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01.05.09 / 00:15
Heft 09/2009 Praxis
Praxisgestaltung

Bis ins Detail

Wer seine Praxis neu gestalten oder umgestalten will, der muss zahllose Dinge beachten. Wie sollen die neuen Räumlichkeiten unterteilt sein? Welche Dentalausstattung und welches Mobiliar sind nötig? Welchen Charakter soll die Praxis haben? Welche Ansprechpartner gibt es für die unterschiedlichen Aufgaben? Und wie gelingt es, in der Umbauphase nicht den Überblick zu verlieren? Um hier die richtigen Antworten zu erhalten und ein schlüssiges Konzept für die Neugestaltung zu entwickeln, sollte sich der Praxisinhaber schon im Vorfeld genau informieren. Eine gute Möglichkeit dazu bietet der Blick auf gelungene Projekte von Kollegen.




Ob Praxisgründung, Übernahme, Umzug oder Umstrukturierung – die Gründe, eine Praxis neu einzurichten oder neu zu gestalten, sind vielfältig. Immer geht es dabei darum, eine optimale Lösung für die jeweiligen Anforderungen zu entwickeln. Für Kerstin Talk aus Oldenburg war die Übernahme einer bestehenden Praxis der Anlass, die vorhandenen Räumlichkeiten neu zu gestalten. Die mit insgesamt vier Behandlungsräumen ausgestattete Praxis liegt im Erdgeschoss eines großen zweigeschossigen Hauses. Nach über 30-jähriger Tätigkeit hatte ihr Vorgänger Ende 2007 entschieden, den größten Teil seiner Praxis zu verkaufen und lediglich noch einen kleinen Teil der Fläche für sich zu beanspruchen.

Über einen Praxisvermittler (Deutsche Ärztefinanz) war schließlich Kerstin Talk auf die Adresse aufmerksam geworden: „Die Gründung der ersten eigenen Praxis war natürlich eine ziemliche Herausforderung“, blickt die Zahnärztin zurück. „Doch das gesamte Umfeld und die Räumlichkeiten haben mir auf Anhieb gut gefallen.“ Nach intensiver Überlegung hatte sie schließlich zugesagt und vom Vorgänger den größten Teil der vorhandenen Einrichtung und Dentalausstattung gekauft, um dort ihre eigene Praxis zu eröffnen. „Ich hatte zwar vorher schon als Assistentin in Gießen und Berlin gearbeitet, aber hier in Oldenburg war ich zum ersten Mal eigenverantwortlich tätig.“ Inzwischen hat sie ihre Praxis durch eine neu eingestellte Kollegin erweitert.

Um die Zäsur auch optisch auf den ersten Blick sichtbar werden zu lassen, hatte die Zahnärztin schon bei der Übernahme beschlossen, die Praxis in einigen Bereichen mit neuer Technik auszustatten und die Innenräume neu zu gestalten. Nachdem sie unterschiedliche Varianten überlegt hatte, war ihr schließlich klar, dass neben den Behandlungsräumen auch die Bereiche Empfang und Wartezimmer einem grundlegenden Facelifting unterzogen werden sollten. Für die Neugestaltung schwebte ihr eine moderne und freundliche Einrichtung vor, die schon auf den ersten Blick eine angenehme Atmosphäre verbreiten sollte. „Außerdem war es mir wichtig, mit der Gestaltung auch Kinder anzusprechen, da ich diesen Bereich als einen Schwerpunkt ausbauen möchte“, so Talk. Im vergangenen Jahr hat die Zahnärztin dazu bereits eine eigene Kindersprechstunde eingeführt, für die Zukunft plant sie, Kindergärten direkt anzusprechen.

