sg
01.05.13 / 12:00
Heft 09/2013 Praxis
Finanzanlagen

Begrenzte Sicherheit

Der Schock, den die Zypern-Krise ausgelöst hat, sitzt tief. Auch deutsche Sparer fürchten um ihr Kapital, angelegt in Tages- und Festgeld. Zwar beruhigen Banken und Politik die Bürger. Doch laut dem Umfragebarometer von ARD-Deutschlandtrend macht sich fast die Hälfte der Bankkunden Sorgen um die Sicherheit ihrer Guthaben. Dabei können sie selbst mithelfen, nachts etwas ruhiger schlafen zu können.




Das kleine Zypern hat die beinahe schon für erledigt gehaltene Eurokrise wieder zum Leben erweckt. Sparer, die ihr Kapital in Zinsanlagen zusammengetragen haben, kämpfen mit den Folgen. Die meisten von ihnen sind dabei, das Vertrauen in die Sicherheit ihrer Konten zu verlieren. Schuld daran ist die mehr als ungeschickte Vor- gehensweise der Politiker und der Verantwortlichen der Europäischen Zentralbank. Beispiel: Der holländische Finanzminister und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat die Sonderabgabe, die die Zyprer für die Sanierung ihrer maroden Banken bezahlen müssen, als Blaupause für zukünftige Banksanierungen ins Spiel gebracht.

So sieht es auch Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Er führt an, dass „das europäische Bankensystem auf einem Schuldenberg von weit über 30 Billionen Euro sitzt, dem lediglich ein Eigenkapital (der Banken) von etwa 1,5 Billionen Euro gegenübersteht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.“ Mit anderen Worten: Geraten weitere europäische Banken in Not, müssen neue Quellen für die Unterstützung gefunden werden. Den vehementen Beteuerungen der europäischen Politiker schenkt Halver keinen Glauben: „Trotz vieler reflexartiger Dementis auch von Dijsselbloems Amtsvorgänger Juncker – das ist der, der meinte, wenn es politisch ernst wird, müsse man lügen – und der tatsächlich hohen Unwahrscheinlichkeit, dass eine Sparerenteignung auch bei uns praktiziert wird, ist die Saat des Misstrauens in vielen Sparerköpfen kräftig gedüngt worden. Man erinnere sich: In Euroland haben sich schon zu viele Versprechen der Politiker später als Versprecher herausgestellt.“

Kapitalmarktkenner Halver hält einen Zugriff auf die deutschen Sparkonten für unwahrscheinlich. Genauso sehen es auch die Verbraucherschützer. Merten Larisch, Spezialist für Altersvorsorge bei der Bayerischen Verbraucherzentrale in München meint: „Deutschland steht an der Spitze in Europa, was seine Steuerkraft angeht und ist wirtschaftlich sehr stark. Außerdem würde die Politik alles tun, bis die Kräfte erschöpft sind, um die Sparer zu retten.“ Erst im März ließ Angela Merkel ihre in 2008 gegebene Garantie bestätigen. Regierungssprecher Steffen Seibert: „Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt.“

EU-weiter Schutz für Sparer

Ist diese Garantie dem Inhalt nach eher als politisch guter Wille einzuordnen, so hat der Gesetzgeber europaweit harte Fakten geschaffen, um die Einlagen der Sparer zu schützen. In allen EU-Staaten sind Einlagen bis zu 100 000 Euro pro Anleger und Bank gesetzlich geschützt. Für Eheleute, die ein Gemeinschaftskonto führen, gilt ein Höchstbetrag von 200 000 Euro. Diese Sicherheit gilt für Guthaben auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten sowie für Sparbriefe. Hierzulande ist diese EU-Richtlinie im Einlagensicherungs- und im Anleger- entschädigungsgesetz verankert. Konkret heißt das: Alle deutschen Banken, egal ob Commerzbank oder IKB direkt, müssen Mitglied in der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken EdB sein. Sie garantiert in Deutschland die EU-weite Absicherung. Festgelegt ist auch, dass im Pleitefall das Sparguthaben innerhalb von sieben Tagen und spätestens nach 20 Tagen zurückgezahlt werden muss.

Die Bankenbereiche und ihre Sicherheitsvorkehrungen im Einzelnen:

• Privatbanken

Darüber hinaus gehören die meisten Privatbanken dem Bundesverband deutscher Banken an und sind auf diesem Weg Mitglied des Einlagensicherungsfonds. Zurzeit sichert dieser Fonds Kunden von Mitgliedsbanken bis zur Höhe von 30 Prozent des jeweiligen Eigenkapitals ab. Das bedeutet, dass Kunden der kleinsten Bank, die mindestens fünf Millionen Euro Eigenkapital aufweisen muss, bis zu 1,5 Millionen abgesichert sind. Zwar wird der Einlagensicherungsfonds die bei einer Pleite garantierten Höchstsätze von 2015 an bis 2025 nach und nach auf 8,75 Prozent des Eigenkapitals je Kunde senken. Bei der kleinsten Bank werden dann immer noch 440 000 Euro pro Kunde abgesichert sein.

• Auslandsbanken

Auslandsbanken, die – wie etwa die ING-DiBa – als selbstständige Töchter ihrer ausländischen Mütter in Deutschland arbeiten, gehören der gesetzlichen Einlagensicherung und darüber hinaus meistens auch dem Einlagensicherungsfonds an.

Bei anderen Instituten wie zum Beispiel der VTB-Bank ist die Lage komplizierter. Das in Deutschland agierende Institut gehört zur österreichischen VTB-Bank, die wiederum zum zweitgrößten russischen Bankkonzern gehört. Wer sein Tagesgeldkonto bei der VTB-Bank in Deutschland führt, ist über den österreichischen Zweig abgesichert.

