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16.08.02 / 00:13
Heft 16/2002 Politik
500 Jahre Universität Halle-Wittemberg

Aus der Tradition in die Zukunft

In diesem Jahr begeht die Martin-Luther-Universität Halle-Wittemberg (MLU) ihr 500-jähriges Bestehen. Mit einem feierlichen Festakt und einer Jubiläumstagung feierten die Zahnmediziner dieses Ereignis. Besonderer Glanzpunkt dabei: Gleich zwei Minister waren anwesend, und zur Tagung selbst kamen mehr als 400 Gäste nach Halle.




Die Tradition ist altehrwürdig: 1502 wurde die Universität in Wittemberg eröffnet, 1694 die Universität in Halle. 1817 erfolgte die Zusammenlegung beider Universitäten. Die Zahnklinik in Halle ist die älteste Universitätszahnklinik in Deutschland. 1883 erfolgte unter Initiative von Prof. Dr. Ludwig Heinrich Hollaender das erste Programm für ein zahnärztliches Studium. Grund genug für die Universitätszahnklink, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität und der DGZMK eine Jubiläumstagung zum Thema „Moderne Therapiestrategien im Lückengebiss“ zu veranstalten (die zm werden im nächsten Heft berichten), die von den Zahnärzten in Sachsen-Anhalt außerordentlich gut besucht war.  

Heute präsentiert sich die Zahnklinik als Bildungsstätte der Zukunft. Das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde habe landesweite Bedeutung für die Krankenversorgung, betonte der Gesundheitsminister des Landes Sachsen-Anhalt, Gerry Kley, in seiner Begrüßung zum Festakt, der in feierlichem Rahmen stattfand. Sie sei als Teil des Universitätsklinikums der Medizinischen Fakultät auch Klinik der Maximalversorgung. Als einzige Zahnklinik in Sachsen-Anhalt führe sie auch spezialisierte Sprechstunden für alle komplexen Krankheitsbilder der Zahnmedizin durch. Aus sozialmedizinischer Sicht besonders relevant sei 1961 die Einrichtung der Professur für Kinderzahnheilkunde, die sich Jahrzehnte später hinsichtlich einer präventionsorientierten Zahnheilkunde als zukunftsweisend gezeigt habe. Kley hob den Verbund der Klinik mit der Zahnärztekammer hervor, der die zahnmedizinische Versorgung im Land auf einem so hohen und guten Versorgungsniveau maßgeblich unterstütze. 

Prof. Dr. Hans-Günter Schaller, wissenschaftlicher Leiter der Tagung und Vorsitzender der Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde an der MLU, schloss sich dem an und hob das gute Verhältnis zwischen der Zahnklinik und der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt unter der Führung von Kammerpräsident Dr. Frank Dreihaupt hervor. Er bewirkte es, dass elf renommierte Wissenschaftler aus dem ganzen Bundesgebiet in Halle über ihre Forschungsarbeit referierten und über ihre klinischen Erfahrungen berichteten. „Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln“, zitierte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, mit rhetorisch geschickten Worten den englischen Philosophen Herbert Spencer. „Wir fühlen uns in dieser Kontinuität, wenn wir heute mit der umfassenden Neubeschreibung der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde unter präventionsorientiertem Ansatz aktuell von der in den letzten Jahren eher überbetonten mechanisch-technischen Sicht wieder hinbeziehungsweise zurückführen auf das eigentlich Medizinische unseres Berufes.“ Weitkamp betonte die dringende Notwendigkeit der Novellierung der Approbationsordnung. Er unterstrich den engagierten Beitrag der Zahnärzteschaft zum gesellschaftlichen Allgemeinwohl, aus dem sich auch berechtigte Forderungen für den Berufstand ableiten dürften. Er forderte, dem eigentlichen Arzttum und der Patientensouveränität wieder Platz zu schaffen und dem Modellprojekt Zahnheilkunde im Gesundheitswesen eine Chance zu geben.

Von Zahnärzten und Lehrern

Einen krönenden Abschluss des Festaktes verlieh der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, mit seinem Vortrag. Sein Thema „Warum jeder Zahnarzt einen Lehrer erkennt, kein Lehrer aber einen Zahnarzt“, klang nicht nur viel versprechend, er war es auch. Olbertz, selbst Erziehungswissenschaftler, verdeutlichte anhand alltäglicher Beispiele den Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Fachkultur und Habitus. Durch Kommunikationsformen und Beziehungsstrukturen, durch Traditionen und Gewohnheiten entstehen typische Muster, anhand derer sich die Angehörigen von Fachdisziplinen untereinander erkennen, aber auch abgrenzen. So beschrieb er den Lehrer als typischerweise „extrovertiert“, den Zahnarzt eher als „introvertierten“ Typus. Die Zuhörerschaft dürfte nach diesem Vortrag sicherlich noch länger zu intensiven Gedanken über die Schärfung der Wahrnehmung von einzelnen Disziplinen angeregt worden sein.

 



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