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16.12.13 / 00:03
Heft 24/2013 Politik
Expertengespräch – 20 Jahre AZT

Das Ziel ist ein gutes Ergebnis

Qualitätsoptimierung als Prozess im Spannungsfeld zwischen Evidenzbasierung und Alltagspraxis? Der im Umfeld der Akademie Karlsruhe gegründete Arbeitskreis Zahnärztliches Therapieergebnis hat zwei Jahrzehnte Basisarbeit hinter sich. In einem Expertengespräch in Karlsruhe (15. November) wurden die Erfahrungen gesammelt, Zwänge aufgezeigt und Erfolgswege präsentiert.



Expertendiskussion in Karlsruhe: Akademie-Direktor Prof. Walther interviewt BZÄK-Vize Prof. Oesterreich. Foto: Akademie für zahnärztliche Fortbildung

„Nicht immer die beste, aber immer eine gute Lösung!“ So umschreibt einer der Teilnehmer am Expertengespräch „Community of Practice“, das die Akademie Karlsruhe anlässlich von 20 Jahren „Arbeitskreis Zahnärztliches Therapieergebnis“ (AZT) in Karlsruhe ausrichtete, die besondere Situation und das Streben von Zahnmedizinern im Praxisalltag. Der von Absolventen der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe als wissenschaftlich basierter, aber Pionierarbeit leistender Qualitätszirkel gegründete AZT gilt, so Referenten und Diskutanten aus Bund und Land, als ein ganz besonderes Beispiel für Versorgungsforschung.

Herr der Daten

Datensammlung habe, so Baden-Württembergs Zahnärztekammerpräsident Dr. Udo Lenke in Karlsruhe, „hohen Diskussionswert“: „Versorgungsforschung dient politisch als Legitimation für unser Handeln.“ Werden die Zahnärzte nicht selbst tätig, können andere die Daten sammeln und für sich interpretieren, betonte Lenke beispielsweise die Bedeutung der nächsten Deutschen Mungesundheitsstudie (DMS V), die im Herbst diesen Jahres in die Feldphase gegangen ist. Hier „das Heft in die Hand zu nehmen“, so Akademiedirektor Prof. Dr. Winfried Walther, sei immer Motivation und Motto des AZT gewesen, der 1993 nach einem Veteranentreffen der Akademie seine Arbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Endodontie aufgenommen hatte.

Seither hat sich die Arbeit des AZT verfeinert, die methodische Zusammenarbeit wurde intensiviert und – sogar im Zuge deutsch-niederländischer Zusammenarbeit – standfest gemacht. Leicht sei die Umsetzung der AZT-Arbeit nie gewesen, galt es doch auch, selbstbewusst eigene Wege zu finden. Immerhin stand im Raum, dass „Metastudien“ durchaus „gegen persönliche Erfahrungen einzelner Kollegen standen“. Inzwischen stünden die Ergebnisse der AZT-Arbeit, so die AG, für sich.

Angesichts der offensichtlichen „Macht solider Daten“, wie BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich in seinem Vortrag zum Thema herausstellte, sei das eine wichtige zahnmedizinische Aufgabe, die sich im Spannungsfeld von Patientenorientierung, Qualitätsförderung, Verwissenschaftlichung, aber auch Ökonomisierung und Versozialrechtlichung der Zahnmedizin zu behaupten habe.

Kostenfaktor Patient

Oesterreich: „Schwierig wird unsere Arbeit, wenn der Patient zum Kostenfaktor stilisiert wird.“ Auch Oesterreich bestätigte die Auffassung, dass es immer besser sei, diese Dinge so weit wie möglich im Berufsstand selbst zu regeln. Entscheidend sei hier „Datenfriedhöfe“ zu vermeiden und stattdessen gezielt „Daten für Taten“ zu generieren. Als wichtige Themenschwerpunkte nannte der BZÄK-Vizepräsident hier etwa die wohnortnahe Versorgung oder den demografischen Wandel. Oesterreich: „Wir brauchen keine Gesetze, sondern Maßnahmen aus dem Berufsstand heraus.“ Ein wichtiger Aspekt, bestätigte Akademie-Direktor Walther, weil es doch „sehr stark auf die Interpretation der Daten“ ankommt. Hier könnten Eigeninitiativen wie die AZT, so Prof. Franz Porzsolt (Ulm) in seinen Einschätzungen zur Nutzenbewertung von Gesundheitsleistungen, „beim Besser-Werden die ersten sein“.

Gerade die Zahnmedizin müsse, so Prof. Dr. Bernt-Peter Robra (Magdeburg), anders als andere Versorgungsbereiche „eigene Wege finden“: „Hier herrschen Verhältnisse, die den Bezug auf Abrechnungsdaten allein nicht opportun machen.“ Insofern kann die Einschätzung des Düsseldorfer Zahnarztes Dr. Rolf Winnen die Argumentation folgerichtig abrunden: „Evidenzbasierte Medizin darf nicht ideologisiert werden, sie darf nicht zum Paradigma für die Politik verkommen.“ Schranken setzen müsse die Pragmatik des Praxisalltags.



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