sg
01.06.09 / 00:15
Heft 11/2009 Praxis
Zeitgemäße Praxisgestaltung

Corporate Identity in der Praxis

Für die meisten Unternehmen gehört eine jederzeit wiedererkennbare Corporate Identity inzwischen zur Selbstverständlichkeit. Aber auch Zahnarztpraxen können durch ein einheitliches Erscheinungsbild von Logo, Visitenkarte, Homepage und Innenraumgestaltung profitieren und an Profil gewinnen.




Denn wenn die Praxis in allen Bereichen die gleiche Sprache spricht, dann stärkt das nicht nur den Zusammenhalt nach innen, sondern stabilisiert auch die Bindung der Patienten an die Praxis. Wichtig ist dabei, dass das gewählte Konzept nicht künstlich und aufgesetzt wirkt, sondern ganz selbstverständlich der Persönlichkeit und dem Selbstverständnis des Zahnarztes entspricht.

Durch die deutlich veränderten Ansprüche der Patienten und die zahlreichen Reformen im Gesundheitswesen in den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb für Zahnarztpraxen deutlich verstärkt. Eine hochwertige medizinische Leistung und eine moderne technische Ausstattung werden dabei von den meisten Patienten inzwischen als Standard vorausgesetzt. Daneben werden aber längst auch ein angenehm gestaltetes Praxisambiente und ein freundlicher Umgangston erwartet. Wer hier zusätzlich punkten kann, der hat im Wettbewerb um die Patienten schon fast gewonnen. Wichtig ist nur, dass die verschiedenen Aspekte auch überzeugend kommuniziert werden. Ein konsequent durchgehaltenes CI-Konzept bietet dem Zahnarzt die Möglichkeit, die unterschiedlichen Aspekte in einem einheitlichen Erscheinungsbild zusammenzufassen und so das Profil der eigenen Praxis zu stärken.

Gleiche Sprache sprechen

Im Wirtschaftsleben umfasst Corporate Identity den abgestimmten Einsatz von Verhalten, Kommunikation und Erscheinungsbild nach innen und außen, um so eine einheitliche und auf den ersten Blick wiedererkennbare Identität des Unternehmens aufzubauen und zu etablieren. Auf den gleichen Effekt setzte auch Peter Kröncke bei der Eröffnung seines Instituts für kraniofaziale 3D-Diagnostik in Minden. Ausgangspunkt für die Neugründung des Instituts parallel zur eigenen Praxis war die geplante Neuanschaffung eines hochmodernen 3-D-DVT-Röntgengerätes. „Durch den normalen Praxisbetrieb wäre eine solche Anlage nicht zu finanzieren gewesen“, begründet Kröncke den Schritt. „Ähnlich wie in den USA üblich, habe ich daher ein eigenes Institut gegründet, das vollkommen eigenständig von meiner Praxis ist.“

Mit der Planung und Ausstattung des Instituts beauftragte der Zahnarzt die Tischlerei F. & O. Lamm GmbH aus Bielefeld. „Das Unternehmen verfügte dank des hauseigenen Planungs- und Gestaltungsbüros nicht nur über eine große Erfahrung mit unterschiedlichsten Projekten im Bereich Laden-, Gastronomie- und Objektbau, sondern war gleichzeitig in der Lage, das gewählte Gestaltungskonzept auch für das Internet oder für andere Medien umzusetzen“, so Kröncke.

Da die Praxis zu diesem Zeitpunkt noch kein einheitliches Gestaltungskonzept hatte, wurde im Zuge der Planung zunächst ein überzeugendes Corporate-Design-Konzept entwickelt. Der Begriff Corporate Design bezeichnet einen Teilbereich der Corporate Identity und beinhaltet das gesamte visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens. Dazu gehören sowohl die Gestaltung der Kommunikationsmittel wie Logo, Geschäftspapiere, Werbemittel, Internetauftritt als auch die Innenraumgestaltung. Die Gestaltung sämtlicher Elemente des Corporate Design des Instituts in Minden wurde bewusst unter einheitlichen Gesichtspunkten entwickelt, um bei jedem Kontakt einen professionellen Eindruck und einen Wiedererkennungseffekt zu erreichen. „Das bedeutet, dass sich die Firmenfarben, das Firmenlogo und in diesem Fall auch ein geometrisches Motiv auf allen Kommunikationsmitteln wiederfinden“, so Rene Kottmann, Planer und Gestalter der Tischlerei. „Je nach Wunsch lässt sich dieses Konzept dann auch auf andere Bereiche wie zum Beispiel die Bekleidung der Angestellten erweitern. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, wann man aufhören muss, um nicht aufdringlich zu wirken. Denn in einer Zahnarztpraxis werden ja nicht wie in einem Laden Produkte an Kunden verkauft.“

