spk
16.08.11 / 00:08
Heft 16/2011 Zahnmedizin
Prophylaxe

Approximale Kariesinfiltration contra Fluoridlackapplikation

Die Progression approximaler Milchzahnläsionen scheint durch die Infiltration in Kombination mit der Applikation von Fluoridlack wirkungsvoller als allein durch die Fluoridapplikation gehemmt zu warden.




Die Karies an den Approximalflächen der Milchmolaren ist ein Problem in vielen Industriestaaten. Um in diesen Fällen ein invasives Vorgehen zu vermeiden, wurde die Kariesinfiltration entwickelt, bei der ein niedrigvisköser, lichthärtender Kunststoff die erodierte pseudointakte Oberflächenschicht durchdringt und innerhalb der demineralisierten Zahnhartsubstanz eine Diffusionsbarriere schafft. Der in der vorliegenden Studie dem Vergleich dienende Fluoridlack Duraphat stellt in Kombination mit einer optimalen Mundhygiene das Mittel der Wahl zur präventiven Behandlung initialer Läsionen dar.

Das Ziel dieser randomisierten, doppelt-verblindeten, im Split-Mouth-Design durchgeführten Studie war herauszufinden, ob die Kunststoffinfiltration in Kombination mit der Applikation eines Fluoridlacks die Kariesprogression bei Kindern innerhalb eines Jahres wirkungsvoller hemmt als die Fluoridlackapplikation allein. Dazu wurden 48 Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren in der Stadt Nuuk in Grönland rekrutiert. Voraussetzungen für die Teilnahme waren eine von den Eltern unterschriebene Einwilligung und das Vorhandensein von mindestens zwei Milch molaren mit einer im Approximalraum radiologisch erkennbaren Schmelz- oder beginnenden Dentinkaries. Nicht eingeschlossen wurden Probanden, bei denen sich die Karies mesial an den ersten Milchmolaren befand, da der Kontaktpunkt zum Eckzahn zu eng ist. Ebenso wurden Kinder, bei denen andere kariesbedingte Erkrankungen vorlagen, nicht eingeschlossen. Zu Beginn der Studie wurden bei jedem Kind Bissflügelaufnahmen beider Kieferhälften angefertigt. Um im weiteren Verlauf der Studie reproduzierbare Röntgenaufnahmen zu erhalten, wurde der Röntgentubus so ausgerichtet, dass der Zentralstrahl durch den Approximalraum zwischen dem ersten und dem zweiten Milchmolaren des Unterkiefers führte. Anschließend wurden die Untersuchungsbereiche hinsichtlich Plaque und Gingivitis untersucht. Anhand des def-s-Index wurde das Kariesrisiko ermittelt. Vor der Behandlung wurden die randomisiert ausgewählten Zahnflächen sorgfältig mit Zahnseide  gereinigt und die Karies von allen Seiten entsprechend den ICDASKriterien (null bis sieben) bewertet. Die ausgewählte Testläsion wurde mit Icon (DMG, Hamburg, Deutschland) infiltriert und anschließend mit Duraphat (2,26 Prozent Fluorid, Colgate, Hamburg, Deutschland) touchiert. Bei der Kontrollläsion wurde nur Duraphat aufgetragen.

Nach sechs Monaten fand eine klinische Untersuchung statt, bei der auf beide Läsionen Duraphat appliziert wurde. Nach einem Jahr wurden die Kinder von denselben Behandlern wie zu Beginn der Studie untersucht, Röntgenaufnahmen angefertigt und die Zähne erneut mit Duraphat behandelt. Das Durchschnittsalter der Kinder betrug 7,17 ± 0,68 und der Mittelwert des def-s-Index lag bei 8,1 ± 6,9. Von den 48 zum Zeitpunkt der Baseline angemeldeten Probanden beendeten nach einem Jahr 42 die klinischen und 39 die radiografischen Untersuchungen. Klinisch konnte nach einem Jahr festgestellt werden, dass von den 42 Test- und den 42 Kontrollläsionen 13 Test- (31 Prozent) und 28 Kontrollläsionen (67 Prozent) eine Progression zeigten. Radiografisch konnte bei 23 Prozent der Testläsionen und bei 62 Prozent der Kontrollläsionen nach einem Jahr eine Progression festgestellt werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass in dieser in vivo durchgeführten Studie die Kunststoffinfiltration in Kombination mit einer Fluoridlackapplikation die Kariesprogression wirkungsvoller hemmt als die Fluoridlackapplikation allein. Jedoch ist die Aussagekraft der vorliegenden Studie limitiert, da nur Probanden mit einer offenbar hohen Kariesprogressionsrate in die Untersuchungen einbezogen wurden und der Beobachtungszeitraum mit nur einem Jahr relativ kurz gewählt wurde. Für eine weiterführende Aussage sind weitere Untersuchungen mit Probanden mit einer durchschnittlichen Kariesprogressionsrate über einen längeren Beobachtungszeitraum vonnöten.

Quelle:
Ekstrand KR, Bakhshandeh A,
Martignon S. Treatment of proximal
superficial caries lesions on
primary molar teeth with resin
infiltration and fluoride varnish
versus fluoride varnish only: efficacy
after 1 year. Caries Res 2010;
44(1):41-46. Epub 2010 Jan 15

ZÄ Ina Ulrich
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für Zahn-,
Mund- und Kieferheilkunde
Abt. für Zahnerhaltungskunde
und Parodontologie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
ina.ulrich@charite.de



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