Mit der Umbauplanung wurde der Architekt Uwe Oltmanns beauftragt. „Der Planer hatte bereits einige andere Praxen gestaltet, die mir gut gefallen haben“, begründet Talk die Entscheidung. „Außerdem hatten wir sofort das Gefühl, auf einer Wellenlänge zu kommunizieren. Und darüber hinaus kam es uns natürlich entgegen, dass er sein Büro direkt hier in Oldenburg hatte und somit jederzeit schnell vor Ort sein konnte.“ Auf Basis der ersten Gespräche entwickelte der Architekt in einer ersten Planung zunächst einige grundlegende Vorschläge zur Umgestaltung der Praxis: „Ein wichtiger Bestandteil dabei war die Neuinterpretation des Empfangsbereiches“, so Oltmanns. „Im Moment wirkt der Empfang in dem schmalen Flur eher wie ein Bollwerk. Um hier einen offeneren Eindruck zu erzielen und gleichzeitig die Möglichkeit zu schaffen, die Patienten persönlich auf Augenhöhe zu empfangen, habe ich vorgeschlagen, hier einen frei im Raum stehenden und mit sämtlichen Medien ausgestatteten Counter einzubauen. Auf diese Weise lässt sich von Anfang an eine Vertrauensbasis herstellen. Alle anderen Tätigkeiten wie Verwalten oder Telefonieren sollen dann im Büro stattfinden.“

Ähnlich unbefriedigend wie die Eingangssituation stellt sich gegenwärtig auch noch die Lösung für den Wartebereich der Praxis dar. „Im Moment müssen die Patienten hier im Flur zwischen der Treppe nach oben und dem Empfangstresen sitzen“, so Talk. Neben dem Durchgangsverkehr stört dabei auch, dass sich die Patienten beobachtet fühlen. Als alternative Lösung hat der Architekt eine rückseitig mit einem Sichtschutz ausgestattete Sitzgruppe mit Aussicht auf den angrenzenden Innenhof vorgeschlagen. Die Wände im Flur sollen dunkelgrau gestaltet werden, an zentraler Stelle ist dabei ein 3 x 1,80 m großes Bild vorgesehen. „Noch haben wir uns aber nicht auf ein Motiv einigen können, was auf dem Bild zu sehen sein soll“, berichtet Talk lachend. Ihr schwebt etwas Maritimes vor, der Architekt setzt dagegen auf ein eher abstraktes Motiv. Die Lösung des gestalterischen Problems ist gegenwärtig noch offen – „aber wir werden uns schon noch einig“, so Talk. Bereits entschieden ist dagegen, dass die Wendeltreppe ins Obergeschoss durch einen Fadenvorhang den Blicken der wartenden Patienten entzogen werden soll.

Der rund 60 Quadratmeter große Innenhof im Kern des Gebäudes ist gegenwärtig komplett ungenutzt, bietet aber zahlreiche Möglichkeiten, um neue Funktionen unterzubringen: „Wir planen hier eine 1,80 x 1,80 m große, farbig gestaltete Box als Spiel- und Wartebereich für Kinder“, beschreibt Talk ihre Vorstellungen. „Direkt daneben könnte eine weitere Box dann einen separaten Besprechungsraum für einen persönlichen Austausch mit den Patienten aufnehmen.“ Wie bei der Gestaltung des Flures ist aber auch hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das gleiche gilt für das Büro: „Hier sind wir gerade dabei, zu entscheiden, ob wir den vorhandenen Steinfußboden behalten oder nicht“, so Talk. „Erst danach können dann die weiteren Planungsschritte erfolgen.“

Bereits fertiggestellt sind dagegen die beiden Behandlungszimmer gegenüber vom Empfangsbereich. Auf Wunsch der Zahnärztin dominiert eine freundliche Ausstattung mit geraden, klaren Linien und modernen Schrankeinheiten. Neben grau-blau schimmernden PVC-Böden in hochwertiger Holzoptik wurde in beiden Räumen eine großflächige Lichtdecke für eine angenehme Beleuchtung eingefügt. Darüber hinaus wurden neue Behandlungseinheiten mit digitalen Bildschirmen integriert, auf denen wahlweise entspannende Filme für die Patienten oder medizinische Daten für die Behandlung gezeigt werden. Hinter den Bildschirmen fällt der Blick der Patienten und der behandelnden Zahnärztinnen auf die mit großen grauen Flächen gestalteten Stirnwände, die jeweils mit entsprechend kleineren farbigen Flächen ergänzt wurden: „Den ersten Raum haben wir dabei als ‚blaues Behandlungszimmer’, den zweiten als ‚grünes Behandlungszimmer’ konzipiert“, beschreibt Talk das zugrunde liegende Konzept.

