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16.12.12 / 12:30
Heft 24/2012 Politik
ZFA-Statistik 2012

Beliebter Beruf mit Perspektiven

Bis zum 30. September 2012 wurden über 42700 Ausbildungsverträge in Arzt- und Zahnarztpraxen, Kanzleien, Apotheken und Büros der Freien Berufe – dem drittgrößten Ausbildungsbereich – abgeschlossen. Allein die Zahnärztekammern meldeten zum Stichtag 30. September 12330 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA). Das bedeutet ein Plus von vier Prozent im gesamten Bundesgebiet gegenüber dem Vorjahr.



Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse für ZFA ist gestiegen – nach wie vor finden viele junge Frauen den Beruf attraktiv. Foto: Dominik Pietsch

Damit konnte das Niveau der Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für ZFA im sechsten Jahr in Folge auch im Jahr 2012 gehalten werden.

Aber in Zeiten des demografischen Wandels wird deutlich: In vielen Regionen gibt es weniger Schulabgänger und viele andere Firmen stehen mit den Zahnarztpraxen in Konkurrenz um potenzielle Azubis. Im Rahmen der jährlichen Koordinierungs- konferenz am 17. Oktober in Berlin stellten die Referenten der Kammern, die zuständig für die ZFA-Aus- und -Fortbildung sind, fest, dass der Fachkräftemangel zwar ein Problem der Zukunft, aber bereits heute spürbar sei. So habe sich das Verhältnis interessierter Bewerberinnen und Bewerber auf einen Ausbildungsplatz innerhalb der letzten Jahre vom Lehrstellenmangel zum Bewerbermangel verkehrt. Die Folge: Ausbildungsplätze blieben vakant, Berufs-schulklassen würden zusammengelegt oder gleich ganz geschlossen.

Dem Fachkräftemangel vorbeugen

Die Auswahlmöglichkeit für die Praxen verringert sich, sodass immer häufiger auch Jugendliche eingestellt werden müssen, die zusätzlicher Unterstützung bedürfen, um eine Ausbildung erfolgreich zu Ende zu führen. Da sich das Ausbildungshemmnis der mangelnden Ausbildungsreife nicht ad hoc beseitigen lässt, müssen andere Wege der Nachqualifizierung entwickelt und vorhandene stärker genutzt werden. Hierzu bieten sich zum Beispiel die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) der Arbeitsagenturen an, die noch immer viel zu selten in Anspruch genommen werden. Ferner kann das erfolgreiche Instrument der Einstiegsqualifizierung (EQ) stärker von den Praxen genutzt werden. Häufig stellt sich heraus, dass viele Jugendliche, die auf den ersten Blick das Bewerberprofil klar verfehlen, sich oftmals als hervorragende Auszubildende erweisen. Das belegt der sogenannte Klebeeffekt: Rund zwei Drittel der EQler werden anschließend in eine Ausbildung über- nommen. Um einem Fachkräftemangel in den Praxen vorzubeugen, müssen alle existierenden Angebote genutzt werden.

Verbundausbildung ist möglich

Über den Zeitraum der letzten 16 Jahre ist eine kontinuierliche Abnahme von Einzelpraxen bei gleichzeitiger Zunahme von Gemeinschaftspraxen zu beobachten. Hier gibt es Effizienzeffekte bei der Personal- planung, die sich auch auf die Einstellung von Auszubildenden auswirken Für Einzelpraxen, denen die Ausbildung als zu teuer erscheint, besteht die Möglichkeit der Verbundausbildung, dabei können sich mehrere Zahnärzte einen Azubi teilen, der dann in jeder der Praxen einen Teil seiner Ausbildung absolviert.

