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16.04.02 / 00:09
Heft 08/2002 Medizin
Refluxösophagitis

Barrett-Ösophagus muss nicht behandelt werden

Nicht selten entwickelt sich auf dem Boden einer Refluxösophagitis ein Barrett-Ösophagus, also ein Zylinderepithel mit erhöhtem Risiko für ein Adenokarzinom der Speiseröhre. Patienten, bei denen ein solcher Befund erhoben wird, brauchen allerdings keine besondere Therapie, sofern sie beschwerdefrei sind, also nicht unter Refluxsymptomen leiden.



Foto: PhotoDisc

Von einem Barrett-Ösophagus sprechen die Mediziner laut Professor Dr. Arnold aus Marburg, wenn bei Patienten mit Refluxkrankheit im unteren Teil der Speiseröhre ein Zylinderepithel mit spezialisierter intestinaler Metaplasie (SIM) diagnostiziert wird, wenn das Zylinderepithel also so genannte Becherzellen enthält. Bei einem solchen Befund muss von einem um das 30- bis sogar 125fach erhöhten Risiko für ein Ösophaguskarzinom ausgegangen werden. Während man aber früher annahm, dass Patienten mit einem Barrett-Ösophagus langfristig mit Wirkstoffen, die die Säurebildung unterdrücken, behandelt werden müssen, damit es nicht zur Entwicklung eines bösartigen Tumors kommt, sprach sich Arnold beim Lüneburger gastroenterologischen Seminar gegen eine dauerhafte Medikamenteneinnahme aus. Denn die Gefahr der Karzinomentstehung kann dadurch nicht beeinflusst werden, erklärte der Mediziner. Wenn der Patient beschwerdefrei ist, gibt es nach seinen Worten somit keine Indikation für die Einnahme eines Protonenpumpenhemmers.

Diese Bewertung ist nach Arnold unabhängig von der Ausdehnung des Befundes, doch werden heutzutage drei Krankheitsformen unterschieden. Es ist dies der so genannte

• Long-Segment Barrett, eine bereits endoskopisch sichtbare Metaplasie von mehr als drei Zentimetern Breite zwischen dem ösophago-gastralen Übergang und dem Plattenepithel. Davon abgegrenzt wird der

• Short-Segment Barrett mit einem Zylinderepithel unter drei Zentimetern und der

• Ultra-Short Barrett, auch mikroskopischer Barrett genannt, bei dem es sich um eine intestinale Metaplasie in einer Kardia-Schleimhaut handelt, weshalb die Veränderung nach Arnold besser als Kardiaditis bezeichnet wird.

Symptom-orientiert

Ein Barrett-Ösophagus lässt sich nach Arnold bei etwa 15 Prozent der Patienten mit einer Refluxkrankheit nachweisen. Üblicherweise ist die Veränderung schon bei der ersten endoskopischen Untersuchung erkennbar, was nahe legt, dass sich der BarrettÖsophagus schon sehr rasch zu Beginn einer Refluxkrankheit ausbildet. „Er folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, seine Entwicklung ist endoskopisch nicht zu verfolgen“, berichtete der Mediziner in Lüneburg.

Das aber ist nach seinen Worten bedeutsam für die Therapie. Diese beeinflusst nämlich offenbar weder die Entstehung noch die Ausprägung der Veränderungen oder die Progression zum Adenokarzinom. Ob der Patient langfristig mit einem Protonenpumpenhemmer behandelt wird oder nicht, ist nach Arnold deshalb vom Nachweis von Zylinderepithel völlig unabhängig. Es richtet sich allein danach, ob der Patient unter Symptomen der Refluxkrankheit leidet oder nicht.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln



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