Im nächsten Schritt sollen auch die beiden weiteren Behandlungsräume umgestaltet werden. Anders als in den ersten beiden Räumen ist hier allerdings lediglich geplant, die vorhandenen Möbel in neuer Farbigkeit zu lackieren und die Wände entsprechend farbig zu gestalten. „Durch die zeitlich versetzte Planung können wir einerseits einen fortlaufenden Betrieb der Praxis sicherstellen und haben andererseits ausreichend Zeit, die einzelnen Planungsschritte genau zu überlegen“, so Talk. „Momentan liegen wir gut in der Zeit. Ich gehe daher davon aus, dass wir die Behandlungsräume wie geplant Mitte April fertiggestellt haben werden. Bis dahin soll dann auch die endgültige Planung für den Empfangs- und Wartebereich sowie für den Innenhof stehen. „Viel Arbeit also noch“, blickt die Zahnärztin nach vorn.

Sprung über die Grenze

Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Umbauplanung zeigt die lediglich 45 Quadratmeter große Praxis von Markus Lobert und Alexandra Lobert-Gluzek im niederländischen ´s-Heerenberg. Die Räumlichkeiten gehören zu einer Praxisgemeinschaft, deren Hauptniederlassung sich diesseits der deutsch-niederländischen Grenze in Elten bei Emmerich befindet. „Wir hatten schon länger die Idee, eine zweite Praxis in den Niederlanden zu eröffnen“, so Markus Lobert. „Zum einen liegt der Standort nur wenige Kilometer entfernt, zum anderen gab es in ´s-Heerenberg damals lediglich zwei Zahnarztpraxen.“ Außerdem war es für beide eine spannende Herausforderung, eine Praxis im Ausland zu eröffnen: „Dabei kam uns natürlich entgegen, dass meine Frau hier in der Grenzregion zweisprachig aufgewachsen ist.“

Die Gelegenheit zum Sprung über die Grenze ergab sich dann, als einer der beiden Kollegen in ´s-Heerenberg in den Ruhestand ging und seine Praxis leer stand. Die Räume im Souterrain eines Wohnhauses in zentraler Lage im Ort passten ideal ins Anforderungsprofil der beiden Zahnärzte: „Die Praxis ist wie die Mehrzahl der Praxen in den Niederlanden eine reine Einstuhlpraxis. Aber das war genau das, was wir gesucht hatten, um die Mietkosten und das finanzielle Risiko zu begrenzen“, blickt Lobert zurück. „Die etwas veraltete Einrichtung erhielten wir dabei vom Vorgänger fast umsonst. Außerdem waren hier keine neuen Anträge für die Räumlichkeiten nötig, da sie ja bereits vorher als Praxis genutzt worden waren. Und auch die Zulassung für uns war aufgrund des Zahnärztemangels in den Niederlanden kein Problem. Wir brauchten die Behandler lediglich im Zahnarztregister anzumelden und erhielten dann umgehend eine Zulassungsnummer.“

Die ersten zwei Jahre in den Niederlanden betrachteten die beiden Zahnärzte als reine Testphase. Würden sie den bisherigen Patientenstamm halten und eventuell erweitern können? Lohnt sich der Betrieb? Lässt sich der Aufwand bewältigen? „Nach dieser Zeit waren wir uns sicher, dass wir die Praxis weiterführen wollten“, berichtet Lobert rückblickend. Dabei stellte sich dann schnell die Frage nach einer neuen Ausstattung und Einrichtung, die seinerzeit noch aus den 1970er- und 1980er-Jahren stammte und dringend sanierungsbedürftig war. Statt der alten, durchgesessenen Sitzgelegenheiten und der nicht mehr zeitgemäßen Behandlungseinheit schwebte den beiden Zahnärzten eine zeitgemäße, langlebige und hochwertige Ausstattung vor, die den komplexen Anforderungen einer modernen Praxis entsprechen sollte. Trotz der geringen Größe sollten dabei neben einem Behandlungszimmer, Empfang und Wartebereich auch ein Labor und ein Röntgenraum integriert werden. „Das ist hier in den Niederlanden zwar nicht vorgeschrieben, aber wir wollten bei der Ausstattung die deutschen Vorschriften einhalten“, so Lobert. „Perspektivisch war es uns außerdem wichtig, eine schlüssige Strategie zu entwickeln, um später durch ein übergreifendes Design-Konzept beide Praxen miteinander zu verbinden und so eine Zusammengehörigkeit zu schaffen.“

