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16.05.12 / 12:50
Heft 10/2012 Titel
Fortbildungsteil 1/2012

AlterszahnMedizin im Fokus

Wer heute das Licht der Welt erblickt, kann – wenn alles gut geht – in einhundert Jahren seinen großen Geburtstag feiern. Und das sicherlich in noch nicht einmal sehr schlechter körperlicher Verfassung. Denn Medizin und Umwelt haben es heute möglich gemacht, die Lebenserwartung eines Menschen erheblich steigen zu lassen. Mit von der Partie ist die Zahnmedizin, die heute Möglichkeiten eröffnet, auch dem betagten Senior in Funktion und Ästhetik sein strahlendes Lächeln weiterhin zu belassen. Nur einige Dinge sind dabei zu bedenken, die hier in fünf großen Beiträgen „zusammengetragen“ wurden, damit auch der hochbetagte Patient zahnmedizinisch altersgerecht und zu seiner Zufriedenheit versorgt wird.



Bildquelle: Yvonne Prancl – Fotolia.com

Senioren benötigen neben der konventionellen zahnärztlichen Kontrolle und individuellen Prophylaxemaßnahmen aufwendigere zahnärztliche Behandlungsschritte, die einer Schmerzausschaltung bedürfen. Die physiologischen und pharmakokinetischen Veränderungen durch den Alterungsprozess des Menschen wirken sich in der Regel nicht klinisch relevant auf Wirkweise, Verteilung und Metabolisierung der verwendeten Lokalanästhetika aus. Denn die Dosierung der Medikamente ist in der Regel niedrig und es wird nur lokal appliziert. Trotzdem gilt die Regel, dass Senioren generell geringere Wirkstoffmengen erhalten sollten, wie Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer, Mainz, darlegt.

Lassen die manuellen, die taktilen und die visuellen Fähigkeiten eines Menschen nach, ist auch seine allgemeine Organisationsfähigkeit reduziert. Das bedeutet, dass er seinen Zahnersatz nicht mehr in der Weise einsetzen oder pflegen kann, wie zu dem Zeitpunkt, als er eingegliedert wurde. Bei der Planung einer prothetischen Versorgung ist dies immer zu berücksichtigen. Prof. Dr. Reiner Biffar, Greifswald, diskutiert diverse Prothesensysteme, ihre Hygienefähigkeit und in diesem Zusammenhang die entsprechende Adaptationsfähigkeit von Senioren.

Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger, Graz, gibt in ihrem Beitrag eine Zusammenfassung verschiedener Alterungstheorien und der sekundären Veränderungen, die im Zuge des Alterns in den einzelnen Organsystemen ablaufen. Diese sind oftmals für verlangsamte sowie veränderte pharmakologische Prozesse verantwortlich, die während und infolge einer Zahnbehandlung erfolgen. Sie fordert eine optimierte Betreuung multimorbider Patienten mit einem holistischen Management aller ihrer chronischen Erkrankungen in unmittelbarer Zusammenarbeit mit dem Hausarzt.

Die physiologischen Veränderungen des Alterns betreffen neben steten Reduktionsprozessen der einzelnen Organe sowie kognitiven und Mobilitätseinbußen auch den oralen Bereich. Knochendestruktionen, Schleimhautveränderungen und vieles mehr tragen dazu bei, dass Senioren einer anderen dentalen Observation bedürfen. Daher fordern die Mediziner und Geriatriker Dr. Dag Schütz und Prof. Dr. Ingo Füsgen, Velbert, ein regelmäßiges dentales Screening, damit die häufigsten und wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle – wie schlecht sitzende Prothesen, fehlende Zähne, Xerostomie, Parodontopathien und Gingivitis, Zahnhalskaries, Weichteil-Läsionen, Abszesse oder gar Ulzera – mit großer Zuverlässigkeit entdeckt werden.

Der Speichel als Schutzmedium für die Zähne ist besonders im hohen Alter, wenn das Zahnfleisch den einen oder anderen Zahnhals freigegeben hat, von hoher Relevanz. Gesunde Senioren verfügen auch in späteren Jahren über eine Speichelsekretion, die mengenmäßig wie qualitativ ausreicht und eine remineralisationsfähige Flüssigkeit produziert. Kommen aber Medikamente oder systemische Erkrankungen ins Spiel, sind Menge und Qualität der sezernierten Flüssigkeit unter Umständen pathologisch verändert, wie Prof. Dr. Joachim Klimek, Gießen, in seinen Ausführungen erläutert. Er geht auf verschiedene Ursachen und Therapieformen der Alters-Xerostomie ein.



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