pr/IDZ
16.11.06 / 00:14
Heft 22/2006 Titel
DMS IV

Das Großprojekt der Zahnärzte

70 Prozent der Zwölfjährigen haben ein kariesfreies Gebiss. Erwachsene und Senioren behalten ihre eigenen Zähne immer länger. Parodontalerkrankungen und Wurzelkaries sind auf dem Vormarsch. Und die Kariespolarisierung hat sich verstärkt. Dies sind die Kernergebnisse der vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV) des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Die Studie bietet eine wissenschaftliche Grundlage, auf der die gesundheitspolitische Diskussion über zukünftige Versorgungskonzepte aufbauen kann.




Höchst erfreuliche Ergebnisse weist die Studie bei den Kindern und Jugendlichen auf. Im Vergleich zur vorangegangenen dritten Mundgesundheitsstudie (DMS III) aus dem Jahr 1997 ist bei Kindern ein deutlicher Rückgang der Karieserfahrung um 58,8 Prozent zu registrieren. Zwölfjährige haben heute im Durchschnitt nur noch 0,7 Zähne mit Karieserfahrung. 1997 lag der Wert bei 1,7. 70,1 Prozent der Kinder und 46,1 Prozent der Jugendlichen haben ein völlig gesundes Gebiss ganz ohne Karies, Füllungen oder kariesbedingte Extraktionen.

Als Ursachen für den deutlichen Kariesrückgang hat die DMS IV regelmäßige Zahnarztbesuche und eine Ausweitung der Fissurenversiegelung im Rahmen der zahnärztlichen Individualprophylaxe identifiziert. Mindestens eine Fissurenversiegelung war bei 71,7 Prozent der Kinder und bei 74,8 Prozent der Jugendlichen vorhanden.

Doch es gibt auch einen Wehrmutstropfen. Die Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen hat sich zwar in allen Sozialschichten verbessert. Dennoch haben Angehörige der verschiedenen Sozialschichten weiterhin eine sehr unterschiedliche Karieserfahrung. Die Kariespolarisation (Schieflage in der Kariesverteilung) zeigt, dass bei 10,2 Prozent der untersuchten Zwölfjährigen 61,1 Prozent der Gesamtkarieserfahrung der Altersgruppe liegt. Bei den Jugendlichen vereinigen 26,8 Prozent der untersuchten 15-Jährigen 79,2 Prozent der Karieserfahrung auf sich. Die zu den Risikogruppen gehörenden Kinder und Jugendlichen haben einen DMFT-Wert größer als zwei. Vertiefende Analysen innerhalb der Risikogruppe der Kinder haben weitere Differenzierungen gezeigt: Das Risiko, an Karies zu erkranken, ist für Kinder mit der Merkmalskombination „Deutschland- Ost“ und „keine Fissurenversiegelung“ um den Faktor 7,2 höher als für Kinder mit der Merkmalskombination „Deutschland-West“, „versiegelte Backenzähne“ und „Besuch von Gymnasium oder Realschule“.

Der DMFT-Index sagt zunächst nichts darüber aus, ob eine unbehandelte Karies vorliegt oder ob die Zähne saniert, also zahnmedizinisch versorgt sind. Der sogenannte Kariessanierungsgrad, der wesentlicher Indikator der Versorgung der Bevölkerung mit zahnärztlichen Dienstleistungen ist, liegt aber in beiden Altersgruppen auf hohem Niveau. Er beträgt bei den Kindern 78,1 Prozent und bei den Jugendlichen 79,8 Prozent.

Weniger Karies bei Erwachsenen

Bei den Erwachsenen verzeichnet die DMS IV erstmalig einen deutlichen Rückgang der Karieserfahrung: Der Kariesindex ist von 16,1 im Jahr 1997 auf 14,5 im Jahr 2005 gefallen. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass heute deutlich weniger Zähne als früher wegen Karies extrahiert werden. Allerdings ist im Gegenzug die Wurzelkaries um 9,7 Prozentpunkte angestiegen. 21,5 Prozent der Erwachsenen haben mindestens eine kariöse oder gefüllte Wurzelfläche.

