zm-online
01.08.02 / 00:12
Heft 15/2002 Zahnmedizin
AK für Oralpathologie und Oralmedizin innerhalb der DGZMK

Aktuelles zum Thema odontogene Tumoren

In Bad Homburg fand am 10. Mai 2002 parallel zu den Vorträgen der Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (siehe zm 13) die Tagung des Arbeitskreises Oralpathologie und Oralmedizin statt, die im Folgenden umrissen wird.




Die Hauptvorträge von Prof. Dr. Peter A. Reichart, Berlin, und Prof. Dr. Pieter J. Slootweg, Utrecht, wurden zuvor als gemeinsame Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft und des Arbeitskreises gehalten.

Prof. Dr. Dr. Karsten Gundlach, Rostock, leitete das Hauptthema „Odontogene Tumoren” mit einem Übersichtsreferat ein. Er stellte das heute gültige Therapiekonzept für benigne und maligne Tumoren vor, in dem alle Tumorentitäten in vier Gruppen (maligne, lokal aggressive, rezidivfreudige und nicht rezidivfreudige) eingeteilt werden. Aufgrund des unterschiedlichen klinischen Verhaltens der Tumoren müssen spezifische, abgestufte operative Maßnahmen eingesetzt werden. Eine retrospektive Studie über Ameloblastome im Oberkiefer mit Erstbeschreibung einer Metastase im Myocard präsentierten Dr. Dr. Roger Arthur Zwahlen et al., Zürich. Dr. Sabine Jonas et al., Kiel, belegten anhand einer Literaturrecherche zu Therapiemethoden des Ameloblastoms, dass lediglich retrospektive Studien (Evidence-Typ III und IV) hierzu existieren.

Das TP53 Gen in menschlichen Ameloblastomen anhand molekularbiologischer und immunhistochemischer Methoden untersuchten Dr. Richard Gath et al., Bonn. Der Nachweis einer erhöhten Zahl von p53+ Tumorzellen könnte demnach prognostische Hinweise für das biologische Verhalten des Tumors liefern. Karl-Michael Haas et al., Jena, stellten den seltenen Fall eines peripheren Ameloblastoms mit Fusion von odontogenem Epithel und oralem Plattenepithel sowie den damit verbundenen möglichen Fehldiagnosen vor. Es folgten Kasuistiken von Dr. Dr. Rainer Buch et al., Mainz, über eine Kombination zweier Tumorentitäten, dem adenomatoiden odontogenen Tumor in kalzifizierender odontogener Zyste sowie von PD Dr. Dr. Christian Stoll et al., Aachen, zum odontogenen Plattenepitheltumor mit Resorption von Zahnwurzeln. Dr. Dr. Arndt Schultze et al., Hannover, berichteten über Rezidive von Ameloblastomen nach osteoplastischer Rekonstruktion, wobei auch Spätrezidive nach 20 und 25 Jahren vorgestellt wurden.

Freie Vorträge

Die freien Vorträge des Arbeitskreises Oralpathologie und Oralmedizin zeigten das vielfältige Spektrum dieses Gebietes sowie ein hohes wissenschaftliches Niveau.

Prof. Dr. Dr. Peter Hyckel et al., Jena, stellten in ihrem Vortrag die Hypothese auf, dass die Ätiologie des Cherubismus auf einer genetisch determinierten Dysregulation der Interaktion von odontogenem Epithel und umgebendem Mesenchym während der Entwicklung des zweiten Molaren beruht. Marc Ziriakus et al., Kiel, konnten aufgrund ihrer Untersuchungen zum Nachweis von beta-Defensinen in der Zahnpulpa die wichtige Rolle der Odontoblasten in der natürlichen Abwehr darlegen. Eine retrospektive Analyse des eigenen Krankenguts von 1 758 odontogenen Zysten in Bezug auf histologische Einteilung und Lokalisation stellten PD Dr. Dr. Edeltraud Reinhart et al., Würzburg, vor.

Markus Lenard et al., Hamburg, berichteten über fünf Fälle einer sialoodontogenen Zyste und konnten zeigen, dass die sorgfältige Zystektomie trotz des möglichen aggressiven Wachstums bei konsequenter Nachsorge ausreichend zu sein scheint. Während bei bakteriellen Infektionen der oralen Mukosa in vitro eine Reduktion der Expression von Zelladhäsionsmolekülen beobachtet wurde, zeigten PD Dr. Andrea-Maria Schmidt-Westhausen et al., Berlin, in einem Tierversuch, dass nach Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans deren Expression zunahm.

Da die Differenzierung zwischen Lichen planus und lichenoider Veränderung histologisch nicht möglich ist, wendeten PD Dr. Dr. Anton Dunsche et al., Kiel, immunhistochemische und autometallographische Methoden an. Sie konnten nachweisen, dass sich in der Autometallographie bei lichenoiden Veränderungen signifikant häufiger Quecksilber findet. Dr. Christian Scheifele et al., Berlin, stellten ihre Studie zum Nachweis von TP53-Mutationen mittels einer neuen Technik der Exfoliativzytologie, der so genannten brush biopsy, in oralen Leukoplakien vor. Der genetische Nachweis dieser Mutationen kann zur frühzeitigen Diagnose anderweitig nicht nachweisbarer Karzinome führen. Die Relevanz des Tumorsuppressoroncogens Rb2/p130 bei oralen Plattenepithelkarzinomen untersuchten Dr. Ralph Brahm et al., Mainz, anhand einer retrospektiven Studie. Dabei zeigte sich eine inverse Korrelation zwischen der Expression von Rb2/p130 und dem histologischen Differenzierungsgrad der Tumoren, weiterhin wiesen Patienten mit Verlust der Rb2/p130-Proteinexpression eine kürzere Fünf-Jahres-Überlebensrate gegenüber der Patientengruppe mit nachweisbarem Protein auf. In einer Studie über invasionsassoziierte molekulare Interaktion von Laminin-5 und Tenascin-CL im oralen Plattenepithelkarzinom demonstrierten Dr. Alexander Berndt et al., Jena, dass der Invasionsprozess mit einer Fibroblastenabhängigen Interaktion und Koorganisation dieser beiden Proteine im Stroma der Invasionszone verbunden ist. Der Vortrag von Dr. Dr. Ingo Springer et al., Kiel, stellte die Bedeutung von Kollagen-crosslinks im Urin als Indikatoren für Knocheninfiltration und Rezidive maligner Neoplasien dar. Die Arbeitsgruppe wies darauf hin, dass bei erhöhten Werten für Kollagenquervernetzungskomponenten bei Nachsorgepatienten von einem Rezidiv ausgegangen werden muss.

Priv.-Doz. Dr. Andrea Maria
Schmidt-Westhausen, Ltd. Oberärztin
Universitätsklinikum Charité,
Abt. f. Oralchirurgie und zahnärztliche
Röntgenologie
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin



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