Bei der Suche nach einem geeigneten Planungsbüro für die notwendige Kern sanierung und Neugestaltung wählten die Zahnärzte das Internet. Nach längerer Recherche im Internet und nach Besichtigung eines bereits realisierten Projekts entschieden sich beide schließlich für die Innenarchitekten null2elf aus Düsseldorf. „Bei dem Büro hatten wir sofort das Gefühl, dass die Chemie stimmt“, blickt Lobert-Gluzek zurück. Und nachdem auch das erste Angebot über die zu erwartenden Leistungen inklusive der Bauleitung mit dem vorab kalkulierten Finanzrahmen übereinstimmte, konnten die beiden Innenarchitektinnen des Büros, Birte Dischek und Barbara Eitner, schon kurze Zeit später mit der Planung beginnen. Auf Basis der ersten gemeinsamen Ge spräche entwickelten sie ein überzeugendes Konzept für ein umfassendes corporate design für die Praxis – von der Neugestaltung des Logos und der Visitenkarte bis zur Innenarchitektur. Der überwiegende Teil der Einrichtung, darunter die Empfangstheke und sämtliche Schränke, wurde dabei nach eigenen Entwürfen der beiden Planerinnen durch einen Schreiner individuell angefertigt. Zusätzlich nötig war lediglich eine moderne Behandlungseinheit, die über einen Dentalausstatter bezogen wurde.

Die beiden Zahnärzte waren von dieser ersten Planung sofort angetan und hatten lediglich kleinere Änderungswünsche, die schnell umgesetzt werden konnten. Parallel dazu erhielten sie jetzt auch ein konkretes Angebot, dass auch die genauen Kosten für sämtliche Handwerkerleistungen umfasste. Auf dieser Basis konnte anschließend die gesamte Praxis entkernt und dann anhand der vereinbarten Planung komplett neu gestaltet werden. Als größte Umbaumaßnahme musste dabei mithilfe eines Statikers die bestehende Raumstruktur entsprechend der neuen Grundrissplanung teilweise verändert werden. Außerdem mussten sämtliche Versorgungsleitungen entsprechend umgelegt werden. Die technischen Anschlüsse für die Behandlungseinheit wurden dabei durch das verantwortliche Dentallabor geplant und realisiert. Die gesamten Arbeiten auf der Baustelle erstreckten sich über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen, danach konnte die Praxis feierlich eröffnet werden. „Die Zusammenarbeit hat von Anfang an optimal geklappt“, blickt Lobert zurück. „Sämtliche Kosten waren genau kalkulierbar und wurden ebenso wie alle Terminzusagen bis hin zur Schlüsselübergabe eingehalten, so dass wir pünktlich zum vereinbarten Termin unsere Praxis eröffnen konnten.“

„Bei unseren Arbeiten ist es uns wichtig, eine individuelle Gestaltung mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen“, erklärt Birte Dischek die Herangehensweise der beiden Innenarchitektinnen von null2elf. „Ganz bewusst wollen wir dabei Innenarchitektur und Marketing miteinander verbinden, um so zu optimalen Lösungen zu kommen.“ Mit überzeugendem Ergebnis: Bei der Neugestaltung der Praxis in ´s-Heerenberg gelang mit wenigen gestalterischen Mitteln eine überraschende Innenraumgestaltung, die funktional wie ästhetisch gleichermaßen überzeugt. Auf engstem Raum konnten sämtliche geforderten Funktionen ergonomisch untergebracht werden, ohne dass dabei ein beengter Raumeindruck entsteht. Um gleichzeitig den Bezug zur bestehenden Praxis zu betonen, wurden die neuen Räumlichkeiten als Teilstück beziehungsweise Puzzleteil der bestehenden Praxis thematisiert. Inspiriert wurden die beiden Innenarchitektinnen dabei von einem Kindersteckspiel, bei welchem passende Elemente in eine Aussparung gesteckt werden.

