sg
16.04.14 / 00:04
Heft 08/2014 Praxis
Alterssicherung

Auch über die Versorgungskasse hinaus

Nach einem turbulentem Arbeitsleben den Lebensabend genießen – wer träumt nicht davon? Doch kaum ein wirtschaftlich wichtiges Thema wird auch bei Zahnärzten so bewusst verdrängt wie die eigene Finanzabsicherung im Alter. Dabei gibt es Möglichkeiten, sich vorzubereiten.




Erklärungsversuche wie „Das ist ja noch so weit weg“, „Darum kümmere ich mich später“ oder „Das macht doch die ZVK für mich“ sind menschlich zwar verständlich. Doch die Niedrigzinsphase macht auch vor den Versorgungskassen nicht Halt. Freiberufler wie etwa Zahnärzte sollten sich diesem zugegeben komplexen Thema daher kurzfristig stellen.

Wichtig ist die Bestandsaufnahme

Dabei sollte vor der Entwicklung einer persönlichen Anlagestrategie zunächst eine realistische Bestandsaufnahme erfolgen. Dazu gehören sämtliche bisher erworbenen Renten- und sonstigen Ansprüche zur späteren Altersabsicherung. Neben den wichtigen Informationen über die spätere Versorgung durch die ZVK sind auch eventuelle Ansprüche bei der gesetzlichen Rentenversicherung in einer solchen Übersicht unentbehrlich. Hier ist unter anderem erkennbar, wie aus heutiger Sicht die eigene spätere Rente (voraussichtlich) aussehen wird, wenn der bisherige Verdienst auch zukünftig gehalten werden kann.

Eigene Maßnahmen zur Vorsorge erforderlich

Das alles wird aber möglicherweise nicht ausreichen, um später den jetzigen finanziellen Lebensstandard halten zu können. Eigene Vorsorge ist also fast schon zwingend erforderlich.

Doch dies gleich vorab: Ein sprichwörtliches Patentrezept gibt es nicht, das individuelle Anlegerprofil ist entscheidend für die konkrete Auswahl. Dabei gilt ein eiserner Grundsatz: Da es sich in aller Regel um einen langfristigen Anlagehorizont handelt, sollten Zahnärzte in der Lage sein, auch langfristig zu denken und unvermeidliche Kursschwankungen der jeweiligen Anlageform konsequent hinzunehmen. Ein kontinuierlicher Vermögensaufbau ist nahezu unmöglich, wenn durch das Auf und Ab der Börsen permanent mit gelitten wird.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, die individuelle Anlagestrategie ein-, zweimal im Jahr auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Das ist sogar sinnvoll, hat aber mit regelmäßigen (Selbst-)Zweifeln nichts zu tun. Umso wichtiger ist es, bereits zu Beginn solcher Überlegungen eine gut vorbereitete und profunde Entscheidung zu treffen. Dies setzt wiederum voraus, dass der einzusetzende Betrag ebenfalls langfristig entbehrt werden kann. Zwar können während der Laufzeit meist immer wieder Anpassungen auch im Anlagebetrag vorgenommen werden. Diese verändern aber eben auch zwangsläufig das angestrebte Sparziel.

Konsequenzen aus niedrigen Zinsen

Während noch vor fünf, sechs Jahren bei langfristig erzielbaren Zinssätzen von sechs und mehr Prozent pro Jahr ein nahezu sorgenfreier Vermögensaufbau möglich war (soweit die Kreditwürdigkeit des Schuldners dies zuließ), müssen Zahnärzte heute „ins Risiko gehen“, wenn sie sich nicht mit mickrigen Zinssätzen von einem oder zwei Prozent zufriedengeben wollen. Nach den Erfahrungen von Experten sollten dazu drei Kategorien von Investmentfonds, die das Geld ihrer Anleger in eine Vielzahl unterschiedlicher Anlageformen investieren, in die nähere Auswahl kommen:

• Aktienfonds mit dem Schwerpunkt deutsche und/oder europäische Aktien

• Aktienfonds mit dem Schwerpunkt europäische und/oder weltweiten Aktien

• Mischfonds mit den Schwerpunkten Aktien (von deutsch bis weltweit) und sogenannten „Renten“, also festverzinslichen Wertpapieren erstklassiger Schuldner.

Die Qualifizierung „erstklassig“ sollte auch für sämtliche der vorgeschlagenen Aktienfonds gelten. Sogenannte „Nebenwerte“ würden den ja ohnehin bereits bestehenden Spekulationsgrad meist nur noch weiter erhöhen.

Kriterien für eine geeignete Auswahl

Aufbauend auf der erwähnten persönlichen Spekulationsbereitschaft und dem zur Verfügung stehenden regelmäßigen Anlage-betrag erfolgt nun eine Aufteilung auf eine, zwei oder drei dieser Anlagealternativen, die meist je nach Anbieter bereits für etwa fünfzig Euro pro Monat mithilfe von Sparplänen möglich sind. Hilfestellung bei der geeigneten Auswahl der jeweiligen Fonds kann zunächst einmal die Hausbank bieten. Hier muss aber vor allem mit Anlage- produkten gerechnet werden, die zum eigenen Bankenverbund gehören. Daher ist es hilfreich, wenn Zahnärzte vor allem im Internet beispielsweise auf den Homepages seriöser Direktbanken selbst recherchieren und diese Ergebnisse mit den Hausbankinformationen abgleichen.

Folgende Kriterien sind wichtig, um einen oder mehrere Fonds in die nähere Auswahl kommen zu lassen:

• Eine weitgehend positive Wertentwicklung der vergangenen mindestens zehn bis fünfzehn Jahre: Zwar lassen sich Gewinne der Vergangenheit nicht ohne weiteres in die Zukunft übertragen, immerhin bieten sie aber zumindest eine erste Orientierung.

• Möglichst geringe Gesamtkosten: Hier dürften Direktbanken meist Vorteile gegenüber herkömmlichen Bankinstituten besitzen.

•  Eine klar überdurchschnittliche Bewertung („Fondsnote“) des jeweiligen Investmentfonds im Vergleich zu ähnlichen Produkten anderer Finanzanbieter.



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