Die Häufigkeit von Karies hat sich in den alten und neuen Bundesländern seit 1997 stark angeglichen. Das individuelle Erkrankungsrisiko wird aber auch von sozialen Faktoren beeinflusst. Der Kariessanierungsgrad zeigt bei den Erwachsenen ein außerordentlich hohes Niveau. Durchschnittlich 95,6 Prozent der an Karies erkrankten Zähne sind in Gesamtdeutschland versorgt.

Wie bei den Erwachsenen ist auch bei den Senioren der Kariesindex erstmalig gesunken: Während er im Jahr 1997 noch bei 23,6 lag, betrug er im Jahr 2005 22,1. Auch hier liegt die Ursache darin, dass heute deutlich weniger Zähne als früher wegen Karies extrahiert werden. Da immer mehr Zähne erhalten werden, ist allerdings die Wurzelkaries als besondere Erkrankungsform stark, nämlich um 29,5 Prozentpunkte, angestiegen. Das heißt, dass 45 Prozent der untersuchten Senioren mindestens eine kariöse oder gefüllte Wurzelfläche haben. Auch bei den Senioren zeigt der Kariessanierungsgrad ein außerordentlich hohes Niveau von 94,8 Prozent.

Parodontitis schreitet voran

Das Risiko für Parodontalerkrankungen steigt mit dem Lebensalter. Das macht die DMS IV ganz deutlich. Der Schweregrad einer Parodontitiserkrankung wird mittels des sogenannten CPI-Indexes (Community Periodontal Index) gemessen. Von einer mittelschweren Parodontitis spricht man, wenn Zahnfleischtaschen von 4 bis 5 mm Tiefe vorliegen (CPI-Index Grad 3). Eine schwere Parodontitis liegt bei einer Taschentiefe von 6 mm oder mehr vor (CPIIndex Grad 4).

Die Erkrankungsrate ist den Studienergebnissen zufolge bei Jugendlichen deutlich niedriger als bei Erwachsenen. Gleichwohl leiden unter den 15-jährigen Jugendlichen immerhin 12,6 Prozent an einer mittelschweren und 0,8 Prozent an einer schweren Parodontitis. Unter den 35- bis 44-Jährigen ist Parodontitis bereits sehr weit verbreitet. 52,7 Prozent der Altersgruppe leiden unter einer mittelschweren und 20,5 Prozent unter einer schweren Form der Erkrankung. Das bedeutet eine deutliche Zunahme um 26,9 Prozentpunkte seit 1997. Ein Grund für die Negativentwicklung ist der an sich sehr positive Umstand, dass bei Erwachsenen heute weniger Zähne durch Karies verloren gehen, die erhaltenen Zähne aber mit zunehmendem Lebensalter ein steigendes Risiko für parodontale Erkrankungen bedeuten.

Neben dem Lebensalter sind auch andere Faktoren für das Erkrankungsrisiko ausschlaggebend, wie die Studie gezeigt hat. So erkranken Männer häufiger als Frauen an schwerer Parodontitis. Auch Konsumgewohnheiten und Sozialstatus beeinflussen das Risiko. Ein Raucher mit einfacher Schulbildung hat ein um den Faktor 3,3 erhöhtes Risiko, an einer schweren Parodontitis zu erkranken. Darüber hinaus ist ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Ausmaß einer Parodontitis festzustellen, was aber wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt ist.

Unter den Senioren ist die Parodontitis am weitesten verbreitet. 48,0 Prozent sind von einer mittelschweren, und 39,8 Prozent von einer schweren Ausprägung der Krankheit betroffen. Das entspricht einer Zunahme von 23,7 Prozentpunkten im Vergleich zu 1997. Hier zeigt sich auch am deutlichsten der Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Zahnverluste und der Zunahme von Parodontalerkrankungen.

