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16.08.02 / 00:11
Heft 16/2002 Politik
8. IZZ-Presseforum am Klinikum Freiburg

Ältere Patienten: Ein Stück Lebensqualität

Die Möglichkeiten der Zahnmedizin bei der Behandlung multimorbider älterer Patienten finden in Fachwelt und Öffentlichkeit zunehmend Aufmerksamkeit. Die facettenreichen Aspekte dieses Themas standen auf dem 8. Presseforum des Informationszentrums Zahngesundheit Baden-Württemberg, das in Zusammenarbeit mit der MKG-Klinik und Poliklinik der Freiburger Universität veranstaltet wurde, im Focus journalistischer Betrachtung.




„Lohnt sich das noch?“ Das war wohl die provokanteste Frage, die am 5. Juli im Hörsaal der Freiburger Klinik aus dem zum Teil erstaunlich fachkompetenten journalistischen Plenum gestellt wurde. Dem Ärztlichen Direktor der MKG-Klinik und Poliklinik, Prof. Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen, fiel die Antwort auf die Frage nach dem Sinn, einem über 80 Jahre alten Patienten ein Implantat einzusetzen, nicht schwer: „Jede Woche, die Sie mit eigenen Zähnen leben, ist ein Stück Lebensqualität.“ Letztlich kreisten die verständigen Fragen der so genannten „schreibenden Zunft“ nach der präsentierten Live-Operation des Patienten weniger um ökonomische, eher um medizinische Aspekte: Haltbarkeit, Zeitpunkt der Belastbarkeit, Häufigkeit der Implantationen, Implantat oder Transplantat, Zweifel an der Werkstoffverträglichkeit – „Das ist wirklich Unsinn. Implantologie ist fester Bestandteil der Zahnmedizin, nicht einmal an die Klinik gebunden“, so Schmelzeisens Antwort, – waren vorrangig Gegenstand des journalistischen Interesses. Dass die gesetzlichen Kassen diese Leistung zurzeit in der Regel nicht finanzieren, überraschte nicht. Dass man in der Materie erfahrene Zahnärzte durch Ausweisung von Tätigkeitsschwerpunkten finden kann, wie Dr. Udo Lenke, Vorsitzender des IZZ-Verwaltungsrates und Präsident der LZK Baden-Württemberg erklärte, war da schon interessanter. Letztlich brillierte auf beiden Seiten Fachwissen: Die Frage, ob bei benachbarten Kronen der Brücke der Vorzug gilt, wurde differenziert beantwortet und verstanden. Das Thema gipfelte im Frage- und Antwort-Gefüge nach dem lebenslangen Erhalt. Schmelzeisens Antwort, „Brånemark hat gesagt, dass sich das Implantat fest mit dem Knochen ankylosiert“, bedurfte keiner weiteren Nachfrage. Auf großes Interesse stieß in diesem Zusammenhang auch die Methode des Kieferknochenaufbaus durch Tissue- Engineering und Sinuslift.

Das Recht älterer Patienten auf Autonomie

Eingebettet war das Thema Implantation in Referate über die Wechselbeziehungen allgemeinmedizinischer Erkrankungen und zahnmedizinischer Behandlung (Dr. Dr. Ralf Schön), der Gewebealterung und ihrer Bedeutung für chirurgische Eingriffe im Kieferund Gesichtsbereich (Prof. Schmelzeisen), Besonderheiten der Unfallversorgung beim alten Menschen (Dr. Dr. Ralf Gutwald) sowie den Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung von Krebs beim älteren Patienten (Dr. Schramm).

Eindrucksvoll, so bestätigte das journalistische Plenum in seiner Reaktion, war ein Referat des Vorsitzenden der Ethik-Kommission der Albert-Ludwigs-Universität, Prof. Dr. Hansjörg Just, zu „Ethischen Aspekten der Versorgung und Behandlung älterer Menschen“. Neben soziologischen und pathophysiologischen Fakten zum Thema Alter verdeutlichte Just das Recht des betagten Patienten auf Autonomie und vor allem die Problematik von ärztlichen Entscheidungen bei der Behandlung von älteren Menschen. Gerade anhand von Grenzsituationen werde deutlich, so Prof. Schmelzeisen in der Diskussion des Themas, dass die oft diskutierte „Zwei-Klassen-Medizin besteht, dass die Budgetierung die Entscheidung auf dem Rücken der Ärzte austrägt“ – ein angesichts der Problematik für die Betroffenen und Behandler unhaltbarer Zustand.  

Das Presseforum hat für die anwesenden Journalisten nicht nur Wissen geschaffen, sondern auch die Bedeutung der Thematik klar machen können. LZK-Präsident Lenke: „Wir werden in der Praxis, in der Klinik, in den Seniorenheimen, die speziellen Aspekte der zahnmedizinischen Prävention im Alter und der zahnmedizinischen Betreuung der älteren Patienten, insbesondere in ihrer engen Wechselwirkung zur Medizin, stärker im Auge haben müssen.“ Das gilt, so war Einvernehmen, für Zahnmediziner, aber auch für fachkundige Journalisten.

 



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