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01.08.02 / 00:01
Heft 15/2002 Editorial

Akzente



Eine weitere Entgleisung der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion: ein „TÜV-geprüfter“ Zahnarzt. Foto: Corbis/zm

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Bundesregierung hat sich noch einmal das Personalkarussell gedreht. Mit Rudolf Scharping musste der Kanzler seine Bilanz abgetretener Minister, darunter in dieser Legislaturperiode auch das Gesundheits-Ressort, auf acht erhöhen. Den fast kontinuierlichen Neuanfang im Spitzenpersonalwesen von Rot-Grün vermisst der aufmerksame Beobachter um so mehr im politischen Programm der Regierung. Nachdem die Antworten der SPD zu den Wahlprüfsteinen der Bundeszahnärztekammer – als letzte der Reihe – inzwischen vorliegen, wird man bestärkt, dass sich so gut wie nichts ändert: Die SPD bleibt auf ihrem Kurs.

Denkflexibler zeigt sich dagegen die Opposition, wie Podiumsdiskussionen der Zahnärzteschaft zum Bundestagswahlkampf in München und im nordrhein-westfälischen Wattenscheid erneut erwiesen haben. Selbst Landtagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen haben – zumindest in Wahlkampfzeiten – Einsicht in längst überfällige Notwendigkeiten. Liegt dort tatsächlich eine Chance zu weniger Reglementierung und mehr Freiheiten?

Dass ein System auch ohne Zwang gut funktionieren kann, zeigt die zahnärztliche Fortbildung. Trotzdem streckt der Staat auch hier bereits begehrlich die Finger aus. „Ärzte-TÜV“, „Rezertifizierung der Facharztanerkennung“ oder „Pflichtfortbildung“ sind Schlagworte, die ohne jede Not durch die Landschaft politischer Diskussionen geistern. Die Zahnärzteschaft tritt dieser Gespensterei durch ein Modell zum freiwilligen Nachweis der Fortbildungsaktivitäten entgegen. Hier gibt es nichts zu verstecken, vielmehr zu reden, weil Gutes getan wird.

Weniger gut sind da schon die ökonomischen Belastungen, mit denen der Beruf des Zahnarztes verbunden ist. Während die Honorierung zahnärztlicher Leistungen weiterhin auf Talfahrt ist, steigen die Kosten: Auch im vergangenen Jahr sind die Investitionsvolumina zahnärztlicher Existenzgründer weiter gestiegen. Dass die Jahrzehnte eines geteilten Deutschlands sich auch heute noch in Zahlen ausdrücken, zeigt auch die aktuelle Investitionsanalyse. Im „Westen“ waren 65 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründungen Männer, im „Osten“ Frauen. Geschlechtsspezifisch denkenden Auguren stellt sich die Frage, wo sich dieses Verhältnis langfristig einpendeln wird.

Kein Bereich der zahnmedizinischen Versorgung hat in den letzten Jahren soviel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gefunden wie die Implantologie. Mit massiven Kampagnen wurden die Patienten direkt beworben – unter anderem auch mit der Information der Sofortbelastbarkeit von Implantaten. Eine Antwort darauf, ob die Sofortbelastungen wirklich sinnvoll, derartige pauschalierte Aussagen haltbar sind, findet sich in dieser Ausgabe.

Gentherapie, wohl immer noch ethisch umstrittenstes Experimentalgebiet der Medizin, ist für viele heute noch nicht heilbare Krankheiten die große Hoffnung. Das zm-Repetitorium gibt einen Überblick über den Stand von Forschung und Entwicklung.

Jedes Team ist nur so gut, wie die einzelnen Mitarbeiter. Dass das auch für die zahnärztliche Praxis gilt, zeigt unser Ressort Praxismanagement. Gutes Praxismarketing beginnt spätestens an der Rezeption. Und förderlich ist natürlich auch – wen wundert’s – das angebrachte Lob für den motivierten Mitarbeiter.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur



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