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16.03.07 / 00:12
Heft 06/2007 Medizin
Orthopädie

Arthrose-Patienten oft unterversorgt

Arthrotische Beschwerden sind häufiger als gemeinhin angenommen. Die Patienten aber sind oft unterversorgt. Denn die Belastungen und die Schmerzen, die mit der Erkrankung einhergehen, werden nach dem Ergebnis der Herner Arthrose-Studie (HERAS) noch deutlich unterschätzt.



Die Arthrosepatientin ist unsicher beim Gehen und stets sturzgefährdet. Eine Schmerztherapie sowie körperliches Training wie hier können helfen. Foto: Dynamic Graphics

Sowohl die deutschen Ärzte wie auch die Patienten schätzen die Schmerzen und auch die Sturzgefahr, die mit der Arthrose verbunden sind, nicht richtig ein. Das ergab die HERAS-Studie, eine Querschnittsuntersuchung, bei der 8 000 Bürger im Umkreis von Herne befragt wurden. In der Studie gab jeder Dritte über 40-Jährige und sogar jeder zweite über 50-Jährige Gelenkbeschwerden an. Bei drei Viertel der Befragten waren die Knie- oder Hüftgelenke betroffen, und die Mehrzahl der Studienteilnehmer erklärte, in der Lebensführung massiv durch die Arthrose beeinträchtigt zu sein.

Konkret berichtete laut Studienleiter Dr. Ulrich Thiem, Herne, jeder dritte Patient, beim Treppensteigen sehr stark oder sogar extrem beeinträchtigt zu sein. Außerdem klagten 30 Prozent über eine starke Gelenksteifigkeit nach längerem Sitzen. Unter starken oder sogar extrem starken Schmerzen am Befragungstag litten nach Thiem 36 Prozent der Probanden.

Zwei Drittel von ihnen waren in den zurückliegenden zwölf Monaten wegen ihrer Beschwerden mindestens einmal beim Hausarzt oder Orthopäden vorstellig geworden. Der Arztbesuch erfolgte unabhängig von Alter und Begleiterkrankungen lediglich aufgrund der Intensität der Beschwerden und dem Maß der Behinderung im Alltag.

Auf Schmerzmittel wird oft verzichtet

Trotzdem nahmen nur 30 Prozent der Patient Schmerzmedikamente ein. „Das dürfte durch erhebliche Verunsicherung zu den Risiken und Gefahren einer medikamentösen Schmerztherapie begründet sein“, vermutet Professor Dr. Ludger Pientka, Herne.

Laut Thiem werden aber nicht nur die allgemeinen Beeinträchtigungen unterschätzt, auch die Sturzgefahr der Patienten wird nicht richtig wahrgenommen. Sie ist aber bei Knie- oder Hüftgelenksarthrose deutlich erhöht. Dies bestätigt auch die HERAS-Studie: So war jeder vierte Teilnehmer in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal gestürzt. Ursache dürfte nach den Worten des Mediziners die Einschränkung der Gelenkfunktion sein und auch die reduzierte körperliche Aktivität der Patienten.

Christine Vetter
Merkenicherstraße 224
50735 Köln



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