Eine weitere Herausforderung neben der begrenzten Fläche war die Lage der Praxis im Souterrain. „Das ist in den Niederlanden häufig so“, berichtet Birte Dischek. „Um unser Konzept auch von außen sichtbar werden zu lassen, haben wir den Außenbereich deutlich freundlicher gestaltet und einige neue Akzente gesetzt.“ Hinter der gläsernen Eingangstür zur Straße schließt sich sofort der von außen sichtbare Empfangsbereich an. Hier angelangt, trifft der Blick der Patienten auf die organisch geformte Empfangstheke und ein direkt gegenüber platziertes Wartemöbel – ein in die Wand integrierter Rahmen mit rückseitigem Glas. Beide Möbel wurden nach eigenen Entwürfen gefertigt und dabei individuell auf die räumlichen Gegebenheiten angepasst. Auf seiner rückwärtigen Seite durchstößt der Rahmen die Wand zum Behandlungszimmer und verwandelt sich dort zu einer Art „Fenster“ oder Sideboard. Eine satinierte Folie verhindert dabei Durchblicke vom Empfangsbereich ins Behandlungszimmer. Fortgeführt und komplettiert wird das Konzept der beiden Planerinnen durch die ebenfalls selbst entworfenen Möbel für den Behandlungsraum. Weitere Details sind die eleganten Lampenschirme, die eine angenehme Beleuchtung erzeugen. Als durchgehendes Motiv wurden einzelne Elemente wie Bodenbeläge oder Akzentfarben an der Wand als eine Art Puzzlestücke mit organisch geschwungenen orangefarbenen Linien dargestellt. „Die Farbe Orange hat sich hier fast von selbst ergeben“, blickt Dischek zurück. „Nicht nur, weil es die Lieblingsfarbe der Zahnärztin ist, sondern auch als humorvoller Verweis auf die Nationalfarbe der Niederländer.“ Ähnliche Schwünge ziehen sich über den Boden, an der Wand oder an der Empfangstheke hoch, um sich dort zu Wörtern oder kurzen Sätzen weiterzuentwickeln. Neben der Aufforderung „lekker zitten“ („bequem sitzen“) auf dem Sitzmöbel lesen die Patienten zum Beispiel „gewoon ophangen“ („einfach aufhängen“) an der Garderobe. „Den Stil der Schwünge haben wir außerdem auch bei der Gestaltung der Garderobe wieder aufgegriffen, so dass die Möbel und Farbakzente an den Wänden ganz bewusst wie herausgeschnitten wirken“, so Barbara Eitner. Hinter einer Glasschiebetür im Empfangsbereich integrierten die Planerinnen außerdem ein ebenfalls in orange lackiertes Servicemöbel. Hier gibt es die Möglichkeit, Kaffee und Wasser für die Patienten zu holen.

Hand in Hand geplant

Ebenfalls als zweiter Standort einer „Zwei-Städte-Praxis“, allerdings mit deutlich größerer Fläche, wurde die Praxis von Theodor Paeßens in Kleve geplant. Bereits 1989 hatte der Zahnarzt eine Altbau-Praxis im nahe gelegenen Kalkar übernommen. „Mit damals drei Räumen“, wie Paeßens berichtet. Bereits kurze Zeit später war die Praxis damals zur Gemeinschaftspraxis ausgebaut und dann in den folgenden Jahren in regelmäßigen Abständen bis auf eine Größe von rund 500 Quadratmetern erweitert worden. „Für einen erneute Erweiterung und die geplante Aufnahme weiterer Partner waren die Räumlichkeiten inzwischen jedoch zu klein und ließen sich aufgrund des Denkmalschutzes auch nicht mehr weiter ausbauen“, berichtet seine Frau Maria Paeßens, die vor Ort als Praxis-Managerin tätig ist. „Außerdem wollten wir einen eigenen hoch modernen Operationssaal haben. Als dann 2007 das neue Strukturreformgesetz mit der Zulassung von überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften in Kraft treten sollte, haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, einen zweiten Standort in Kleve zu eröffnen.“

Als neue Räumlichkeit wurde dem Zahnarzt zeitgleich eine ebenfalls rund 500 Quadratmeter große Ebene im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma „Elefanten-Schuhe“ angeboten. Nach Einstellung der Produktion vor einigen Jahren war der zwischen 1907 und 1911 errichtete Altbau zu einem modernen Dienstleistungszentrum umgewandelt worden. „Als wir das erste Mal hier waren, waren wir sofort begeistert“, beschreibt Theodor Paeßens seinen ersten Eindruck von dem Gebäude und den Räumlichkeiten vor Ort. „Größe und Lage entsprachen genau unseren Vorstellungen.“ Ein zusätzlicher Standortvorteil war hier das direkt angrenzende und viel besuchte Einkaufszentrum, das anstelle der ehemaligen Produktionsflächen neu errichtet worden war. „Damit hatten wir gleich eine gute Ausgangsposition, um neue Patienten anzusprechen.“

