Roman K. Rahimi-Nedjat, Keyvan Sagheb, Christian Walter
28.11.14 / 00:01
Heft 23/2014 Der besondere Fall mit CME
Der besondere Fall mit CME

Das enorale Melanom


CME-Fortbildung

Eine 92-jährige Patientin wurde mit Schwellung und Verfärbung der Mundschleimhäute zur weiteren Diagnostik und Therapie vom Zahnarzt überwiesen. Die Patientin berichtete, dass sie vor drei Monaten zunächst eine Schwellung und im weiteren Verlauf beim Blick in den Spiegel eine deutliche Verdunkelung der Schleimhaut bemerkt hat.




Außer kardialen Vorerkrankungen ergab die Anamnese keine Auffälligkeiten. Bei der Inspektion der Haut fielen mehrere Lentigines seniles sowie ausgeprägte seborrhoische Keratosen auf. Die Patientin gab an, dass sie in ihrer Kindheit häufiger in der Sonne gewesen sei, weitere vermehrte Sonnenexpositionen verneinte sie. Eine hautärztliche Abklärung sei nicht erfolgt.

Die enorale Inspektion zeigte eine noduläre, braun-schwarze Veränderung der vestibulären Gingiva in regio 13 bis 22, die Papillen durchsetzend sowie palatinal bis in den weichen Gaumen reichend (Abbildung 2). Die Zähne in dieser Region zeigten Lockerungen II. bis III. Grades (Abbildung 3).

In einer direkt durchgeführten Probebiopsie, wurde die Verdachtsdiagnose eines malignen Melanoms bestätigt. Die Tumordicke nach Breslow betrug vier Millimeter und entsprach dem Clark-Level IV. Die Mitoserate wurde mit einer Mitose/mm 2 angegeben.

In der Computertomografie von Kopf-Hals, Thorax und Abdomen waren mehrere vergrößerte Lymphknoten erkennbar (Abbildung 4). Zusätzlich zeigte sich eine kontrastmittelaufnehmende, inhomogene Raumforderung im Bereich der Schilddrüse sowie eine pulmonale knotige Veränderung im Bereich des basalen Mittellappens. Bereits zum Zeitpunkt des Wiedervorstellungstermins zur Besprechung des histopathologischen Ergebnisses war es zu einem deutlichen Progress gekommen (Abbildungen 5 und 6).

Im interdiszipliären Tumorboard mit Dermatologie, Strahlenklinik sowie Hämatoonkologie wurde bei dem weit fortgeschrittenen Stadium mit der massiven Ausdehnung des Tumors und auch vor dem Hintergrund des fortgeschrittenen Alters eine palliative Therapie mittels lokaler Bestrahlung beschlossen, der die Patientin sowie deren Angehörige zustimmten. Leider entwickelten sich kurz nach der Radiatio multiple zervikale Metastasen (Abbildung 7). Eine weiterführende Therapie wurde durch die Patientin nicht mehr angenommen.



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