Christoph Bothung, Stefan Wolfart
16.05.13 / 12:40
Heft 10/2013 Titel
Fortbildungsteil 1/2013

Adhäsive Versorgung der Einzelzahnlücke



Der gegenwärtige Anspruch sowohl aus der Perspektive des Zahnarztes als auch aus der des Patienten an festsitzenden Zahnersatz dreht sich vor allem um die zentralen Begriffe Ästhetik, Biokompatibilität, Minimalinvasivität und Langzeitstabilität. Betrachtet man unter diesen Aspekten die Möglichkeiten der Versorgung einer Einzelzahnlücke, ergeben sich unter Berücksichtigung des Alters, der Pfeilerzahnbeschaffenheit, der Knochenmorphologie, des kraniofazialen Wachstumsmusters, der Hygienefähigkeit, des Patientenwunsches und nicht zuletzt der monetären Basis mehrere Möglichkeiten, diese adäquat zu schließen.




Vor allem bei jüngeren Patienten ist die Indikation zur Versorgung einer Einzelzahnlücke durch die Aplasie von permanenten Zähnen oder durch den traumatisch bedingten Verlust von Einzelzähnen gegeben. Um der genannten Forderung der Minimalinvasivität gerecht zu werden, kommen vor allem substanzschonende Behandlungskonzepte wie der kieferorthopädische Lückenschluss, die Rehabilitation mittels Adhäsivbrücken oder die Versorgung durch Einzelzahnimplantate, sofern das Kieferwachstum abgeschlossen ist, zum Einsatz. Welcher Weg eingeschlagen wird, ist bei interdisziplinärer Behandlung zunächst abhängig von den Ergebnissen der kieferorthopädischen Analyse. Fällt die Entscheidung für einen Erhalt der Lücke beziehungsweise für eine Lückenöffnung mit nachfolgender prothetischer Versorgung, muss im nächsten Schritt die individuelle Situation abgewogen werden. Hierbei spielen vor allem Knochenangebot, Breite der Zahnlücke, Wurzelparallelität und Platzangebot im Bereich der Radizes eine entscheidende Rolle.

Lösung mit vollkeramischer Adhäsivbrücke

Ein zentraler Vorteil der Versorgung einer Einzelzahnlücke mittels vollkeramischer Adhäsivbrücke ist die Minimalinvasivität und die Unabhängigkeit vom Abschluss des Kieferwachstums. Es ist kein zirkuläres Umfassen des Pfeilerzahns erforderlich und die Notwendigkeit von retentiven Präparationselementen entfällt.

Vergleicht man die Mengen des durch die Präparation verursachten Substanzabtrags, so ergibt sich für konventionelle Verblendkronen ein Zahnhartsubstanzverlust von bis zu 60 Prozent und für den Pfeilerzahn einer Adhäsivbrücke ein maximaler Verlust von zehn Prozent [Peters, 1986]. Zunehmend hat sich vor allem im Frontzahn- bereich die einflügelige Gestaltung der Adhäsivbrücke bewährt [Kern, 2005] (Abbildung 1), so dass sich die Invasivität mit nur einer Pfeilerzahnpräparation weiter verringert.

Durch den geringen Abtrag von Zahnhartsubstanz, der sich auf den Schmelz beschränkt, treten keine Pulpairritationen auf [Kern, 2005]. Unter anderem ermöglicht dies den Einsatz der einflügeligen Adhäsivbrücke schon bei Jugendlichen vor Abschluss des Kieferwachstums, da keine Wachstumsbeeinträchtigung des Kieferkamms zu erwarten ist und auch keine iatrogen verursachte Zahnfehlstellung durch unphysiologisches Verblocken von Zähnen auftritt [Sasse, 2009].

Weitere Vorzüge wie die bestehende Option auf spätere konventionelle Therapiealternativen, der mögliche Verzicht auf Anästhesie, das Entfallen einer provisorischen Versorgung und die fehlende Notwendigkeit der Parallelisierung von Pfeilerzähnen sind selbsterklärend [Sasse, 2009].

Betrachtet man insbesondere die einflügelige Klebebrücke, so ergeben sich zusätzlich folgende Argumente zugunsten der genannten Versorgung: Nur ein Approximalraum ist in der ästhetischen Erscheinung durch die Ausmaße des Verbinders beeinträchtigt und das gefürchtete Kariesrisiko durch unbemerktes Lösen einer Klebestelle des zweiflügeligen Designs entfällt [Kern, 2005; Sasse, 2009].



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