sg
16.04.15 / 00:02
Heft 08/2015 Politik
Karlsruher Konferenz

Ästhetik ist nicht immer alles

Karlsruher Konferenz Die Rolle der Ästhetik bei Zahnrestaurationen hatte sich die Karlsruher Akademie für zahnärztliche Fortbildung bei ihrer diesjährigen Konferenz auf die Fahnen geschrieben.




Die Rolle der Ästhetik bei Zahnrestaurationen hatte sich die Karlsruher Akademie für zahnärztliche Fortbildung bei ihrer diesjährigen Konferenz auf die Fahnen geschrieben. Namhafte Referenten aus den Bereichen Prothetik, Oralchirurgie, konservierende Zahnheilkunde und Zahntechnik stellten am 20. März 2015 ihre Thesen vor. Einigkeit herrschte darin, dass es in der Zahnmedizin auch Grenzen des Machbaren bei der Umsetzung eines Schönheitsideals gibt. Mit dem Anspruch und der zahnmedizinischen Umsetzung von subjektiven Schönheitsvorstellungen hinsichtlich der (Wieder-)Herstellung intakter und ansehnlicher Zähne hatte die Akademie ein Thema ins Zentrum gestellt, das immer mehr Patienten vom Behandler im Bereich der want-dentistry erwarten. Denn auch Zähne mit hohem Destruktionsgrad können heute wieder in einen bemerkenswerten ästhetischen Zustand gebracht werden. „Wichtig ist“, so der Präsident der Akademie, Prof. Dr. Winfried Walther, „dass die Aufmerksamkeit gegenüber dem Patienten, die gemeinsame Exploration seiner Vorstellung und die sorgfältige Wahl der Mittel eine Einheit bilden.“ Wichtig sei aber auch, eine Vorstellung von den Grenzen des Machbaren zu haben, dann würde der Patient seinem Zahnarzt vertrauen.

Dennoch: „Eine Revolution in der Ästhetik ist im Anmarsch“, so das Fazit von Dr. Daniel Edelhoff aus München. Er sprach sich für eine großzügige und moderne ästhetische und funktionelle Rehabilitation von Patienten mit generalisierten Zahnhartsubstanzdefekten aus. So könnten Restaurationen von Zähnen mit starken Abrasionen minimalinvasiv mit Kompositen „verlängert“ und restauriert werden. Edelhoff empfahl auch die Versorgung mit gesinterten oder gepressten Veneers als Versorgungskonzept, um ästhetische Korrekturen bei Patienten vorzunehmen. „Die Zahnmedizin verortet sich neu, es geht nicht mehr nur um die Prothetik, wie sie die letzten 20 Jahre vorherrschend gewesen ist“, so Edelhoff. Klebungen etwa hätten die ästhetische Zahnheilkunde revolutioniert.

Info

Auszeichnung für Prof. Schindler

Mit dem „Walther-Engel-Preis“ der Karlsruher Akademie ausgezeichnet wurde in diesem Jahr Prof. Dr. Hans Jürgen Schindler. Er ist seit 1976 in eigener Praxis in Karlsruhe tätig. 2003 begann sein Lehrauftrag an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik in Heidelberg. Dort hat er sich habilitiert und eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen geleitet. Sein besonderes wissenschaftliches Interesse gilt der neuromuskulären Funktionsdiagnostik, der Elektromyografie sowie der Funktionsdiagnostik und der Schmerztherapie. Er ist Leiter des Curriculums „Funktion und Schmerz“ an der Akademie. In Anerkennung seiner Pionierleistung um die Gründung und Entwicklung einer modellhaften Fortbildungsstätte des zahnärztlichen Berufsstands stiftet die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg in Trägerschaft der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe den „Walther-Engel-Preis“. Er wird gestiftet zur Förderung internationaler wissenschaftlicher Kontakte und zur Ehrung von Persönlichkeiten, die sich um den wissenschaftlichen Gedanken-austausch oder um die Ziele der Akademie verdient gemacht haben. Der mit 7 500 Euro dotierte Preis wird jährlich am „Karlsruher Abend“ verliehen. Das Preisgeld ist für einen Aufenthalt an einer Auslandsuniversität zweckgebunden.

Hightech versus Lowtech

Prof. Dr. Hans Jörg Staehle hingegen betrachtete den ästhetischen Aspekt von Zahnbehandlungen aus Sicht der Zahnerhaltungskunde und plädierte dafür, als Behandler die Verhältnismäßigkeit des Mitteleinsatzes zu wahren. Wichtig seien solide Langzeiterfolge statt kurzfristig ansprechend erscheinender Ergebnisse, Lowtech sei manchmal eher angebracht als Hightech. Kleinere Eingriffe reichten manchmal aus, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten. Staehle nannte als Beispiel etwa eine Zahnverbreiterung statt eines Implantats, um einen Lückenschluss im Seitenzahnbereich zu erreichen. Als Zahnarzt empfehle es sich, die Nutzen-Risiko-Relation beachten. Zahntechnikermeister Christian Lang aus Hürth warb für den verstärkten Einsatz von digitalen Planungshilfen als Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor. So sei etwa der Einsatz von digitalen Farbmessgeräten zum Erhalt eines Lippenbildes oder von Bildbearbeitungsprogrammen für die virtuelle Planung von Behandlungen ein probates Einsatzmittel, um zahntechnische Arbeiten für den Behandler und den Patienten herzustellen. Derartige Mittel könnten helfen, dem Patienten ein mögliches Behandlungsergebnis schon im Voraus besser zu visualisieren, so Lang.

Patientenwünsche ausloten

„Was will der Patient?“– diese Frage sei immer die Ausgangslage für den Zahnarzt vor einer Behandlung. Damit war sich Dr. Peter Randelzhofer aus München einig mit seinen Koreferenten. So seien Implantate für Lückenschließungen nicht immer die Lösung der Stunde, so Randelzhofer. „Es kommt immer auf den Einzelfall an. Manchmal genügt auch eine Kompositrestauration.“ Die Implantologie sei nicht zuletzt deswegen so spannend, weil sie nicht auf jeden Patienten anzuwenden sei. Die anfängliche Planung sei daher äußerst wichtig, um nicht bereits Fehler zu machen, bevor die eigentliche Behandlung überhaupt losgeht, so Randelzhofer. Er nannte die Aspekte „Planung – Biologie – Funktion – Ästhetik“ als entscheidende Kriterien, die man beachten solle.



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