kamen sportbegeisterte Kinder und Erwachsene auf dem Platz vor dem ATRIO-MED: Dort konnten sie sich mit den Profis des Basketball-Bundesligisten „Köln 99ers“ messen. jr

Mehr Information zum Thema Rückenschmerzen sind unter www.rueckhalt-fuerdeutschland.de abrufbar.



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