Weniger Zahnverluste

Erwachsene erleiden im Vergleich zu 1997 weniger Zahnverluste. Durchschnittlich fehlen den 35- bis 44-Jährigen heute 2,7 Zähne. 1997 betrug der Wert noch 4,2. Die Zahl noch vorhandener Zähne hat sich damit bei den Erwachsenen erstmals deutlich erhöht. Völlige Zahnlosigkeit (im Ober- und Unterkiefer) ist in der Altersgruppe bei einem Prozent der Untersuchten festgestellt worden, die aber alle mit Zahnersatz versorgt waren. Zahnverluste werden bei Erwachsenen heute überwiegend mit festsitzendem Zahnersatz wie Kronen, Brücken und Implantatkonstruktionen therapiert. Im Rahmen der DMS III war implantatgetragener Zahnersatz in dieser Altersgruppe noch keine statistisch messbare Größe. Im Jahr 2005 hatten bereits 1,4 Prozent der Erwachsenen wenigstens ein Implantat. Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass nur 48,5 Prozent der verloren gegangenen Zähne überhaupt durch zahnprothetische Maßnahmen ersetzt worden waren. Aufschlussreich sind die Zahlen bei Senioren. Die Zahl der durchschnittlich fehlenden Zähne ist von 17,6 Zähnen im Jahr 1997 auf 14,2 Zähne im Jahr 2005 gesunken. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Personen mit totaler Zahnlosigkeit von 24,8 Prozent auf 22,6 Prozent zurückgegangen. Fehlende Zähne wurden zu 88,7 Prozent prothetisch ersetzt. Nach wie vor überwiegen bei Senioren herausnehmbare Formen von Zahnersatz, also Teil- oder Vollprothesen. Allerdings gibt es auch in dieser Altersgruppe einen klaren Trend zu festsitzendem Zahnersatz. Besonders auffällig ist, dass die Zahl von Implantatversorgungen seit 1997 auf mehr als das Dreifache angestiegen ist. Während damals nur 0,7 Prozent der Untersuchten Implantatkonstruktionen trugen, waren es im Jahr 2005 bereits 2,6 Prozent.

Verbesserte Mundhygiene

In den letzten Jahren ist ein gesteigertes Bewusstsein weiter Bevölkerungskreise für den Wert gesunder und schöner Zähne festzustellen. Entsprechend dokumentiert auch die DMS IV eine deutliche Verbesserung des Zahn- und Mundhygieneverhaltens im Vergleich zu 1997. Bei der Untersuchung der Zahnpflegegewohnheiten gaben 74,2 Prozent der Kinder und 73,4 Prozent der Jugendlichen an, zweimal täglich die Zähne zu putzen. Unter den Erwachsenen liegt der Wert bei 72,8 Prozent, in der Seniorengruppe bei 60,6 Prozent. Dabei kommen neben der Zahnbürste (manuell oder elektrisch) und der Zahnpasta vor allem zusätzlich der zuckerfreie Kaugummi (nicht bei den Senioren), das Mundwasser/Mundspüllösungen und teilweise (insbesondere in der Erwachsenengruppe) die Zahnseide zum Einsatz. Mehr als zwei Drittel der Befragten in allen vier Altersgruppen sind dabei der Überzeugung, dass man selbst „sehr viel“ beziehungsweise „viel“ tun könne, um seine Mundgesundheit zu erhalten.

Der regelmäßige Zahnarztbesuch (mindestens einmal pro Jahr) ist in allen Altersgruppen fester Bestandteil des Mundgesundheitsverhaltens. 76,0 Prozent der Kinder und 66,2 Prozent der Jugendlichen gehen nach eigenen Angaben regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung. Bei den Erwachsenen sind es 76,1 und bei den Senioren 72,2 Prozent.  