Diese und andere Instrumente zur Fach-kräftesicherung werden von den Kammern schon vor Ort propagiert, um jungen Menschen eine Ausbildungsmöglichkeit anzubieten. Das belegen eine Vielzahl von Aktivitäten zur Gewinnung neuer Ausbildungsbetriebe und zur Nachwuchswerbung: zum Beispiel Ausbildungsberaterprogramme anbieten, das Berufsbild ZFA auf Jugend-, Berufsmessen und Ausbildungsbörsen präsentieren, Informationsmaterial an Arbeitsagenturen und Berufs- informationszentren verteilen, Schulen besuchen und Informationsveranstaltungen zur Berufsfindung durch die Referenten für zahnmedizinische Mitarbeiterinnen durchführen, Flyer, Filme und Poster heraus- geben, zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in regionalen Zahnärzteblättern werben. Der neue Tarifabschluss – mit Empfehlungscharakter – soll über attraktive Ausbildungsvergütungen ebenfalls zur Fachkräftesicherung beitragen.

Arbeitslosenzahlen weniger stark gesunken

Laut Arbeitsmarktbericht, den die Bundesagentur für Arbeit (BA) Ende September traditionell vorlegt, sind die Arbeitslosenzahlen in Deutschland zwar weniger stark gesunken als dies sonst im Herbst üblich ist, der Arbeitsmarkt zeigt sich aber im Vergleich zu den Vorjahren immer noch relativ robust.

Dieser Trend macht sich auch auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar. In Industrie und Handel wurden bis Ende September 322 806 Ausbildungsverträge, das sind 5 700 (-1,7 Prozent) weniger als im Vorjahr, und im Handwerk 137 646 Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 4 145 (-2,9 Prozent). Bei den Freien Berufen wurden 42 703 Verträge abgeschlossen, ein Minus von 428 (-1,0 Prozent). Damit haben sich, wie schon in den Vorjahren, die durch die EU-Finanzkrise beeinflussten Negativprognosen nicht bestätigt.

In Deutschland ist grundsätzlich jede Zahnarztpraxis ausbildungsberechtigt. Im Jahr 2011 bildeten rund 41 Prozent der Zahnarztpraxen aus. Rechnerisch kamen damit auf jede/n Auszubildende/n zum/r ZFA 1,8 niedergelassene Zahnärzte und Zahnärztinnen. Die Ausbildungsquote, das heißt, die Anzahl der Auszubildenden an allen abhängig Beschäftigten, lag in Zahnarztpraxen bei rund 10 Prozent. Das arbeitgeberseitige Potenzial zur Stabilisierung beziehungs- weise Erhöhung der Auszubildendenzahl ist also weiter gesichert.

In der Beliebtheitsskala unter den Top 10

Eine Ausbildung zur ZFA ist für junge Frauen eine der am häufigsten gewählten Berufe. So entschieden sich im Jahr 2011 immerhin 4,7 Prozent der jungen Frauen für eine Ausbildung bei der Zahnärzteschaft, womit der Ausbildungsberuf der ZFA Rang 7 (Vorjahr Rang 9) der beliebtesten Berufe belegt (siehe Tabelle 1). „Zudem bieten Zahnarztpraxen auch Jugendlichen mit einem Hauptschulabschluss deutlich bessere Chancen, im Vergleich zu den Freien Berufen insgesamt, eine Berufsausbildung zu beginnen“, erklärt Dr. Michael Sereny, Präsident der Zahnärztekammer Niedersachsen und für zahnärztliche Mitarbeiterinnen zuständiges Vorstandsmitglied der BZÄK, sowie Mitglied des Beirats zur Begleitung des Bundes- verbands der Freien Berufe am Nationalen Ausbildungspakt. „Dies zeigt sich auch daran, dass unter den jungen Frauen die einen Hauptschulabschluss haben, der Ausbildungsberuf ZFA an fünfter Stelle der Top Ten steht – noch vor der MFA“, so Sereny weiter. Schließlich sind Lehrlinge, die den Beruf der ZFA erlernt haben, anschließend auch weniger stark von Arbeitslosigkeit betroffen als in anderen Branchen. Am Jahresende 2011 waren 6 142 ZFA arbeitslos gemeldet, ein erneuter Rückgang um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr (und sogar 60 Prozent gegenüber 2000).