Bei der Finanzierung und Planung des Projektes kam dem Zahnarzt das Modell als Gemeinschaftspraxis zugute. Von den inzwischen neun Ärzten arbeiten drei ständig in Kleve, weitere kommen punktuell hinzu. Praxisgründer Paeßens und alle weiteren Ärzte sind jeweils an beiden Orten tätig. „Das Konzept bietet natürlich ein erhebliches Sparpotenzial“, so Maria Paeßens. „Schließlich können sämtliche Einrichtungen und Geräte von allen Zahnmedizinern genutzt werden, was neben den Anschaffungskosten auch die Nutzungskosten reduziert.“ Und da die einzelnen Zahnärzte sich auf verschiedene Gebiete spezialisiert haben, können nahezu alle Bereiche der Zahnmedizin abgedeckt werden – von der Prophylaxe über klassische Versorgung bis hin zu Kieferorthopädie sowie ästhetischen und kosmetischen Behandlungen. „Und wenn spezielle Behandlungen nötig sind oder Probleme auftauchen, haben wir die Möglichkeit, die Patienten innerhalb des Hauses gleich an einen Kollegen weiter zu verweisen.“

Um eine maßgeschneiderte Gestaltungslösung für die neuen Praxisräumlichkeiten zu erhalten, hatten sich Theodor und Maria Paeßens bereits vor der Unterzeichnung des Mietvertrages an den befreundeten Dentalausstatter Thomas Schott aus dem nahe gelegenen Tönisvorst gewandt, der bereits seit über 16 Jahren für die Praxis tätig ist. Außerdem wurde bereits frühzeitig das Gesundheitsamt in die Planung mit einbezogen und um Rat gefragt. So konnten sich beide absolut sicher sein, dass die Räumlichkeiten auch tatsächlich für die Zwecke einer Zahnarztpraxis geeignet sind und in sämtlichen Details den neuesten gesetzlichen Anforderungen entsprechen. „Der enge Austausch hat sich als großer Vorteil erwiesen“, blickt der Zahnarzt zurück. „Denn so wussten wir von Anfang an, was auf uns zukommt und waren ganz eng in den gesamten Prozess der Einrichtung und Gestaltung eingebunden. Deshalb haben wir jetzt auch das Gefühl, dass wir unsere Praxis entscheidend mitgestaltet haben.“

Zu Beginn der Planung wurden zunächst sämtliche räumlichen und funktionalen Anforderungen besprochen und anschließend anhand einer allerersten Planung ein grober Kostenrahmen entwickelt. Dabei erwies es sich als Vorteil, dass das Team des Dentalausstatters auch mit einem Architekten besetzt ist. So konnten sämtliche Planungsschritte aus einer Hand entwickelt werden. „Mit diesem ersten grundlegenden Konzept hatten wir eine gute Basis, um die Konditionen des Mietvertrages auszuhandeln. Gemeinsam haben wir dabei eine Mietdauer von zehn Jahren plus zwei mal fünf Jahren als Option vereinbart“, so Theodor Paeßens. Ein Teil der Umbaukosten wurde dabei durch den Vermieter finanziert und in die Miete eingerechnet. Zur Finanzierung der übrigen Summe erhielt Paeßens eine Finanzierungszusage seiner Bank.