Um eine optimale Lösung für das Institut zu entwickeln, setzten die beiden Planer Rene Kottmann und Miguel Antunes insbesondere auf farbpsychologische Aspekte, um in sämtlichen Räumen eine ruhige und abwechslungsreiche Atmosphäre zu schaffen, die den Patienten Raum lässt und sie nicht einengt. In enger gemeinsamer Absprache mit dem Zahnarzt entstand schließlich ein einheitlich gestaltetes Grundkonzept mit organischen Formen in den CI-Farben weiß und grün. Das moderne Konzept betont die kundenorientierte Ausrichtung des Instituts und spiegelt gleichzeitig seine hochwertige technische Ausstattung mit hochmodernen Geräten zur digitalen Volumentomographie wider. Sämtliche Raumelemente wurden anschließend durch die Tischlerei geplant und selbst gefertigt.

Der Eingangsbereich des Instituts wird dem Konzept entsprechend durch eine geschwungene Empfangstheke bestimmt. Im Wartebereich wurde das Konzept durch eine durchgängig weiße Wandgestaltung mit weißen Designerstühlen und einer atmosphärisch hinterleuchteten Wandöffnung umgesetzt. Im Untersuchungsraum sowie im Besprechungszimmer wurde die Grundfarbe Weiß durch organisch geschwungene Elemente in grüner Farbe ergänzt. In beiden Bereichen wurde wie im Wartezimmer eine indirekte Beleuchtung integriert. Ein schönes Detail ist hier die Strahlenabtrennung des DVT-Gerätes zum angrenzenden Diagnosetisch. Die geschwungene Wand wurde dabei von unten nach oben um 40 Zentimeter versetzt, um die zu bestrahlende Person nicht einzuengen. Die Undurchlässigkeit der Wand gegenüber der Strahlung bleibt dabei erhalten.

Den gleichen Gestaltungsansatz wie die Innenräume der Praxis zeigen auch die neu entwickelte Homepage des Instituts, die Visitenkarten sowie die Praxisschilder. Auch hier dominieren organische Formen und die Farben weiß und grün. „So haben meine Patienten schon im Internet oder vor der Tür einen Eindruck davon, wie die Praxis aussieht und welches Konzept wir hier verfolgen“, ist Kröncke zufrieden.

Ganz auf Rot gesetzt

Ähnlich überzeugend wie das Institut in Minden präsentiert sich die Gestaltung der Zahnarztpraxis von Viktor Gofferjé im schweizerischen Winterthur. In einem ersten Schritt hatte der Zahnarzt zunächst eine Dentalfirma mit der Planung und Ausstattung der neuen Räumlichkeiten beauftragt. Gleichzeitig war es für ihn aber auch wichtig, dass seine Praxis nicht nur funktionalen Ansprüchen genügen, sondern zusätzlich auch eine individuelle Ausstrahlung besitzen sollte. „Unsere familiär-modernes Praxiskonzept sollte sich dabei in allen Teilen der Praxis widerspiegeln“, berichtet Gofferjé rückblickend. „Dazu gehören die offene Architektur, freundliche Farben und der Naturholzfußboden.“

Mit der Umsetzung der innenarchitektonischen Planung wurde das Architekturbüro Spaett aus dem nahe gelegenen Konstanz beauftragt. Aufbauend auf dieser Planung entwickelte der Zahnarzt gemeinsam mit der Agentur Claudiusbähr + friends aus Forchheim ein individuelles Farbkonzept, das im Wesentlichen auf den Farben Rot, Braun und Anthrazit beruht und das durch die Agentur zunächst für Logo, Visitenkarte und Internet eingesetzt wurde. Das gleiche Konzept findet sich aber auch bei der Innenraumgestaltung der Praxis wieder. „Diese einheitliche Sprache war mir besonders wichtig“, so Gofferjé. „Etwa ein Fünftel unserer Patienten informieren sich vorab auf unserer Internetseite. Da ist es natürlich wichtig, dass die Praxis den dort aufgebauten Erwartungen entspricht und auf den ersten Blick wiederzuerkennen ist.“