Die Zahnarztbindung ist außerordentlich stark ausgeprägt: Durchschnittlich 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie „immer zu demselben Zahnarzt“ gehen würden. Lediglich 7,5 Prozent der Kinder und 10,4 Prozent der Jugendlichen führten im Fragebogen aus, dass sie entweder keinen festen Zahnarzt oder überhaupt keinen Zahnarzt haben. Unter den Erwachsenen gaben dies 9,2 Prozent und bei den Senioren 6,0 Prozent an.

Mehr Lebensqualität

Messungen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind heutzutage ein fester Bestandteil der medizinischen Ergebnisbetrachtung. Die Zahnmedizin konzentriert sich dabei auf die orale Lebensqualität, die der Patient durch das subjektive Erleben der Mundgesundheit selbst beschreibt. Als international anerkanntes Erhebungsinstrument steht hier das Oral Health Impact Profile (OHIP) zur Verfügung.

Im Rahmen der DMS IV haben Erwachsene und Senioren einen Fragebogen zur oralen Lebensqualität bearbeitet. Die Auswertung hat gezeigt, dass Mundgesundheitsprobleme insgesamt nur schwach ausgeprägt sind. Am häufigsten waren die Angaben „unangenehm, bestimmte Nahrungsmittel zu essen“ und „Schmerzen im Mundbereich“. Diese Probleme wurden von vier bis fünf Prozent der Erwachsenen und Senioren mit „oft“ oder „sehr oft“ zu Protokoll gegeben.

Die DMS IV hat überdies ergeben, dass sich Personen mit unterschiedlichen Kariesschweregraden nur recht wenig und Personen mit unterschiedlichen Parodontitisschweregraden im Wesentlichen gar nicht in der Wahrnehmung ihrer oralen Lebensqualität unterscheiden. Eine deutlich andere Ergebnislage zeigt sich allerdings im Bereich der zahnprothetischen Versorgung, wo sich die OHIP-Werte sehr stark nach der Art des eingegliederten Zahnersatzes unterscheiden. Hier hat die Versorgungsform einen wesentlichen Einfluss auf die orale Lebensqualität.

Sozialfaktoren bedeutsam

Von dem generellen Trend zur Verbesserung der Mundgesundheit profitieren alle Bevölkerungsgruppen, auch solche mit niedrigem Sozialstatus. Dennoch steht laut DMS IV das individuelle Erkrankungsrisiko weiterhin in engem Zusammenhang mit der sozialen Schichtung. Die Verteilung der Zahnerkrankungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen weist sogar eine stärkere Polarisation als 1997 auf: Personen mit einem niedrigeren Bildungsstatus (als Indikator sozialer Schichtzugehörigkeit) verhalten sich weniger gesundheitsorientiert und leiden in höherem Maße an Erkrankungen.

Polarisierung verschärft

Exemplarisch lässt sich das anhand der Karies bei Kindern aufzeigen. 1997 waren 61 Prozent aller Karieserkrankungen auf rund 22 Prozent der Kinder verteilt. (Zu dieser Risikogruppe gehören alle Zwölfjährigen mit mehr als zwei kariösen, gefüllten oder wegen Karies fehlenden Zähnen.)

In 2005 konzentrierte sich die gleiche Karieslast auf nur noch 10,2 Prozent der Kinder. Die Risikogruppe ist also deutlich kleiner geworden, innerhalb der Risikogruppe ist das Ausmaß der Karies aber im Gegensatz zum Durchschnitt der Altersgruppe seit 1997 nicht nennenswert zurückgegangen. Die Kariespolarisierung hat sich demnach verschärft. 

