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16.04.06 / 00:11
Heft 08/2006 Praxis
Banken locken zur WM

Abseitsfalle

Inzwischen hat die WM in beinahe alle Lebensbereiche Einzug gehalten. Auch Banken und Sparkassen nutzen die Fußball-Begeisterung und gehen mit WM-Produkten auf Kundenfang. Doch nur selten entspricht der Inhalt den Werbesprüchen auf der Verpackung.




Für die Deutschen ist Fußball in erster Linie ein Gefühl – und zwar ein ganz großes. Kaum ein Ereignis wird die Nation so in seinen Bann schlagen wie das Auftaktspiel zur Weltmeisterschaft am 9. Juni um 18 Uhr in München, wenn die deutsche Elf gegen die Mannschaft aus Costa Rica antritt und endlich (hoffentlich) die erträumte Siegesserie beginnt.

Die große Begeisterung mit der immer währenden Hoffnung auf eine Teilnahme am Finale lässt die Kassen überall dort klingeln, wo die WM als Lockmittel eingesetzt wird. Doch Vorsicht, wer sich von seinen Gefühlen leiten lässt, trifft selten das Tor. Die Marketingoffensive der Geldwirtschaft lockt die Kunden oftmals zum Kauf von überteuerten Produkten. Statt in diese Abseitsfalle zu tappen lohnt es sich genau hinzuschauen, bevor man die Unterschrift unter einen Vertrag für ein spezielles Sparbuch oder eine Kreditkarte setzt.

So bietet zum Beispiel die Deutsche Bank seit Februar eine Kreditkarte an, bei deren Gebrauch die Kundendaten an einer Verlosung für WM-Tickets teilnehmen. Die Postbank, ein starker Sponsor der WM, offeriert Kreditkarten, die gegen Aufpreis mit dem Logo des Lieblingsvereins bedruckt werden. Als Schmankerl geben beide Abos für Sportzeitschriften und Einkaufsgutscheine für Sportartikel dazu.

Ins Programm für Soccer-Fans gehört das Angebot der Dresdner Bank. Bis zum 31. August dieses Jahres zahlt die „Berater- Bank“ drei Prozent Zinsen für ein Geldmarktkonto, auf dem nicht mehr als 20 000 Euro liegen. Erfüllt sich der deutsche Traum von der Weltmeisterschaft, zahlt das Geldhaus einen Extra-Bonus von 0,75 Prozent. Damit toppt die Bank die Angebote der Konkurrenz – vorüber gehend. Nach Ablauf der Frist gibt es bei der Dresdner nur noch Zinsen zwischen 0,5 und einem Prozent.

An den Haaren herbeigezogen wirkt der Bezug zur WM bei dem Angebot der Sparkassen. Inspiriert von der Zahl Elf ist der Deka- KickGarant 2006 Fonds an die Wertentwicklung von elf Aktien-, Renten- und Rohstoffaktienfonds der Fondsgesellschaften Deka und ihrer Partner Templeton und Merrill Lynch gekoppelt. Dabei konkurrieren drei Risikostufen mit unterschiedlich großem Aktienanteil miteinander. Bei der Deka heißen sie entsprechend dem Kickerjargon Defensive, Mittelfeld und Offensive. Am Ende der siebenjährigen Laufzeit gewinnt die Variante mit dem besten Ergebnis. Die Aussichten auf große Gewinne bleiben gering, da 80 Prozent der Kundengelder in risikoarme Anleihen fließen. So wollen die Manager ihren Kunden die Rückgabe des eingezahlten Kapitals (abzüglich vier Prozent Ausgabeaufschlag) garantieren.