Der Fonds speist sich aus den Mitglieds- beiträgen der Banken. Wie hoch deren Einlagen derzeit sind, ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass seit der Pleite der Her-statt-Bank 1976 bislang kein Anleger Geld verloren hat.

• Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken

Bei beiden Gruppen herrscht das Solidarprinzip. Gerät eine Volksbank oder eine Sparkasse in Schwierigkeiten, stehen die anderen für sie ein. Bislang ist noch kein Kunde zu Schaden gekommen. Gerät ein schwächeres Institut in Not, kommt es meistens zu einer Fusion.

• Bausparkassen

Kundeneinlagen auf Bausparverträgen sind bei allen Bausparkassen unbegrenzt geschützt. Guthaben, die auf Fest- und Tagesgeldkonten oder in Sparbriefen angelegt sind, sind beim Einlagensicherungsfonds der Bausparkassen inklusive Zinsen bis zu 250 000 Euro geschützt.

Schutzvorkehrungen sind keine Garantie

Allen Sicherungseinrichtungen zum Trotz: Eine 100-prozentige Garantie gibt es dennoch nicht. Kommt es zu einem Zusammenbruch des Finanzmarkts, funktionieren die Absicherungen nicht mehr. Für den Fall, dass es eine europäische Bank trifft, wollen die EU-Strategen vorsorgen.

Im Rahmen der Diskussion um eine europäische Bankenunion und eine gemeinsame Aufsicht geht es auch um die Sanierung von Banken. Ein Vorschlag, der in die Richtung von Dijsselbloems Äußerung geht, machte vor Kurzem der EU Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier. Er regte an, Großanleger systematisch für die Sanierung von Banken mit zur Verantwortung zu ziehen.

Damit sind vor allem Versicherungen und Pensionsfonds gemeint. Gesetzlich geschützt sollen die 100 000 Euro auf Sparkonten bleiben. Der Bundesverband deutscher Banken weist darauf hin, dass der deutsche Gesetzgeber eine Beteiligung von Einlegern zur Bankenrestrukturierung ausgeschlossen hat. Eine Vermögensabgabe auf Einlagen wäre allerdings rein theoretisch immer noch denkbar. Doch dass die Sparer sozusagen eine Zwangsabgabe leisten müssen, dami rechnet niemand. Auch Kanzlerin Angela Merkel lehnt eine Beteiligung der Sparer an der Rettung von Banken ab. Eine europäische Einlagensicherung steht zurzeit noch in den Sternen, weil die Unterschiede in den Systemen der einzelnen Mitglieds-länder zu groß sind. Sparkassen und der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken BVR lehnen Vorstöße der EU in diese Richtung grundsätzlich ab.

So warnt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Georg Fahrenschon, vor einer einheitlichen europäischen Einlagensicherung: „Hätten wir einen einheitlichen Topf, wären unter Umständen auch die zur Absicherung deutscher Spareinlagen bestimmten Sicherungsmittel herangezogen worden.“ Er hält es für richtig, „ein euro- päisches Mindestschutzniveau für Einlagen festzulegen, die Umsetzung aber auf nationaler Ebene zu gewährleisten und damit Ansteckungseffekte in anderen Ländern auszuschließen“. Auch der Bankenverband rechnet nicht mit einer schnellen Einigung über die Einlagensicherung in der EU. Für die Sparer bedeutet der Stand der Dinge, dass 100 000 Euro (200 000 Euro bei Gemeinschaftskonten) je Bank sicher sind. Anlageexperten wie Dr. Joachim Tiffe, geschäftsführender Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg, raten: „Die Anleger sollten sich das Land und die Bank anschauen, wenn sie Anlegeentscheidungen treffen. Darüber hinaus sollte es selbstverständlich sein, das Kapital auf verschiedene Anlageformen zu verteilen.“

Kapital über verschiedene Anlageformen streuen

Verbraucherschützer Merten Larisch empfiehlt zum Bespiel Sparbriefe mit verschie-denen Laufzeiten, damit der Sparer besser auf eventuelle Zinsveränderungen reagieren kann. Denn die dauerhaft niedrigen Zinsen reduzieren zurzeit tatsächlich die Vermögen der deutschen Sparer.

So zahlen Direktbanken wie die comdirect oder die ING-DiBa nur noch weniger als ein Prozent für Tagesgeld. Die Inflationsrate für den Euro-Raum aber lag im März bei 1,7 Prozent. Deshalb sollten Anleger neben Festgeld und Sparbriefen auch in nicht einlagengesicherte Anlagen investieren. Dazu gehören vor allem Aktien und Anleihen von seriösen Emittenten. Kapitalmarkt- analyst Halver: „Ernähren Sie sich anlagestrategisch ausgewogener, nehmen Sie Aktien zu sich.“

Um diesen gut gemeinten Rat zu beherzigen, benötigen Investoren genügend Zeit, um auch eine Talfahrt der Börse durchzu-stehen. Dabei sollte sich der Blick auch auf Papiere aus den USA und den Schwellen-ländern richten. Die US-Wirtschaft gewinnt an Stärke und in Ländern wie Brasilien oder Indien zieht die Konjunktur an. Davon profitiert auch die deutsche Industrie, die die dortigen Unternehmen mit Technik und Know-how ausstattet.

Interessant sind nach wie vor Anteilsscheine von Firmen, die reichlich Dividenden ausschütten. Bei einem möglichen Schuldenschnitt können die Kurse der Aktien fallen, der Sachwert aber bleibt erhalten und die Kurse können sich wieder erholen.

Marlene Endruweit
Fachjournalistin für Wirtschaft
m.endruweit@netcologne.de



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