Auch in der Erwachsenengruppe wird sichtbar, dass das Risiko für Karieserkrankungen bei Personen mit niedrigem Bildungsstatus wesentlich höher ist. Noch augenfälliger zeigt sich die Polarisation allerdings bei schweren Paradontalerkrankungen. Erwachsene mit niedrigem Bildungsstatus erkranken fast 2,5-mal so häufig an einer schweren Parodontitis wie solche mit hohem Bildungsstatus.

In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen wird die Abhängigkeit der Mundgesundheit von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bildungsschicht am deutlichsten bei der Anzahl der fehlenden Zähne. Senioren mit niedriger Schulbildung fehlen durchschnittlich 16,0 Zähne (ohne Weisheitszähne), während es bei Untersuchten mit hohem Bildungsstatus nur 8,6 Zähne sind.


Zahnverlust und totale Zahnlosigkeit bei Senioren im Vergleich von 1997 und 2005
Zahnverlust und totale Zahnlosigkeit
1997 2005
Durschnittliche Zahl der fehlenden Zähne 17,6 14,2
Anteil der Senioren mit totaler Zahnlosigkeit 24,8 %


Internationaler Vergleich zur Karieserfahrung (DMFT-Index) bei zwölfjährigen Kindern Quelle: WHO Global Oral Data Bank, 2006, und eigene Dateien 1) fluoridiertes Trinkwasser/ nicht-fluoridiertes Trinkwasser 2) Elfjährige 3) Zwölf- bis 15- Jährige
Karieserfahrung bei Zwölfjährigen
Land Jahr DMFT
Australien 2000 0,8
Belgien 2001 1,1
Belize 1999 0,6
Brasilien 1996 3,1
China 1995/1996 1,0
Dänemark 2003 0,9
Deutschland (DMS IV) 2005 0,7
Estland 1998 2,7
Finnland 2000 1,2
Frankreich 1998 1,9
Griechenland 2000 2,2
Großbritannien (England und Wales) 2000–2001 0,9
Irland 2002 1,1/1,3 1)
Island 1996 1,5
Israel 2002 1,7
Italien 2) 2003 1,2
Japan 1999 2,4
Kroatien 1999 3,5
Kuba 1998 1,4
Lettland 2002 3,5
Litauen 2001 3,6
Niederlande (Den Haag) 2002 0,8
Norwegen 2000 1,5
Österreich 2002 1,0
Polen 2000 3,8
Portugal 1999 1,5
Russland 1985–1995 3,7
Schweden 2002 1,1
Schweiz (Kanton Zürich) 2000 0,9
Slowenien 1998 1,8
Spanien 2000 1,1
Südafrika 1999–2002 1,1
Tschechien 2002 2,5
Ungarn 1996 3,8
USA 3) 1999–2002 1,8


Internationaler Vergleich zur Karieserfahrung (DMFT-Index) bei 15-jährigen Jugendlichen Quelle: WHO, Global Oral Data Bank, 2006, und eigene Dateien 1) fluoridiertes Trinkwasser/nicht-fluoridiertes Trinkwasser 2) Zwölf- bis 15-Jährige
Karieserfahrung bei Fünfzehnjährigen
Land Jahr DMFT
Australien 2000 1,9
China 1995/1996 1,4
Dänemark 2003 2,1
Deutschland (DMS IV) 2005 1,8
Finnland 1991 3,0
Frankreich 1991 4,9
Irland 2002 2,1/3,2 1)
Island 1996 3,1
Japan 1993 6,6
Lettland 1993 8,1
Litauen 2001 5,1
Schweiz (Kanton Zürich) 2000 1,6
Slowenien 1998 4,3
Südafrika 1999–2002 1,9
Tschechien 1998 5,0
USA 1992–1994 2,6
1999–2002 1,8 2)


