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01.11.15 / 00:01
Heft 21/2015 Medizin
Neue Erkenntnisse bei der Schmerztherapie

Chroniker sind unterversorgt

Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen, deren Behandlung jedoch ist oft suboptimal. Das soll besser werden: Beim 9. Kongress der europäischen Schmerzföderation (EFIC) in Wien haben die Referenten die neuesten Entwicklungen beim Neuropathischen Schmerz, bei der Behandlung mit Opioiden und beim Tumorschmerz präsentiert.



Besonders Patienten mit neuropathischen Schmerzen leiden stark, da diese oftmals spät erkannt werden. leremy-Fotolia

Wie belastend Schmerzen – vom Zahnschmerz bis zum Wundschmerz – sind, ist jedermann bekannt. Dennoch liegt bei der Schmerztherapie hierzulande offenbar noch einiges im Argen. Das gilt insbesondere für die Behandlung chronischer Schmerzen unabhängig davon, ob es sich um Tumorschmerzen handelt oder um chronische Schmerzen anderer Genese.

Die Zahl der Betroffenen mit chronischen Schmerzen ist größer als allgemein bekannt: „Etwa 20 Prozent der Erwachsenen in Europa – das sind rund 80 Millionen Menschen – leiden unter chronischen Schmerzen“, betonte Dr. Chris Wells aus Liverpool, Präsident der EFIC. Neun Prozent der Bevölkerung haben sogar täglich Schmerzen. Mit 63 Prozent führen Rückenschmerzen die Liste an, gefolgt von Gelenk schmerzen und rheumatischen Beschwerden.

Chronischer Schmerz soll Krankheitsbild werden

Als chronisch werden Schmerzen laut Wells bezeichnet, wenn sie mindestens über drei Monate regelmäßig auftreten. Sie schränken die Lebensqualität erheblich ein und führen nicht selten zum sozialen Rückzug der Betroffenen. Die Kosten durch Arbeitsunfähigkeiten infolge von Schmerzerkrankungen und die daraus folgenden Produktivitätsverluste sind nach Wells enorm: „Immerhin stehen etwa zwei Drittel der chronischen Schmerzpatienten in Europa noch im Arbeitsleben und chronische Schmerzen sind die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit oder Frühpension.“

Doch trotz relevanter Therapiefortschritte in jüngster Zeit besteht eine erhebliche Unterversorgung der Patienten. Mehr als die Hälfte der chronischen Schmerzpatienten hat eine Leidensgeschichte von zwei Jahren und mehr hinter sich, bevor die Schmerzen angemessen behandelt werden. Ein Drittel der Betroffenen wird nach EFIC-Angaben überhaupt nicht behandelt und rund 38 Prozent sind der Ansicht, die Behandlung wirke nicht ausreichend oder werde unzureichend durchgeführt.

Deshalb soll der chronische Schmerz nach Vorstellung der EFIC künftig als eigenständiges Krankheitsbild in der internationalen Krankheitsklassifikation ICD-11 der WHO verankert werden. In der neuen internationalen Kodierung, die bis August 2016 in der Praxis getestet werden soll, ist chronischer Schmerz mit speziellen Diagnosen wie beispielsweise dem chronischen primären Schmerz, dem chronischen postoperativen Schmerz, dem chronischen neuropathischen Schmerz sowie dem chronischen Kopf- und Gesichtsschmerz enthalten.



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