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16.02.03 / 00:01
Heft 04/2003 Editorial

Akzente



Nicht kurze Beine, aber eine lange Nase bekam Pinocchio wegen seiner Lügereien. Auch wenn für Menschen operative Auswege aus einem solchen Dilemma möglich sind: Für manchen Politiker bleibt zu hoffen, dass er sich – rein prophylaktisch – während der überparteilichen Suche nach wirklichen Gesundheitsreformen an bisherige Versprechen erinnert. Foto: dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir tragen sie – ob gewollt oder nicht – quasi „mitten im Gesicht“. Etymologisch gesehen ist sie ein „Vorgebirge“, oder besser: „Vorsprung“. Schon deshalb ist die Nase und ihre Gestalt nicht unwichtig für unsere Chancen im zwischenmenschlichen Miteinander. Das einzige „geflügelte“ Sinnesorgan des Menschen ist also mehr als nur ein Gegenstand medizinisch-biologischer Betrachtung. Die Nase ist nicht nur zum Atmen und Riechen da. Als „Anrainer“ durchaus noch im Fokus jeglichen Blickkontaktes, entscheidet ihre ästhetische Ausformung sicherlich mit über Sym- oder Antipathie.

Nasen gelten – jenseits ihrer funktionellen Aufgaben – im übertragenden Sinne der Sensorik als Symbole für ein gutes Gespür. Politikern, gerade auch denen aus der Opposition, wünschen wir deshalb dieser Tage nichts sehnlicher als den „richtigen Riecher“ für alle anstehenden Sozialreformen. Auch hoffen wir, dass sie wegen etwaiger falscher Versprechungen nicht in die Situation kommen, das schwere Schicksal der „beseelten“ italienischen Holzpuppe „Pinocchio“ teilen zu müssen.

Immer wieder stoßen wir in unserer fachjournalistischen Arbeit mit der Nase auf Ansätze, die eine nähere Befassung nahezu aufdrängen. Dass die zm ihr mit einem Beitrag zur chirurgischen Nasen-Korrektur nicht nur das Titelthema, sondern zusammen mit dem Bericht über Rhinosinusitis sogar einen Schwerpunkt gewidmet haben, liegt im doppelten Sinn des Wortes „nahe“: Der „Riecher“ sitzt in direkter Nachbarschaft des oralen Bereichs, die gegenseitigen Auswirkungen sind offensichtlich. Hier geht es um Know-how für den Oralmediziner.

Nicht selten ist die Nase aber auch Anlass zu Überlegungen für vor allem ästhetisch motivierte chirurgische Eingriffe. Im Zeitalter des Schönheitswahns, in dem „Teenies“ ihren Eltern bereits die kosmetische Operation auf den Wunschzettel setzen, stellt sich durchaus die Frage, wo die Motivations-Grenzen zwischen rein ästhetischem Anspruch und physischer oder psychischer Gesundheit gesetzt werden können.

Wohlgemerkt: Diese zm beschränkt sich auf die medizinischen Aspekte. Antworten auf die andere Art von Fragen müssen sicherlich im Rahmen des jeweiligen Zeitgeistes im gesellschaftlichen Konsens gefunden werden. Eine Forderung, die man im Sinne des Themas allenfalls unseren Politikern auf die Stelle binden kann, wo sie zwecks konsequenter Lösung eigentlich hingehört: auf die Nase.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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