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16.09.09 / 00:11
Heft 18/2009 Zahnmedizin
CEREC-Symposium würdigte das Werk von Prof. Mörmann

CAD/CAM-Protagonisten öffnen der Praxis neue Türen

24 Jahre nach dem erfolgreichen Praxistest der ersten CEREC-Generation trafen sich Praxisanwender, Werkstoff- und Software-Fachleute sowie CAD/CAM-interessierte Zahnärzte und Zahntechniker am 27. Juni 2009 zu einem CEREC-Symposium an der Universität Zürich-Irchel.




Zahnmedizin ohne CAD/CAM-Verfahren ist heute nicht mehr vorstellbar. Die digitale Messaufnahme, das Scannen von Antagonisten und Registraten, das dreidimensionale Konstruieren auf dem Bildschirm, die Nutzung unzähliger Zahnformen aus der Zahndatenbank, die Gestaltung anatomischer Kauflächen, die subtraktive Bearbeitung von Hochleistungskeramiken – all das wäre ohne Computereinsatz nicht möglich geworden. Dieser Quantensprung wurde 1985 in Zürich vorbereitet. Mit dem CEREC-System setzte sich die Chairside-Methode für die vollkeramische Restauration in einer Sitzung als eines der klinisch meist untersuchten Therapieverfahren mit guten Langzeitprognosen in fast allen industrialisierten Ländern durch. Von Prof. Dr. med. dent. Werner Mörmann, Leiter der Station für computergesteuerte restau-rative Zahnheilkunde (SCR) an der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie an der Universität Zürich, und Dipl.-Ing. Marco Brandestini entwickelt und klinisch mit vielen Studien begleitet, sind seitdem weltweit über 20 Millionen CEREC-Restaurationen eingegliedert worden.

Prof. Mörmann gab einen Überblick zur klinischen Bewährung des Verfahrens, zum aktuellen Stand der Digitaltechnologie und einen Ausblick über die weitere Entwicklung des Systems. Hierbei stellte er besonders die Perspektiven und Chancen der abdruckfreien Praxis heraus, die künftig dem Zahntechniker mehr Informationen bietet und ihn noch enger mit der Behandlungseinheit verbindet.

Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Klaus Grätz, würdigte besonders die unerschütterliche Zielstrebigkeit von Mörmann und dankte ihm für seine erfolgreiche Arbeit an der Zürcher Universitäts-Zahnklinik. Prof. Dr. Thomas Attin, Direktor der Klinik für Präventivzahnmedizin in Zürich, stellte die Adhäsivtechnik als Schlüssel für die substanzschonende Restauration mit Keramik in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Prof. Dr. Albert Mehl, Physiker und Zahnarzt, skizzierte die künftigen Möglichkeiten für die Kauflächengestaltung von Vollkronen, die sich aus dem biogenerischen Zahnmodell ableiten lassen (siehe Abbildung). Dr. Andreas Ender und Dr. Daniel Wolf, Mitarbeiter am SCR in Zürich, belegten mit Studienergebnissen die Genauigkeit der neuen CEREC-Bluecam Aufnahmeeinheit sowie die klinische Bewährung von mehrgliedrigen Brückenrekonstruktionen, deren Gerüste auf der CEREC-Schleifeinheit MCXL aus Zirkonoxidkeramik (ZrO2) gefertigt worden sind. Wolf gab ferner Hinweise zur dauerhaften Stabilisierung der Verblendschicht auf ZrO2 und stellte die Aufsinterung der computergeschliffenen Silikat-Verblendung als Verfahren mit günstigen Prognosen gegen Chippings vor. PD Dr. Andreas Bindl, SCR Zürich, arbeitet schon seit geraumer Zeit mit der Digital-Volumentomographie (Galileos) und der CEREC-Software Implant 1.2 im Rahmen einer Implantatstudie. Mit dem DVT wird die Struktur des Kieferknochens strahlungsarm dreidimensional abgebildet und ermöglicht dadurch eine deutlich höhere Qualität der Befundung, verbunden mit der exakten Ortung von anatomischen Strukturen (siehe Abbildung). Somit liefert das DVT die Basis für die chirurgische Planung der Implantatversorgung. Mit der CEREC Bluecam werden intraoral das Implantatgebiet und die angrenzenden Nachbarzähne gescannt und wird dann ein virtuelles Modell gerechnet. Dieses Modell wird vom 3D-Volumentomogramm überlagert; es erfolgt eine exakte Positionierung des Enossalpfeilers, der Suprastruktur und Implatatkrone im Röntgenbild. Die Position des Implantats wird im Mittelpunkt der Kronengrundfläche und in deren Einschubrichtung vorgeschlagen. Bei Auswahl des für den konkreten Fall vorgesehenen Implantatsystems kann die Situation im 3D-Röntgenbild komplett geplant werden.

Dr. Joachim Pfeiffer, Leiter CAD/CAM-Systeme bei Sirona, thematisierte die enge Verzahnung der Chairside- und Labside- Systeme (CEREC, inLab) für die Kronen- und Brückentechnik. Durch die abdruckfreie Praxis mit der digitalen Quadranten-Abformung, zusammen mit der CEREC Connect Online-Datentransformation, können Zahnärzte und Zahntechniker noch einfacher kommunizieren und Zeit sparen.

Es wurde erkennbar, dass die Digitaltechnik künftig auch weiteren Anwendungsgebieten wie funktionelle Artikulation, Kieferorthopädie und anderen Therapieverfahren praxisgerechte Lösungen bieten wird.

SCR erhält neue Impulse

Das CEREC-Symposium war insofern auch ein Wendepunkt, weil Prof. Mehl im Rahmen einer Gastprofessur in die Station für Computerrestauration (SCR) der Universität Zürich eingetreten ist. Der Physiker, Humanbiologe und Zahnarzt ist seit vielen Jahren in der universitären Lehre tätig und mit der Forschung in der Digitaltechnik vertraut. So erhielt sein Team 2007 an der Ludwig-Maximilian-Universität München im Auftrag der Stiftung für Zahnärztliche Wissenschaften den „Förderpreis für junge Wissenschaftler“ des FVDZ (Freier Verband Deutscher Zahnärzte) für das Forschungsprojekt „Vollautomatische Rekonstruktion von Zähnen mittels biogenerischem Zahnmodell“. In der Zusammenarbeit mit Prof. Mörmann entstanden richtungsweisende CAD/CAM-Applikationen wie die intraorale Kurzzeit-Messaufnahme mit kurzwelligem LED-Blaulicht (CEREC Bluecam), der selbstauslösende Intraoral-Scan mit gesteigerter Tiefen- schärfe und Verwacklungskontrolle, das Quadranten-Scanverfahren mit virtuellem Modell als Wegbereiter der abdruckfreien Praxis mit Option der Online-Anbindung des zahntechnischen Labors für die K+B-Prothetik.

Die aus vielen Ländern angereisten Teilnehmer des CEREC-Symposiums erlebten im Zeitraffer die rasante Entwicklung der Digitaltechnik und spürten unmittelbar, dass CAD/CAM-Verfahren und computerunterstützte Behandlungsmethoden künftig noch stärker das Handeln in Praxis und Labor bestimmen werden.

Manfred Kern
Deutsche Gesellschaft für Computergestützte
Zahnheilkunde e.V. (DGCZ)
Karl-Marx-Strasse 124
12034 Berlin



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