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16.02.12 / 12:50
Heft 04/2012 Rezension

Alternative Lachgas



F. G. Mathers: Dentale Sedierung. Lachgas und orale Sedativa in der Praxis. Deutscher Ärzteverlag. ISBN: 978-3-7691-3473-5 49,95 Euro

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt ein deutschsprachiges Buch zu dieser Thematik. Der deutsch-amerikanische Anästhesist F. G. Mathers, der in Köln das Institut für dentale Sedierung leitet und regelmäßig Kurse zu dieser Thematik abhält, hat es im Deutschen Zahnärzte Verlag publiziert. Als Koautoren fungieren eine Rechtsanwältin (rechtliche Grundlagen der Sedierung durch den Zahnarzt), ein weiterer Anästhesist (Notfälle) und ein zahnärztliches Praxisteam (Rolle der zahnmedizinischen Fachassistenten bei der dentalen Sedierung). Das Buch erinnert in seinem Schreibstil eher an ein Essay als einen wissenschaftlichen medizinischen Text, auch wenn durch die zitierte Literatur dieser Anspruch wohl erhoben werden soll. Gut beschriftete Abbildungen, Tabellen sowie Aufzählungen würden Verständnis, Lesbarkeit und das gezielte Auffinden spezieller Informationen erleichtern.

Die persönlichen Tipps und Tricks zeugen von der umfangreichen klinischen anästhesiologischen Erfahrung des Autors, lassen jedoch jede wissenschaftliche Evidenz vermissen. Beispielhaft soll hier die Empfehlung, den Benzodiazepinantagonisten Flumazenil bei einer zu tiefen Sedierung beidseits des Zungenbändchens submukös zu injizieren, zitiert werden. Hierdurch kann sogar der Patient zusätzlich gefährdet werden. Die Darstellung, dass bei erwachsenen Patienten die orale Sedierung mit Benzodiazepinen sicherer und vorteilhafter im Vergleich zu einer gut titrierten intravenösen Sedierung sei, insbesondere mit Midazolam ist nicht nachvollziehbar. Dies trifft nur für Kinder zu, da hier die Venenpunktion zum einen schwierig und zum anderen traumatisierend sein kann.

Leider bleibt der Autor in weiten Abschnitten des Buches oberflächlich und geht nicht konkret auf die deutschen Gegebenheiten ein. So fehlen zum Beispiel die Hinweise auf die Entschließungen zur Analgosedierung für diagnostische und therapeutische Eingriffe bei Kindern beziehungsweise Erwachsenen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) sowie die S3-Leitlinie zur Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie. Aber auch die aktuellen Empfehlungen zur Reanimation (2010) sind nicht erwähnt.

Fazit: Das Buch ist nett zu lesen, die Inhalte können aber nicht unmittelbar umgesetzt werden und in keinem Fall ersetzt es eine grundlegende theoretisch-praktische Ausbildung in Sedierungsverfahren und Notfallmaßnahmen.

Monika Daubländer



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