Aufbauend auf den räumlichen und gestalterischen Vorgaben von Gofferjé entwickelten die Planer einen überzeugenden Grundrissentwurf, der sich maßgeblich an den Arbeitsabläufen, den Verkehrswegen und den räumlichen Anforderungen der technischen Geräte orientiert. Die Herausforderung bestand dabei insbesondere darin, die Räume in ein bestehendes Bürogebäude mit Rundum-Verglasung einzugliedern. Die Planung nutzt die räumlichen Vorgaben, indem im Kern der Praxis ein Zentralmodul in der CI-Farbe Rot als bestimmendes räumliches Element integriert wurde. Der optisch von Decke und Boden losgelöste Kubus fasst die Bereiche Empfang, Sterilisation und Röntgenraum zu einer Einheit zusammen und bietet so eine eindeutige Orientierung im Raum. Die angrenzenden Räume (Sozial-, Büro und Technikraum) wurden ganz bewusst als Spange gestaltet, so dass die Patienten beim Betreten der Praxis direkt auf das Zentralmöbel stoßen und dort in Empfang genommen werden.

Betont wird die warme und freundliche Atmosphäre im Empfangsbereich der Praxis durch einen Fußboden aus geölter Eiche im CI-Ton Braun, der zusammen mit dem warmen Rot des Zentralmoduls ein behagliches Raumklima schafft. Im Zusammenspiel mit dem von zwei Seiten einfallenden Tageslicht sorgt die indirekte Beleuchtung des roten Kubus für einen schwebenden Eindruck und eine ausreichende Helligkeit im Raum. Der gleiche warme Rot-Ton findet sich auch als Gestaltungsmittel auf der Homepage der Praxis. Gleichzeitig wurden dort große Fotos der Praxisräume mit eingefügt. „So haben die Patienten die Praxis schon im Internet direkt vor Augen“, so Gofferjé.

Vom zentralen Empfangsbereich aus gelangen die Patienten zunächst in den Wartebereich der Praxis. Großen Anklang findet hier der aufgestellte Kickertisch – „so kommen die Patenten vor der Behandlung auf ganz andere Gedanken“, so Gofferjé. Ähnlich entspannend präsentieren sich auch die Behandlungsräume der Praxis: Ganz bewusst wurde hier die Behandlungszeile im Rücken der Einheiten platziert, damit die Patienten während der Behandlung die Sicht durch die großen Fensterflächen ins Freie genießen und sich bei Bedarf von den an der Decke installierten Plasma-TV-Bildschirmen ablenken lassen können. Anders als in den übrigen Räumen dominiert hier ein eher kühles Farb- und Materialkonzept. Der CI-Farbton Anthrazit der umlaufenden Brüstungsverkleidung wird dabei von den Polstern der Behandlungsstühle wieder aufgegriffen. In Kontrast dazu steht das Weiß der Funktionsmöbel, das hygienische Sauberkeit vermittelt und Vertrauen erweckt. In den Brüstungen ist eine indirekte Beleuchtung integriert, die zusammen mit der indirekten Beleuchtung an den Wänden für eine ausreichende Helligkeit und Atmosphäre auch ohne Tageslicht sorgt.

Holzwand als Element

Eine weitere gelungene Umsetzung eines modernen Gestaltungskonzepts in Verbindung mit einem eingängigen CI-Konzept zeigt die neu gestaltete Gemeinschafts praxis von Wolfgang Gutwerk und Kollegen in Aschaffenburg. „Ausgangspunkt der Planung war, dass die unterschiedlichen Behandlungsräume der Praxis früher auf drei Ebenen verteilt waren“, wie Gutwerk rückblickend berichtet. „Das war mir inzwischen nach zwanzigjähriger Tätigkeit zu unbequem. Deshalb haben wir gemeinsam entschieden, ins benachbarte Haus umzuziehen und die gesamte Praxis dort kompakt auf einer Ebene unterzubringen.“

Mit dem Wunsch, mit der Planung eine einzigartige Atmosphäre in der Praxis zu schaffen, die auf den ersten Blick die Praxisphilosophie und die Persönlichkeit der Ärzte widerspiegelt, hatten sich die Zahnärzte zuvor an unterschiedlichste Planer und Dentalausstatter gewandt. Ohne greifbares Ergebnis. „Sämtliche Entwürfe verfolgten eine hoffnungslos enge und unangenehme Schlauchsituation“, fasst Gutwerk das ernüchternde Ergebnis zusammen. Durch einen Zufall geriet er schließlich an die Architektin Sabine Breitinger. In enger Zusammenarbeit mit der Möbel-Manufaktur Stattura entwickelte sie ein stimmiges Gesamtkonzept für die 460 Quadratmeter große Praxis. Zentrales Element ist dabei eine organisch gebogene Holzwand, die als zentrale Erschließungsachse durch die gesamte Praxis führt und so eine übersichtliche und ergonomische Wegführung wie Orientierung für den L-förmigen Grundriss der Praxis schafft. „Die Planung hat mich auf Anhieb überzeugt“, so Gutwerk, „denn statt des zuvor angedachten Schlauches ergab sich plötzlich eine überraschend dynamische Raumsituation.“

