Frank Peter Strietzel*, Jochen Jackowski* (*geteilte Erstautorenschaft) et al.
16.06.17 / 00:02
Heft 12/2017 Zahnmedizin
S2k-Leitlinie zu oropharyngealen Aphthen und aphthoiden Läsionen

Aphthen – Update zu Diagnostik und Therapie

Habituelle Aphthen gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut – aktuell ist dazu eine S2k-Leitlinie erschienen. Die wesentlichen Fakten zur Diagnostik und Therapie haben die Autoren der Leitlinie in diesem Artikel zusammengefasst. Wichtig ist, dass eine Aphthe immer auch Ausdruck einer Systemerkrankung sein kann.




Aphthen treten als schmerzhafte Ulzerationen auf, die innerhalb von Wochen bis Monaten und Jahren rezidivieren [Kramer et al., 1980]. Sie können in der Mundhöhle, im Rachenraum, aber auch an anderen Stellen auftreten. Synonym werden sie in der Literatur auch als habituelle Aphthen, chronisch rezidivierende Aphthen, rezidivierende benigne Aphthosis, in der englischsprachigen Literatur als recurrent aphthous ulceration, recurrent oral ulceration, canker sore, aphthous ulcerations, recurrent aphthous stomatitis und aphtha bezeichnet.

Die Häufigkeit des Auftretens rezidivierender Aphthen liegt zwischen 5 und 60 Prozent [Majorana et al., 2010; Hornstein, 1998; Jurge et al., 2006]. Sie treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern [Chattopadhyay et al., 2007], beginnen meist im zweiten oder im dritten Lebensjahrzent und kommen seltener bei alten Menschen vor [Reichart, 2000].


Übersicht 1: Morphologie und Klinik zur Unterscheidung aphthöser und anderer ulzeröser Läsionen
aphthöse Läsion andere ulzeröse Läsionen
meist oberflächliche entzündliche Erosion mit Fibrinbelag (Mikulicz).
selten tiefer reichende Ulcera (Sutton)
exkavierter Gewebsdefekt. in der Regel echtes Ulcus. heterogene
Ursachen
rasche Entstehung Entstehung unterschiedlich rasch
plan oder gering erhaben Form und Tiefe sehr variabel
geröteter Hof in Umgebung variable Ulkusränder
Dolenz: spontan und taktil Dolenz variabel
lokale Blutungsneigung gering lokale Blutungsneigung erhöht
Foetor ex ore negativ (außer M. Behçet. Synonym für M. Adamantiades-Behçet) Foetor ex ore häufig
regionale Lymphknoten meist
ohne pathologischen Befund
Lymphknoten häufig vergrößert und druckdolent (je nach Ursache)
sehr hohe Rezidivneigung Rezidive abhängig von Ursache
Quelle: in Anlehnung an Scully et al.. 2008

Sie gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Zudem besteht bei 30 bis 40 Prozent der Patienten eine familiäre Häufung rezidivierender Aphthen [Shohat-Zabarski et al., 1992]. Bei Kindern und Jugendlichen repräsentieren Aphthen die häufigste Läsion der Mundschleimhaut [Kleinman et al., 1994]. Die Ätiologie oropharyngealer Aphthen ist nach wie vor ungeklärt. Daher besteht weiterer Forschungsbedarf.

Als Differenzialdiagnosen zu Aphthen sind Malignome und deren Vorstufen, andere Stomatopathien, reaktive Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, gastrointestinale Syndrome, mukokutane Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bullöse und lichenoide Dermatosen und Infektionskrankheiten zu berücksichtigen.



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