Internationaler Vergleich zu Zahnverlust und Zahnlosigkeit bei Erwachsenen (35 bis 44 Jahre) und Senioren (65 bis 74 Jahre) Quelle: WHO, Global Oral Data Bank, 2006, und eigene Dateien 1) 65-Jährige 2) 30- bis 39-Jährige 3) 67- bis 74-Jährige 4) 65-Jährige und Ältere 5) 70- bis 79-Jährige 6) 30- bis 34-Jährige 7) 35- bis 39-Jährige 8) 40- bis 44-Jährige
Parodontalerkrankungen bei 35- bis 44-Jährigen
Land mittelschwere Parodontalerkrankung (CPI 3) in Prozent  
schwere Parodontalerkrankung (CPI 4) in Prozent
Australien 24 13
Belgien Dänemark 34 29 30 6
Deutschland (DMS IV) Finnland 53 29 20 6
Frankreich 13 10
Griechenland 20 6
Irland 13 2
Italien 36 12
Japan Niederlande 48 48 8 7
Norwegen Polen 57 19 8 6
Russland 54 29
Spanien Türkei 13 29 1 6
Ungarn USA 22 38 3 20
Großbritannien 62 13
Internationaler Vergleich zu mittelschweren und schweren Parodontalerkrankungen bei 35- bis 44-jährigen Erwachsenen Quelle: WHO, Global Oral Data Bank, 2006 und eigene Dateien  


Internationaler Vergleich zu Zahnverlust und Zahnlosigkeit bei Erwachsenen (35 bis 44 Jahre) und Senioren (65 bis 74 Jahre) Quelle: WHO, Global Oral Data Bank, 2006, und eigene Dateien 1) 65-Jährige 2) 30- bis 39-Jährige 3) 67- bis 74-Jährige 4) 65-Jährige und Ältere 5) 70- bis 79-Jährige 6) 30- bis 34-Jährige 7) 35- bis 39-Jährige 8) 40- bis 44-Jährige
Zahnverlust und Zahnlosigkeit bei Erwachsenen und Senioren
Land Anzahl fehlender
Zähne
Totale
Zahnlosigkeit
Altersgruppen
35-44
Jahre
Ø
65-74
Jahre
Ø
35-44
Jahre
%
65-74
Jahre
%
Dänemark (2000–2001) 3,9 12,0 3,9 27,0
Deutschland/West (2005) DMS IV 2,6 13,8 0,9 22,6
Deutschland/Ost (2005) DMS IV 3,3 15,6 1,4 22,9
Deutschland gesamt (2005) DMS IV 2,7 14,2 1,0 22,6
Finnland (1978–1980; 1994–1998) 14,0 3,6 41,0
Frankreich (1995) 16,9 16,3
Griechenland (1998) 25,01)
Irland (1990; 1989) 6,8 4,1 48,3
Italien (1995; 1993) 1,52) 18,8 12,8
Niederlande (1986) 4,6 13,9 3,3 65,2-65,6
Norwegen (1996–1999; 2000) 13,5 40,03)
Österreich (2000; 1992) 2,2 18,1 14,9
Polen (1993; 1991) 10,9 25,4 35,5
Slowenien (1998) 5,2 19,2 16,04)
Schweiz (1988; 1999) 3,72) 17,6 15,05)
USA (1999–2002; 1995–1997) 2,66) 13,8 22,9
USA (1999–2002) 4,07)
USA (1999–2002) 7,98)