Das Farbkonzept der neu gestalteten Räumlichkeiten zeigt die gleiche Sprache wie sämtliche übrigen Medien der Praxis. Die dominierende Farbe in sämtlichen Räumen ist danach Weiß. Akzente setzen die gezielt eingesetzten Farbtöne Meerblau, das ebenso aus den CI-Farben der Praxis rührt, sowie Silber, das für die moderne High-Tech-Ausstattung steht und das auf der Homepage sowie der Geschäftsausstattung durch ein Logo in Form eines durch Gitterlinie dargestellten Zahnmodells aufgegriffen wird. Um nicht zu kühl zu wirken, wird das Farbkonzept durch helle, behagliche Holztöne und das frische Grün der großen Bilder in den Räumen ergänzt. Als weiteres Element zu Schaffung einer angenehmen Atmosphäre tragen sämtliche Mitarbeiter der Praxis Kleidung in einem angenehmen Rot-Ton. Darüber hinaus setzt Gutwerk ganz gezielt auf den Einsatz von Aromatherapie, um so den unangenehmen Praxisgeruch durch möglichst angenehme Düfte zu ersetzen.

Im Eingangsbereich der Praxis dominiert zunächst eine große Glastür, die durch eine seitlich beleuchtete Präsentationswand hell und freundlich wirkt. Unmittelbar anschließend trifft der Blick auf die lichtdurchflutete opake Glaswand des Prophylaxeraums im Bereich des Eingangs. Direkt angrenzend schließt die gebogene Holzwand an, die in weitem Bogen und unterstützt durch den silbrigen Fußboden wie ein gebogener Silberschweif als „roter Faden“ durch die Praxis führt. Zunächst gelangen die Patienten dabei in den modern gestalteten Empfangsbereich. Akzente setzen hier die hinterleuchtete, ebenfalls gebogene Rezeption und der elliptische Deckenausschnitt direkt darüber.

Weiter entlang des Wandbogens, der in der warmen, hinterleuchteten Holzwand weiterführt, gelangen die Patienten anschließend in das eigentliche Herz der Praxis, den großzügigen Wartebereich. Die Patienten sitzen hier frei um beleuchtete niedrige Tische, gleichzeitig schaffen raumhohe Pflanzenbilder eine angenehme Atmosphäre. Zusätzlich sind ein Fernseher sowie eine Beamer-Anlage mit ausfahrbarer Leinwand vorhanden, so dass die Patienten sich während der Wartezeit entspannende Landschaften und Tierfilme ansehen können. „Daneben kann ich das Wartezimmer als Raum für Vorträge nutzen“, so Gutwerk. „Mit entsprechender Bestuhlung finden hier 40 bis 50 Zuhörer Platz.“

Vom Wartezimmer aus führt der Wandbogen anschließend vorbei zu den vorgelagerten, durch transparente Raumschiebetüren dezent abgetrennten Besprechungszimmern. Große Nummerierungen schaffen hier wie an allen anderen Patientenräumen Klarheit darüber, wo man sich gerade befindet. Im Anschluss an die Besprechungsräume liegen die Behandlungsräume, die durch ihre hellen Holzoptikböden und die französischen Balkonfenster Atmosphäre und Behaglichkeit ausstrahlen. „Für mich ist diese räumliche Trennung zwischen den Bereichen Besprechung und Untersuchung sehr wichtig“, so Gutwerk. „Denn so kann ich mit den Patienten auf Augenhöhe sämtliche Maßnahmen besprechen.“

Ihren Abschluss findet die Bogenwand schließlich im großen OP-Bereich, dem drei weitere Behandlungsräume angeschlossen sind. Aber auch hier muss nicht auf angenehme Materialien verzichtet werden. Während der PVC-Boden, bedingt durch die Nutzung, in einem Silberton gehalten wurde, weist die Möblierung die helle Holzoptik auf. Noch angenehmer präsentiert sich der mit bequemen Ledersitzschalen gestaltete Aufwachraum. „Die Patienten haben so fast das Gefühl, in einer bequemen Lounge aufzuwachen“, so Gutwerk.

Robert Uhde
Grenadierweg 39
26129 Oldenburg
robertuhde@aol.com



Mehr zum Thema


Anzeige
Werblicher Inhalt