zm
16.01.16 / 00:01
Heft 02/2016 Titel
Kariesprophylaxe beim Kleinkind

Das Modell Mönchengladbach

Fluoridtabletten: für Zahnärzte und Ärzte lange ein absolutes Reizthema. Denn diametrale Verordnungsempfehlungen verunsichern Eltern - und frustrieren Mediziner. Auch in Mönchengladbach. Doch die Kinder- und Zahnärzte wollen das hier nicht hinnehmen. Sie gründen die Aktion ZIMKid - und zeigen, wie man zusammen die kindliche Zahngesundheit verbessern kann.




Mönchengladbach ist wahrscheinlich die erste deutsche Stadt, die flächendeckend die internationalen Fluoridrichtlinien für Kleinkinder umsetzt. Begründet ist dies im Engagement der „Zahnärzte Initiative Mönchengladbach“, kurz ZIM, der fast 95 Prozent der dort niedergelassenen Zahnärzte angehören. Der Initiative ist es ein besonderes Anliegen, Medizin und Zahnheilkunde intensiv zu vernetzen.

"ZIM trifft …"

Deshalb findet mit der Fortbildungsreihe „ZIM trifft …“ regelmäßig ein kollegialer Austausch der ortsansässigen Ärzteschaft statt. Anlass war 2008 die damalige Unzufriedenheit beider Gruppen mit den sich widersprechenden Fluoridempfehlungen der Berufsverbände. Denn Geburtskliniken und Kinderärzte verordneten Fluoridtabletten, vor deren Einnahme Zahnärzte vehement warnten – ein Zustand, der Eltern verunsicherte. Auf der ersten Veranstaltung mit dem Thema „Das Fluorid-Konzept – Prophylaxe ist mehr als Fluoridierung“ trat Prof. Dr. Thomas Attin, Leiter der Abteilung Zahnerhaltung und Kariologie der Universität Zürich, als Hauptreferent auf.

Als „Wahl-Schweizer“ ist er in keine der beiden nationalen Berufsverbände eingebunden konnte deshalb auch eine vermittelnde Moderatorenrolle übernehmen. Gleichsam warnte er, die frühkindliche Karies auf das Thema Fluorid zu minimieren – Karies sei keine Fluoridmangelerkrankung. Falls beide Gruppen ernsthaft an einer Verbesserung der örtlichen Zahngesundheit interessiert seien, bedürfe es weiterreichender Maßnahmen.

Die der Veranstaltung folgende Diskussion war emotional und intensiv. Am Ende kristallisierte sich ein Maßnahmenkatalog heraus, mit den bis heute praktizierten Inhalten:

  • Alle Geburtskliniken sowie alle Kinder- und Jugendärzte der Stadt verordnen keine Fluoridtabletten mehr!
  • Alle Geburtskliniken sowie alle Kinder- und Jugendärzte der Stadt verordnen keine Fluoridtabletten mehr!
  • Alle Kinder- und Jugendärzte informieren die Eltern mit der „U5“ im sechsten Lebensmonat über die frühkindliche Karies. Unterstützend überreichen sie einen von der KZV Nordrhein entwickelten Kinderzahnpass, der mögliche Prophylaxemaßnahmen in den ersten sechs Lebensjahren ansprechend illustriert – mit der Aufforderung, schon in diesem Alter einen Zahnarzt zu konsultieren.
  • Dann untersuchen die Zahnärzte, wenn möglich, das erst sechs Monate alte Kind und informieren die Eltern weitergehend, erheben eine Fluoridanamnese und übernehmen die Verantwortung für die folgenden Fluoridierungsmaßnahmen.

Seither organisieren sich die Zahnärzte und Kinder- und Jugendärzte in der gemeinsamen Aktion „ZIMKid“, die dafür sorgt, dass der Konsensus eingehalten wird und man sich weiter fortbildet. Inzwischen haben die Kinderärzte fast 20.000 Zahnpässe an ihre kleinen Patienten verteilt. Der präventive Erfolg scheint messbar zu sein.

Wie in den meisten deutschen Städten werden auch in Mönchengladbach von den Zahnärzten des Öffentlichen Gesundheitsdienstes Prophylaxemaßnahmen durchgeführt und mit den Reihenuntersuchungen in Kindergärten und Grundschulen Daten erhoben, die später in die offiziellen Statistiken der Mundgesundheitsstudien einfließen.



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