spk
16.05.09 / 00:15
Heft 10/2009 Politik
Robert Koch-Institut warnt vor Hysterie

Aktuelles zum neuen Influenza A-Virus H1N1

Von einer Epidemie der Vogelgrippe sind die Menschen bislang verschont geblieben, die Schweinegrippe aber hat die Schlagzeilen fest im Griff: Sie wächst sich zunehmend zu einem globalen Problem aus.



Virusalarm in Mexiko: Auch in Deutschland sind Vorsichtsmaßnahmen angesagt, aber kein Grund zur Panik. Foto: dpa

Fast wie aus heiterem Himmel machte in den vergangenen Wochen recht plötzlich ein bis dato unbekanntes Virus von sich reden: Zunächst vereinzelte Krankheitsmeldungen, dann eine rasant steigende Zahl an Todesfällen in Mexiko – erste Erkrankungen in den USA, dann in Spanien und schließlich auch in Deutschland – zunehmend beherrscht die Schweinegrippe die Schlagzeilen.

Die Ursache: Das neue Influenza A-Virus H1N1, das sich von Mexiko ausgehend trotz aller zügig ergriffenen Vorsichtmaßnahmen – wie etwa auf Flügen von Mexiko aus in andere Nationen oder das Ausrufen des Gesundheitsnotstands im benachbarten Kalifornien – relativ rasch in die ganze Welt ausgebreitet hat.

Infektion nur bei engem Kontakt

Wie das Berliner Robert Koch-Institut mitteilt, ist die Symptomatik der Schweinegrippe ähnlich wie bei der saisonalen Influenza. Fieber, Kopfschmerzen, Beschwerden der oberen Atemwege wie Husten, Halsschmerzen und Schnupfen sind ebenso charakteristisch wie Muskel- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Erbrechen.

Wie die bekannten Influenzaviren, so wird auch das neue H1N1-Virus (H und N stehen für die beiden wichtigsten Proteine Hämaglutinin und Neuraminidase) per Tröpfcheninfektion übertragen und das offensichtlich auch von Mensch zu Mensch. Allerdings gehen Experten vom amerikanischen „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) davon aus, dass es nur bei engem Kontakt mit Infizierten zur Ansteckung kommt. So scheint das Virus nach dem Abhusten oder Niesen nur eine kurze Distanz überwinden zu können. Die Experten schätzen diese auf weniger als einen Meter, was die zwischenmenschliche Übertragung bei entsprechenden hygienischen Vorsichtsmaßnahmen erschwert.

Allerdings können die Viren offenbar Oberflächen kontaminieren und auch durch Berührung weiter übertragen werden. Nach Angaben des CDC sollten daher alle Atemwegssekrete und Körperflüssigkeiten von infizierten Personen als potenziell infektiös angesehen werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand können sich auch Menschen, die sich gegen die Influenza haben impfen lassen, mit dem Virus infizieren. Denn es handelt sich bei H1N1 laut CDC-Angaben um ein neues Virus, gegen das der saisonale Impfstoff nicht schützt.

Gegen das Virus wirksam hingegen sind die ganz allgemein bei der Behandlung der Influenza eingesetzten Neuraminidasehemmer, wobei zwei Substanzen, das Oseltamivir und das Zanamivir, derzeit verfügbar sind. Empfohlen wird der möglichst frühzeitige Einsatz der Neuraminidasehemmer. Denn von der saisonalen Grippe ist bekannt, dass die Wirkstoffe in den ersten 48 Stunden nach Symptombeginn die beste Wirksamkeit aufweisen.

Das Schweinegrippen-Virus gilt allgemein als etwas weniger gefährlich als die übliche saisonale Influenza, kann nach Einschätzung des CDC aber durchaus Exazerbationen chronischer Erkrankungen hervorrufen und zum Teil massive Atemwegserkrankungen bedingen. Besonders gefährdet sind damit wahrscheinlich die gleichen Personengruppen wie auch bei der herkömmlichen Grippe, also Senioren und Menschen mit chronischer Grunderkrankung, also etwa einer relevanten Herz- oder Nierenerkrankung. Auch Säuglinge und Kleinkinder sowie allgemein immungeschwächte Menschen können zum besonders gefährdeten Personenkreis gehören.

Kein Grund zur Panik

Trotz der raschen globalen Verbreitung besteht kein Grund zur Panik – wie offizielle Stellen, wie etwa das Robert Koch-Institut (www.rki.de), betonen. Es ist schon gar nicht davon auszugehen, dass die Schweinegrippe ähnlich wüten könnte wie seinerzeit die Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 – ebenfalls verursacht durch den Influenza-Subtyp A/H1N1 – weltweit mehr als 25 Millionen Todesfälle forderte. Das dürfte unter anderem früheren Gefahrensituationen, etwa der drohenden Verbreitung von SARS oder der befürchteten potenziellen Vogelgrippe-Epidemie, zu verdanken sein. Denn nicht zuletzt das damals gesehene Gefahrenpotenzial hat dazu geführt, dass in praktisch allen Ländern Pandemiepläne in den offiziellen Schubladen liegen, die im Fall des Falles greifen sollen und dann hoffentlich eine rasche Eindämmung der Infektion bewirken.

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224
50735 Köln



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