Nach der Klärung des Mietvertrages und der Finanzierung konnten jetzt die genaue Grundrissstruktur und der genaue Umfang der Ausstattung besprochen und festgelegt werden: „Die neue Praxis sollte ein ergonomisches und flexibles Arbeiten mit kurzen Wegen ermöglichen und gleichzeitig eine freundliche und moderne Ausstrahlung bieten“, beschreibt der Zahnarzt seine Vorstellungen. „Gleichzeitig wollten wir eine qualitativ hochwertige Ausstattung nach höchsten Standards.“ Auf Basis dieses Anforderungsprofils entwickelte der Dentalausstatter eine detaillierte Planung mit genauen Installationszeichnungen sowie Faktenund Raumbuch, die neben sämtlichen Details auch einen exakten Kosten- und Zeitrahmen enthielt. Als zusätzliche Leistung wurde dabei ein Lichtplaner engagiert. Für den eigentlichen Umbau, der sich über einen Zeitraum von rund zwei Monaten erstreckte, wurde ein Generalunternehmer zur Koordination der unterschiedlichen Gewerke beauftragt.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Entstanden ist eine hochwertig gestaltete – inzwischen mit dem Klever Unternehmerpreis bedachte – Zahnarztpraxis mit modernster Ausstattung. Vom Foyer des neuen Dienstleistungszentrums kommend treffen die Besucher zunächst in den offen und freundlich gestalteten Empfangsbereich. Hier wie in sämtlichen anderen Räumen setzten die Planer auf ein kontrastreiches Zusammenspiel von PVC-Böden in Parkettoptik und einer zurückhaltendeleganten Ausstattung mit individuell angepassten Stahlmöbeln, elegant in die Decke eingelassenen Downlights und mit wenigen Farbakzenten in Orange und Schwarz. Als zentraler Blickfang im Empfangsbereich wurde ein großes, frei im Raum stehendes und ebenfalls nach eigenen Entwürfen gefertigtes Aquarium-Möbel mit integrierter Garderobe als ruhender Pol integriert. Weitere farbige Akzente setzen die zahlreichen abstrakten Bilder, die sämtlich durch die als Objekt-Designerin tätige Schwester von Maria Paeßens gemalt wurden.

Im Anschluss an den Empfangsbereich schließen sich organisch die weiteren Räume der Praxis an. Im ersten Abschnitt folgen dabei zunächst der Wartebereich, ein eigener Beratungsraum für ein individuelles Vier-Augen-Gespräch mit den Patienten in angenehmer Atmosphäre und ein Koordinationsbüro für einen engen Austausch der Ärzte untereinander. Direkt gegenüber schließen sich ein freundlich gestaltetes Kinderbehandlungszimmer und ein großer OP-Saal an. „Wir wollten den OP-Saal ganz bewusst nicht im hintersten Winkel der Praxis, sondern hier ganz am Anfang unterbringen, um so unser Leistungsspektrum deutlich zu machen“, begründet Maria Paeßens die Anordnung. Der OP-Raum wurde mit neuesten Geräten ausgestattet. Nach Absprache mit dem Gesundheitsamt wurden für eine optimierte Hygiene ein antistatischer Boden verlegt und sämtliche Möbel als Hängeschränke ausgeführt.

Die übrigen neun Behandlungsräume sowie der Röntgenraum liegen im zweiten Abschnitt der Praxis. „Um hier jederzeit einen leichten und flexiblen Zugriff für die unterschiedlichen Ärzte zu ermöglichen, haben wir sämtliche Räume weitgehend identisch mit gleicher Ausstattung, gleichen Schrankeinheiten und gleicher Bestückung realisiert“, so Maria Paßens. Direkt gegenüber, im zentralen Funktionskern, steht ein Sterilisationsraum mit modernster Ausstattung zur Verfügung: „Durch eine exakte Dokumentation ist es dabei jederzeit möglich, genau festzustellen, wer welches Besteck zu welchem Zeitpunkt sterilisiert hat.“ Den gleichen hohen Standard bieten das Depot mit seinen jederzeit automatisch aktualisierten Lagerbeständen sowie der Wareneingang, wo sämtliche Artikel mit einem Barcode versehen und ins System eingefasst werden.

Im hintersten Teil der Praxis finden sich dann die Räume für die Kieferorthopädie, im Souterrain wurden eine Mitarbeiterküche, Umkleiden sowie ein Abrechnungsbüro eingerichtet. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass insbesondere für den Bereich der Kieferorthopädie eine neue Erweiterung ansteht. Die dazu notwendigen Flächen stünden im Souterrain zur Verfügung. Einer neuerlichen Erweiterung der Praxis sind also vorerst keine Grenzen gesetzt.

Robert Uhde
Grenadierweg 39, 26129 Oldenburg
robertuhde@aol.com



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