Mehr Lehrverträge als im Vorjahr

Das seit sechs Jahren anhaltende Niveau der Zahl von neu abgeschlos-senen Ausbildungsverträgen für ZFA konnte auch im Jahr 2012 erfreulicherweise gehalten werden (siehe Grafik). „Die Zahnärztekammern haben es mit großem Engagement geschafft, über das gesamte letzte Jahr viele noch unentschlossene Bewerber für eine Ausbildung zur ZFA zu begeistern,“ betont Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK: „Dank dieses Einsatzes liegt die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge wieder leicht über der des Vorjahres.“

Bundesweit wurden in diesem Jahr zum 30. September insgesamt 12 330 Ausbildungsverträge für ZFA neu ab-geschlossen (ABL: 11 004; NBL: 1 326). Gegenüber dem Vorjahr haben die Ausbildungszahlen damit im Durchschnitt um vier Prozent zugenommen (ABL: +4,87 Prozent; NBL: –1,78 Prozent). Ausgehend von einer geringen Anzahl an Schulabgängern ist in den Neuen Bundesländern damit eine Abnahme der Ausbildungszahlen zu erkennen. Die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge variieren in den einzelnen Kammerbereichen um den Durchschnittswert. Stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen finden sich unter anderem in Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen und NRW. Deutliche Zugewinne gibt es unter anderem in Brandenburg, Niedersachsen, Bayern, Bremen und Thüringen. Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland haben hingegen Verluste zu verzeichnen (siehe Tabelle 2).

Wichtige Mitglieder im Praxisteam

Kommunikation, medizinisches Know-how, Fingerfertigkeit und Organisationstalent: Zahnmedizinische Fachangestellte seien wichtige Teammitglieder in einer Praxis und der erste Ansprechpartner für die Patienten, bekräftigte Oesterreich: „Die Zahnärzte müssen sich auf ihr Praxispersonal hundertprozentig verlassen können. Wer sich für die Ausbildung zur ZFA entscheidet, wählt einen spannenden Beruf mit vielfältigen Aufstiegsmöglichkeiten.“ Darüber hinaus könnten sich die Fachangestellten zu Zahnmedizinischen Prophylaxe-, Fach- oder Verwaltungsassistenten beziehungsweise Dentalhygienikerinnen fortbilden und damit ihr Gehalt und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Die (Landes-) Zahnärztekammern böten diese Aufstiegsfortbildungen seit vielen Jahren an, die sich an einer einheitlichen Musterfortbildung der BZÄK orientieren und in allen Kammerbereichen anerkannt sind.

Interessante Aufstiegsfortbildungen

Im Jahr 2011 wurden 785 erfolgreiche Prüfungen zur ZMP, 461 zur ZMV, 315 zur ZMF und 111 zur DH vor den Kammern abgelegt. Im Zeitverlauf ist zu erkennen, dass sich diese vier Fortbildungen einer kontinuierlich hohen Beliebtheit erfreuen, denn Aufstiegs- und Schwerpunktfortbildungen erhöhen den Marktwert, erschließen neue, interessante Tätigkeitsfelder und verbessern die ohnehin sehr guten Zukunftsaussichten der Fachkräfte in den zahnärztlichen Praxisteams.

Sereny sieht durch die Ausbildungs- verordnung, die zahlreichen Fortbildungs-curricula und die passgenauen Aufstiegsmöglichkeiten das Berufsbild der ZFA attraktiv und anspruchsvoll gestaltet. Es gebe hier zahlreiche Ansatzpunkte für Werbemaßnahmen. Zur Finanzierung von Rekrutierungsmaßnahmen und Fortbildungen existierten Förderprogramme auf Landes- und auf Bundesebene, die vermehrt ge-nutzt werden müssten. Aber auch die einzelnen niedergelassenen Kollegen sollten sich verstärkt Fragen der Gewinnung von Auszubildenden und geeignetem Personal widmen und dabei die Inanspruchnahme von Fördermitteln prüfen. Auskünfte dazu erteilten die jeweiligen Landeszahnärztekammern.

Dr. Sebastian Ziller MPH
Leiter der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der BZÄK
Chausseestr. 13
10115 Berlin



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