Erfolg oder Flop

Den Fußball im Titel führt auch das Fifa WM 2006 Weltmeister Zertifikat der Postbank. Mit Fußball zu tun hat das Papier inhaltlich allerdings nur wenig. Interessant ist ein garantierter Zins von sechs Prozent im ersten Anlagejahr. Holt die deutsche Elf den Titel, gibt es ein Prozent Zulage. Für die restlichen fünf Jahre Laufzeit sind ebenfalls sechs Prozent Zins möglich. Die Höhe der Zinszahlung hängt von der Entwicklung des Aktienkorbes ab, in den die Postbank investiert. Dazu gehören Adidas, Coca-Cola, Deutsche Telekom, McDonald’s oder Yahoo. Inwieweit die Entwicklung der Kurse nun die Höhe der Zinsen für das Zertifikat beeinflussen, hängt von zwei Bedingungen ab:

1. Notieren drei oder weniger Aktien unter 90 Prozent ihres Einstandskurses, erhalten die Anleger für das laufende Jahr sechs Prozent Zinsen.

2. Wird dieses Ziel nicht erreicht, gilt folgende Regel: Erreichen drei oder weniger Aktien 70 Prozent des Einstandskurses, bekommen die Anleger nur zwei Prozent Zinsen für das jeweilige Jahr.

Die Fußball-Fans unter den Anlegern, die sich für das Zertifikat interessieren, sollten mit dem spitzen Bleistift rechnen. Denn zieht man den Ausgabeaufschlag von drei Prozent im ersten Jahr von den Zinsen ab, bleiben unter dem Strich drei (im Extremfall vier) Prozent. Experten warnen weiterhin davor, dass es bei diesem Aktienmix durchaus zu Einbrüchen bei der Kursentwicklung kommen kann. Denn allein der Kurs von Yahoo schwankt hin und wieder um zehn Prozent pro Tag. Und außerdem: Die Dividenden kassiert die Bank und nicht der Anleger.

Weniger optimistisch, was das Abschneiden der deutschen Mannschaft angeht, gibt sich die DZ Bank. Sie setzt bei den Zertifikaten 11,0 Champion Maxi- Rend Tracker 1, 2 und 3 auf das gute Abschneiden der üblichen Favoriten. Wird Brasilien Weltmeister, bekommen die Käufer von Zertifikat 1 nach einem Jahr und vier Monaten einen Extra- Bonus von einem Prozent. Holt Argentinien den Pokal, gibt es für Zertifikat 2 nach einem Jahr und vier Monaten zwei Prozent Bonus. Den höchsten Bonus von drei Prozent bringt das unwahrscheinlichste Ergebnis – ein Sieg der Deutschen. Gespeist werden die Zinszahlungen wie bei dem Postbank-Modell aus einem Aktienkorb, mit sinnigerweise elf verschiedenen Werten. Privaten Anlegern dürfte es schwer fallen, die Bedingungen wirklich zu durchschauen. Darüber hinaus sollten sie bedenken, dass die Börse den Einfluss der WM auf die Kurse längst vorweg genommen hat. Ähnliche Angebote stehen auf dem WM-Programm der Commerzbank (Top 11 Zertifikat) und der WestLB. Das WMSelect- Zertifikat der Westdeutschen Landesbank hat sich in der Vergangenheit als Renner erwiesen. Die Kurssteigerung seit dem Start des Papiers vor vier Jahren beträgt 180 Prozent. Der Emittent hat dabei allerdings nicht nur auf Sportaktien gesetzt. Zu den elf Titeln gehört der Medienkonzern ProSiebenSat.1 sowie die Bauunternehmung Hochtief. Den Löwenanteil am Kursgewinn aber bringen Puma und Adidas. Der 10. Juli 2006 ist das Datum für die Rückzahlung. Inzwischen hat das Institut der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen bereits eine Neuauflage für die nächste WM 2010 in Südafrika angekündigt.