Sozialschichtabhängigkeit* ausgewählter Oralbefunde nach Altersgruppen in der DMS IV * nach Schulbildungs-Index; bei Kindern und Jugendlichen Schulbildung der Eltern ** ohne Weisheitszähne
Sozialschichtabhängigkeit ausgewählter Oralbefunde
niedrig mittel hoch
Kinder
Karieserfahrung (DMFT) Kariessanierungsgrad
0,8 Zähne 73,9 % 0,7 Zähne 79,1 % 0,5 Zähne 82,7 %
Jugendliche
Karieserfahrung (DMFT) Kariessanierungsgrad
2,1 Zähne 76,6 % 1,8 Zähne 79,9 % 1,4 Zähne 85,0 %
Erwachsene
Karieserfahrung (DMFT) Kariessanierungsgrad PAR-Schweregrad 4 (im CPI) durchschnittliche Anzahl fehlender Zähne**
15,6 Zähne 93,9 % 32,9 % 4,0 Zähne 15,1 Zähne 95,4 % 19,1 % 3,0 Zähne 12,9 Zähne 96,9 % 13,4 % 1,5 Zähne
Senioren Karieserfahrung (DMFT) Kariessanierungsgrad PAR-Schweregrad 4 (im CPI) durchschnittliche Anzahl fehlender Zähne** völlige Zahnlosigkeit 23,0 Zähne 94,2 % 39,1 % 16,0 Zähne 28,1 % 20,6 Zähne 95,3 % 36,6 % 11,1 Zähne 9,9 % 19,3 Zähne 96,4 % 44,9 % 8,6 Zähne 5,6 %

Auf einen Blick

Die wichtigsten Ergebnisse der DMS IV

Rückgang in allen Altersgruppen:

Kinder (Zwölfjährige) haben im Durchschnitt 0,7 Zähne mit Karieserfahrung. Das bedeutet, dass statistisch betrachtet 0,7 Zähne kariös, gefüllt oder aufgrund einer Karies bereits verloren gegangen sind. Bei den Jugendlichen (15-Jährige) beträgt der Wert 1,8, bei den Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) 14,5 und bei den Senioren (65- bis 74-Jährige) 22,1 Zähne. 70,1 Prozent der Kinder und 46,1 Prozent der Jugendlichen haben ein Gebiss ganz ohne Karieserfahrung.

Bessere Kinderzähne durch Prävention:

Im Vergleich zu 1997 ist für die Kinder ein deutlicher Rückgang der Karieserfahrung um 58,8 Prozent (von 1,7 auf 0,7 Zähne) festzustellen. Wesentliche Ursachen sind regelmäßige zahnärztliche Kontrolluntersuchungen und eine Zunahme der Fissurenversiegelung.

Polarisierung verstärkt: 10,2 Prozent der Kinder haben mehr als zwei kariös befallene Zähnen und vereinigen damit 61,1 Prozent der Karieserfahrung auf sich. Bei den Jugendlichen konzentrieren sich 79,2 Prozent der Karieserfahrung auf 26,8 Prozent der Untersuchten.

Erstmaliger Rückgang bei Erwachsenen und Senioren:

Seit 1997 hat sich die Karieserfahrung bei den Erwachsenen aus den alten und den neuen Bundesländern deutlich angeglichen. Wesentlich weniger Zähne mussten aufgrund von Karies extrahiert werden. Allerdings ist die Wurzelkaries stark angestiegen (bei Erwachsenen um 9,7 Prozentpunkte und bei Senioren um 29,5 Prozentpunkte), da erhaltene Zähne mit zunehmendem Alter ein wachsendes Risiko für Wurzelkaries aufweisen.

Hoher Kariessanierungsgrad:

Der Kariessanierungsgrad liegt bei den Kindern und Jugendlichen auf hohem Niveau (zwischen 78,1 Prozent und 79,8 Prozent) und bei Erwachsenen und Senioren auf außerordentlich hohem Niveau (95,6 Prozent beziehungsweise 94,8 Prozent).

Parodontalerkrankungen

Deutliche Zunahme: Mittelschwere und schwere Parodontalerkrankungen haben bei Erwachsenen und Senioren seit 1997 um 26,9 Prozentpunkten beziehungsweise 23,7 Prozentpunkte zugenommen. Grund ist der an sich positive Umstand, dass bei diesen Altersgruppen weniger Zähne durch Karies verloren gehen, die erhaltenen Zähne aber mit zunehmendem Lebensalter ein steigendes Risiko für parodontale Erkrankungen aufweisen.

