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01.02.08 / 00:12
Heft 03/2008 Praxis
Orientierung im Internet

Auf Nummer sicher

„URL existiert nicht mehr“ – Dokumente und ganze Websites verschwinden oft so schnell aus dem Netz, wie sie entstehen. Für Recherchen im Internet bedeutet das ein jähes Aus, für den User eine Menge Frust. Der Digital Object Identifier (DOI) sorgt dafür, dass Ausflüge ins www nicht in einer Sackgasse enden.




Digitales Publizieren wird für die Wissenschaft immer wichtiger. Damit Internetnutzer bequem auf Informationen zugreifen können, müssen die Daten problemlos zu finden sein. Auf der Suche nach einer Seite stoßen User jedoch häufig auf tote Links. Der Grund: Die zur Orientierung im Netz verwendeten Uniform Resource Locators (URLs) identifizieren nicht das gesuchte Dokument selbst, sie bezeichnen lediglich den Ort, an dem es zu finden ist. Wenn der Betreiber einer Webseite seinen Server umstrukturiert oder ganz stilllegt, verlieren die Adressen ihre Gültigkeit. Webinhalte mit DOI-Code hingegen sind unabhängig von ihrem Ablageort. Ziehen sie um, nehmen sie ihren DOI einfach mit – und bleiben dauerhaft lokalisierbar.

Transparenz und Schutz

Das DOI-System ist noch relativ jung. Die Association of American Publishers gab 1996 den Anstoß zur Entwicklung einer Methode, mit der sich digital publiziertes geistiges Eigentum weltweit erfassen lässt. Die Verleger wollten damit nicht nur für mehr Transparenz sorgen, ihnen ging es auch um den Schutz der Urheberrechte bei Online-Veröffentlichungen. Im Jahr 1998 nahm die International DOI Foundation (IDF) diese Aufgabe in Angriff. Bis 2007 wurden ihrer Angabe zufolge 30 Millionen Dokumente registriert.

Und so funktioniert das System: Von der IDF autorisierte DOI-Agenturen weisen Content-Anbietern, zum Beispiel Verlagen, individuelle Kennziffern, so genannte Präfixe, zu. Für den deutschsprachigen Raum ist der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (MVB) in Frankfurt dafür zuständig. Jeder DOI beginnt mit der Zahl 10 gefolgt vom Präfix und einer Objektnummer (Suffix), die der Anbieter selbst festlegt. Die Zeichenfolge für das Suffix ist frei definierbar und kann sehr unterschiedlich aussehen. Der DOI eines Artikels im renommierten englischen Wissenschaftsmagazin Nature lautet demnach 10.1038/nature06499, während er beim US-Konkurrenten Science so aufgebaut ist: 10.1126/science.318. 5858.1854.

Genaue Infos

Neben Texten lassen sich per DOI auch Audio- oder Videodateien kennzeichnen. Im Gegensatz zur ISBN im Buchhandel, die nur für eine gesamte Publikation gilt, sind dabei viel detailliertere Angaben möglich. Anbieter können beispeilsweise einzelne Buchkapitel, Tabellen oder Bilder mit einem eigenen Code versehen und sie so im digitalen Netzwerk schneller identifizierbar machen.

Ein weiterer Vorteil: Wer seine Produkte bei einer DOI-Agentur registriert, kann jede Meldung mit Metadaten ergänzen. Dazu gehören bibliografische Angaben zu Autor oder Erscheinungsjahr sowie Infos zur Verfügbarkeit des Titels und in welcher Ausgabeform – ob als Buch oder DVD – er erhältlich ist.

Auf DOI-Safari zu gehen, ist ganz einfach. User können dafür Suchmasken verwenden, die eine direkte Verlinkung zwischen Kennziffer und Publikation herstellen. Ein deutscher Anbieter ist die Multilinguale Europäische DOI Registrationsagentur für die Bundesrepublik Deutschland (mEDRA), die mit der MVB zusammenarbeitet. Einfach oben rechts auf der Seite www.medra.org den DOI eingeben. Die Weiterleitung auf die gewünschte Webseite folgt automatisch.

Susanne Theisen
Freie Journalistin in Köln
SusanneTheisen@gmx.net



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