Übernommen mit ihren Versprechungen hatte sich hingegen die DAB-Bank. Vor vier Jahren pries sie einen Sparplan DAB dit WM Sparplan 2006 an. Kunden, die sich für das Angebot entschieden, versprach sie je zwei WMTickets für ein Spiel der deutschen Mannschaft in der Endrunde. Dabei vergaß die Internet- Bank eine entscheidende Voraussetzung: Sie ist kein Sponsor der WM, hat somit keinen Anspruch auf Karten und kann das Versprechen nicht einlösen. Als Trost bietet sie den betroffenen Kunden ein zeitlich befristetes Abonnement für den Sender des Bezahlfernsehens Premiere beziehungsweise 100 Euro Guthaben für den Wertpapierkauf an.

Selten attraktiv

Abgesehen von wenigen positiven Angeboten bieten die WMPapiere und -Konten kaum attraktive Chancen für Anleger. Wer seinen Spaß an der WM mit der Aussicht auf einen Gewinn wahren will, riskiert besser den Gang zu einem der offiziellen Wettbüros in der Stadt oder im Internet und setzt dort auf seine Lieblingsmannschaft. Denn es zahlt sich selten aus, Emotionen, wie sie bei Fußball hoch kochen, mit einer rationalen Angelegenheit wie Geldanlage zu verknüpfen. Wenn die eigene Mannschaft vorzeitig ausscheidet, tröstet ein Bonus von einem Prozent für den Sieg der Brasilianer kaum darüber hinweg. Umgekehrt, welcher wahre Fan denkt beim Jubel über den Sieg der eigenen Mannschaft an sein Sparbuch?

INFO

Stichwort: Blue Chip

Amerikanische Bezeichnung für umsatzstarke Standardaktien. Als Standardaktien bezeichnet man die Anteilsscheine von besonders umsatzstarken und ertragreichen Unternehmen wie Siemens oder BASF. Diese Aktien sind in den bekannten Indizes wie dem deutschen DAX vertreten. Mit Blue Chips verdienen Anleger langfristig meistens ohne überhöhtes Risiko ordentlich Geld. Empfehlenswert ist es, den Einsatz zu streuen statt alles auf eine Aktie zu setzen.

INFO

Stoxx Football Index

Bei Fußball-Fans und besonders bei denen aus Dortmund wecken die Schlagzeilen über die finanzielle Katastrophe beim einstigen Deutschen Meister Borussia Dortmund schmerzliche Erinnerungen. Das Management wollte cleverer sein als alle anderen deutschen Fußballvereine und holte sich viel Geld an der Börse für teure Spieler. Beim Start im Oktober 2000 kostete die Aktie elf Euro. Heute dümpelt sie bei 2,40 Euro. Als Vorbild vor Augen hatten die ehrgeizigen Dortmunder den derzeit reichsten Klub der Welt – Manchester United.

Wie die der Dortmunder und Engländer notieren auch die Aktien von Lazio Rom und Lokalrivale AS Rom an der Börse. Wie Ajax Amsterdam mussten sie schmerzliche Kursverluste ihrer Aktien hinnehmen. Zusammengefasst sind die 28 europäischen Vereine im Stoxx Football Index. Im letzten Jahr ersetzte der türkische Verein Trabzonspor den Klub aus Manchester.

Seit der letzten WM legte der Index zwar zehn Prozent zu, hinkt aber den Blue Chips im Stoxx 50 deutlich hinterher. Die Europa- Meisterschaft hat sich auf den Fußball-Index kaum ausgewirkt. Mal sehen, welchen Eindruck die WM im Sommer hinterlassen wird.

Fußball-Aktien unterliegen sehr starken Kursschwankungen, weil schon geringe Käufe und Verkäufe sich stark auswirken. Experten bezeichnen die Zockerpapiere denn auch eher als Fan-Artikel und halten sie für eine ernsthafte Geldanlage als nicht geeignet. Denn ob ein Verein am Wochenende gewinnt entscheidet über den Wert der Aktie weniger als die Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring, Merchandising, Transfer- Erlösen und Fernsehrechten.



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