Betroffenheit weiter Bevölkerungsteile:

Parodontalerkrankungen sind weit verbreitet. Unter den Erwachsenen leiden 52,7 Prozent unter mittelschweren und 20,5 Prozent unter schweren Formen der Parodontitis. Bei den Senioren sind 48,0 Prozent von einer mittelschweren und 39,8 Prozent von einer schweren Erkrankung betroffen.

Besondere Risikofaktoren:

Schwere Formen der Parodontitis sind bei Männern häufiger als bei Frauen anzutreffen. Rauchen begünstigt Parodontalerkrankungen. Auch ein niedriger Bildungsstatus erhöht das Erkrankungsrisiko. Bei Erwachsenen haben Raucher mit einfacher Schulbildung im Vergleich zum Durchschnitt der Altersgruppe ein um den Faktor 3,3 höheres Risiko, an einer schweren Parodontitis zu erkranken. Ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und Parodontitis ist festzustellen.

Zahnverlust und Zahnersatz

Rückläufigkeit von Zahnverlusten:

Durchschnittlich fehlen einem Erwachsenen heute 2,7 Zähne. 1997 betrug der Wert noch 4,2. Bei der Seniorengruppe fehlen im Durchschnitt 14,2 Zähne gegenüber 17,6 in 1997. Die totale Zahnlosigkeit ist bei Senioren im gleichen Zeitraum von 24,8 Prozent auf 22,6 Prozent zurückgegangen.

Trend zu hochwertigem Zahnersatz:

Zahnverluste sind bei den Erwachsenen heute überwiegend durch festen Zahnersatz versorgt. Bei den Senioren überwiegen nach wie vor herausnehmbare Versorgungen. Allerdings gibt es auch hier eine deutliche Tendenz zu festsitzendem Zahnersatz und mehr Implantaten.

Sozialmedizische Ergebnisse

Positives Mundpflegeverhalten:

74,2 Prozent der Kinder, 73,4 Prozent der Jugendlichen, 72,8 Prozent der Erwachsenen und 60,6 Prozent der Senioren gaben an, zweimal täglich die Zähne zu putzen.

Regelmäßiger Zahnarztbesuch: 76,0 Prozent der Kinder, 66,2 Prozent der Jugendlichen, 76,1 Prozent der Erwachsenen und 72,2 Prozent der Senioren gehen nach eigenen Angaben regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung. Die Zahnarztbindung ist außerordentlich stark ausgeprägt: Durchschnittlich 90 Prozent der Befragten gaben zu Protokoll, dass sie „immer zu demselben Zahnarzt“ gehen würden. pr/IDZ

Sozialfaktoren bedeutsam

Von dem generellen Trend zur Verbesserung der Mundgesundheit profitieren alle Bevölkerungsgruppen, auch solche mit niedrigem Sozialstatus. Dennoch steht laut DMS IV das individuelle Erkrankungsrisiko weiterhin in engem Zusammenhang mit

Bezugsquelle

Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV). Neue Ergebnisse zu oralen Erkrankungsprävalenzen, Risikogruppen und zum zahnärztlichen Versorgungsgrad in Deutschland 2005

Herausgeber: Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Gesamtbearbeitung: Wolfgang Micheelis, Ulrich Schiffner. Mit Beiträgen von Thomas Hoffmann, Mike John, Thomas Kerschbaum, Wolfgang Micheelis, Peter Potthoff, Elmar Reich, Ursula Reis, Florian Reiter, Ulrich Schiffner, Ernst Schroeder   

IDZ-Materialienband 31
Deutscher Zahnärzte Verlag DÄV 2006
ISBN 10: 3-934280-94-3
ISBN 13: 978-3-934280-94-3
Bezugspreis: 49,95 Euro

Eine allgemeinverständliche Kurzfassung der DMS IV wird voraussichtlich ab 21. November als Download im Internet bereitstehen unter http://www.kzbv.de oder http://www.bzaek.de



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